Homeoffice wegen Corona: Wie bekommt man die Mehrkosten wieder rein?

02.04.2020 | 13:12 Uhr

Viele Menschen arbeiten gerade von zu Hause aus, um ihre Familien und Kollegen vor einer Ansteckung mit dem Corona-Virus zu schützen. Das treibt den Stromverbrauch und auch die Rechnungen für Lebensmittel, für Wasser und Heizung nach oben. Noch ist offen, wer für diese Mehrkosten einspringt. Homeoffice-Arbeiter sollten sich aber jetzt schon kümmern.

Eine Frau arbeitet während der Corona-Einschränkungen im Homeoffice
Bildrechte: imago / imago images / Hans Lucas

Lehrer und Steuerberater, Mitarbeiter von Behörden und Banken, Kundenbetreuer, Assistenten, Programmierer und viele andere Angestellte und Selbstständige: Wer seine Arbeit mit Computer, Internet und Telefon schafft, macht das derzeit sehr oft von zu Hause aus. Viele freiwillig, in Absprache mit dem Arbeitgeber, manche auf Anordnung - so soll die Ausbreitung des Coronavirus so gut wie möglich verlangsamt werden.

Kann anstrengend und deutlich teurer sein

Kinder betreuen, arbeiten, Essen kochen: Homeoffice kann anstrengend sein (Symbolbild)
Kinder betreuen, arbeiten, Essen kochen: Homeoffice kann anstrengend sein. Das Foto hat uns Hörer Michael geschickt. Bildrechte: Privat / Michael Dörfel

Homeoffice ohne Kollegen und Chefs fühlt meist nur die ersten Minuten wie Entspannung an. Manche Tätigkeiten kosten aus der Ferne mehr Zeit, die Kollegen sind nicht immer gleich erreichbar, das Internet ruckelt. Viele Homeoffice-Arbeiter müssen nebenbei noch ihre Kinder betreuen und Essen kochen. Dafür müssen mehr Lebensmittel rangeschafft werden. Zudem wissen viele schon jetzt, dass in den nächsten Monaten höhere Rechnungen kommen: Für Wasser und für die Heizung mit der nächsten Nebenkostenabrechnung, für Strom mit der nächsten Rechnung vom Energieversorger. Das Vergleichsportal Verivox hat ausgerechnet: Für einen Computer, für Kochen und Aufladen des Smartphones wird knapp ein Euro extra pro Arbeitstag fällig. Bei vielen Familien dürften diese Extrakosten allein beim Strom höher ausfallen.

Wer springt für die Mehrkosten durch Homeoffice ein?

Dafür gibt es derzeit noch keine endgültigen Regeln, sagt Hermann-Josef Tenhagen vom unabhängigen Verbrauchermagazin Finanztip. Er rät, als erstes jetzt mit dem Arbeitgeber zu reden. Auch um möglichst effektiv und gesundheitsschonend Aufgaben erledigen zu können. "Homeoffice mache ich nicht freiwillig. Das ist immer im gemeinsamen Interesse: Ich kann weiterarbeiten und so mein Geld verdienen und mein Arbeitgeber kann weiter auf seine Mitarbeiter setzen. Dafür sollte er auch alles an Infrastruktur bereitstellen und bezahlen, damit ich vernünftig arbeiten kann." Dabei geht es aber erst einmal um die Ausstattung mit Technik wie Computer, Bildschirm und Headset. Zusätzlich sollten sich Arbeitnehmer schon jetzt bestätigen lassen, dass ihr Homeoffice für einen festgelegten Zeitraum ihr einziger Arbeitsplatz ist. Finanzexperte Tenhagen sagt:

Hermann-Josef Tenhagen von Finanztip
Hermann-Josef Tenhagen von Finanztip Bildrechte: Finanztip

Für die Steuererklärung kann ich ja sonst immer nur Dinge angeben, die mit der Arbeit zu tun haben. Aber nicht mein Büro zu Hause. Da arbeite ich aber jetzt. Das sollte ich aufschreiben und mit dem Schreiben vom Arbeitgeber dem Finanzamt schicken und das schon mal auf der Steuerkarte eintragen lassen für 2020.

Wie viel gibt es mit der Steuererklärung zurück?

Frauenhände auf einem Laptop
Bildrechte: imago images/Westend61

Für das Arbeiten im Homeoffice können mit der Steuererklärung 1.250 Euro pro Jahr abgesetzt werden, so Steuerrechtsexperte Matthias Hiller von der SRH Fernhochschule gegenüber der Nachrichtenangentur AFP: "Nur wenn kein anderer Arbeitsplatz vorhanden ist, kann das häusliche Arbeitszimmer überhaupt steuerlich berücksichtigt werden, nicht jedoch, wenn ein Wechsel ins Homeoffice freigestellt wurde." Zudem müsse der Raum nahezu ausschließlich für die Arbeit genutzt werden und von den Privaträumen abgetrennt sein. Die Ersparnis kann jeder selbst ausrechnen, so der Steuerrechtsexperte: Die Warmmiete des Arbeitszimmers werde anteilig anhand der Quadratmeter ermittelt. Dieser Betrag werde dann auf die Arbeitstage im Homeoffice umgelegt. Ein Beispiel: Für 100 Quadratmeter Wohnfläche etwa beträgt die Warmmiete tausend Euro, das Arbeitszimmer ist 20 Quadratmeter groß. Wer so im März und April aus dem Homeoffice gearbeitet hat, kann 400 Euro steuermindernd ansetzen.

Was kann man machen, wenn die Nebenkostenrechnung viel höher ausfällt?

Bei den meisten Mietern sind die Vorauszahlungen für die Nebenkosten so angesetzt, dass sie einen Mix aus Arbeitstagen außer Haus und Wochenende abdecken. Durch Arbeiten im Homeoffice kommen auf viele 2021 wahrscheinlich hohe Nachzahlungen zu. Hermann-Josef Tenhagen von Finanztip sagt: "Auch da würde ich erst zum Arbeitgeber gehen und ihn auf die Zusatzkosten hinweisen. Wenn der sich quer stellt, würde ich die Kosten beim Finanzamt als Werbungskosten abrechnen." Lundquist Neubauer von Verivox sagt:

Wenn sich Arbeitnehmer und Arbeitgeber einigen, dass etwa die Stromkosten erstattet werden, ist das möglich. Ob der Arbeitnehmer einen Rechtsanspruch darauf hat, ist juristisch nicht ganz geklärt.

Kann man Kosten für die Kinderbetreuung geltend machen?

Eine alleinerziehende Mutter räumt gemeinsam mit dem kleinen Kind die Wohnung auf
Bildrechte: imago images / photothek / Ute Grabowsky

Kitas und Schulen sind seit fast zwei Wochen geschlossen. Eltern im Homeoffice müssen sich neben ihrer Arbeit selbst um ihre Kinder kümmern. Immerhin, die Gebühren für Kindergarten und Hort fallen weg. Der Freistaat Sachsen hat mit seinen Kommunen schon eine einheitliche Regelung vereinbart: Laut Kultusministerium werden für den Zeitraum der Schließung von Kindertageseinrichtungen, Orten der Kindertagespflege und Horten "keine Elternbeiträge erhoben". Gezahlte Gebühren gebe es zurück. Auch in Thüringen werden keine Beiträge mehr für die geschlossenen Horte und Kindergeräten fällig. Sachsen-Anhalt wird ebenfalls für die Kitabeiträge im April aufkommen. Den Kommunen wird das Land empfehlen, für den kommenden Monat keine Gebühren zu erheben. Selbst bei einer Notbetreunung sollen Eltern keine Gebühren bezahlen müssen, so die Sozialministerin Petra Grimm-​Benne (SPD). Ob Eltern darüber hinaus unterstützt werden, ist derzeit offen. Der Bundesverband Lohnsteuerhilfevereine e.V. rät: Müssen Alleinerziehende und Eltern jemand für die Betreuung bezahlen, können sie ihren Arbeitgeber dafür um einen Zuschuss bitten. Bis zu 600 Euro darf der steuerfrei zuschießen. In der aktuellen Situation sind viele Unternehmen sehr kulant. Vielleicht klappt das auch mit dem Zuschuss.

Kaum Auswirkungen für Strom-, Wasser- und Energieversorger

Viele haben ihren Arbeitsplatz in die eigene Wohnung verlegt. Gleichzeitig fahren zahlreiche Unternehmen ihre Produktion herunter, in vielen Behörden sind nur wenige Büros belegt. Die vom MDR angefragten Versorger spüren offenbar aus diesem Grund nur wenig, dass viele Menschen in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen seit einigen Tagen im Homeoffice arbeiten. Frank Kukuczka ist Geschäftsführer bei der Wasserversorgung Weißeritzgruppe und sagt:

Homeoffice hat für uns bisher keine Auswirkungen. Viele Firmen haben zugemacht und brauchen für ihre Produktion kein Wasser.

Das Unternehmen versorgt unter anderem in Sachsen Dippoldiswalde, Altenberg, Tharandt und die zugehörigen Regionen mit Wasser. Stefan Buscher ist Sprecher des großen ostdeutschen Energieversorgers EnviaM. Er schreibt auf Anfrage:

Windenergieanlage neben Steinkohle-Kraftwerk und Hochspannungsleitungen
Bildrechte: imago/Jochen Tack

Die Netzlast in unserem Netzgebiet liegt seit der Corona-Krise 10 bis 20 Prozent unter dem Wert vergleichbarer Tage der Vorjahre. Der Umstand, dass seit der Corona-Krise vermehrt Arbeitnehmer und Selbständige im Home-Office arbeiten, hat da keinen wahrnehmbaren Einfluss.

Viele drehen jetzt zu Hause für die Arbeit die Heizung auf, gleichzeitig wird Wärme in den Unternehmen und in öffentlichen Einrichtungen wie Schulen oder Rathäuser eingespart: Davon gehen die Städtischen Werke Magdeburg aus. Ein Effekt durch das Homeoffice sei derzeit nicht nachweisbar. Sprecherin Cornelia Kolberg zum Stromverbrauch:

Bei der Spitzenlast in der letzten Märzwoche gibt es aber einen Unterschied von zehn bis fünfzehn Megawatt im Vergleich zum letzten Jahr. In der Tagesmitte wird weitaus weniger verbraucht als im März 2019, aufgrund der fehlenden industriellen und gewerblichen Abnehmer.

Das Unternehmen rechnet aber mit deutlich mehr Müll, weil viele Menschen derzeit ihre Wohnungen und Keller aufräumen.

Mit Material von AFP

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 31. März 2020 | 14:25 Uhr

Weitere Informationen zu Corona