Geschäfte, Restaurants und Kinos: Zutritt mit Ticket auf dem Smartphone?

Kunden sollen in einer Handy-App konkrete Zeiten für den Einkauf, den Besuch beim Friseur oder im Restaurant buchen. Damit will der Deutsche Industrie- und Handelskammertag Menschenansammlungen vermeiden.

Zurzeit ein übliches Bild: Eine Frau mit Mundschutz, beim Blick aufs Smartphone.
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Tickets für die Bahn, das Konzert oder für das Kino mit einer App auf dem Smartphone kaufen und dann das Handy bei der Kontrolle einfach vorzeigen: Das war für viele vor der Corona-Krise schon Alltag. Jetzt sollen solche Ticket-Apps helfen, die Ansteckungsgefahr durch das Virus zu verringern. Gleichzeitig sollen die Programme auch wieder mehr Menschen dazu bringen, Geschäfte in ihrer Nähe oder den Innenstädten zu besuchen.

Zeitfenster für den Einkauf buchen

Kleine und große Geschäfte geben vorher in die Ticket-App ein, wie viel Verkaufsfläche sie haben und welche Öffnungszeiten sie anbieten. Kunden tippen auf dem Smartphone oder auf einer Webseite ein, wann sie etwa einkaufen möchten. Eine Software vergibt dann Zeitfenster für den Einkauf. Vor Ort zeigen Kunden dann ihr Smartphone kurz vor und ein QR Code auf dem Display erlaubt dann den Zutritt. Alternativ nennen sie ihren Namen und können den Laden betreten. So in etwa könnte eine Ticketlösung in der aktuellen Corona-Situation funktionieren, die der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) jetzt vorgeschlagen hat. Über die Ticket-App sollen auch Friseure Termine vergeben können. Auch Kinobesuche, Übernachtungen oder ein Essen mit Freunden oder Familie könnten auf diesem Weg gebucht werden. Dirk Binding leitet beim DIHK den Bereich Digitale Wirtschaft und sagte MDR JUMP:

Dirk Binding, Leiter Digitale Wirtschaft beim DIHK
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Kunden stehen dann nicht in einer Schlange vor dem Geschäft, sondern können direkt rein und einkaufen oder sich beraten lassen. Das Schlangestehen beeinträchtigt nicht nur das Einkaufserlebnis. Die Menschen halten sich dann auch aus Sorge vor einer Ansteckung beim Einkaufen zurück.

Dirk Binding betont aber, die Ticket-App sei freiwillig. Wer die nicht nutzen wolle, könne weiterhin ganz normal einkaufen. Dann fehle aber die Sicherheit, nicht Schlange stehen zu müssen.

Weniger Menschen gleichzeitig an einem Ort

Mit der Ticket-App würde ein großer Teil der Spontanität wegfallen, die viele Menschen beim Einkaufen schätzen. Doch die gibt es in Zeiten mit vielen geschlossenen Geschäften, Mitnahmeangeboten und verkürzten Öffnungszeiten derzeit sowieso nur selten. Der DIHK will mit Hilfe der Apps Menschenströme besser steuern und damit auch das Ansteckungsrisiko verringern: Zum einen wissen Händler so schon etwas im Voraus, wann sie mit vielen Kunden rechnen können.

Mit den Tickets könnten etwa Lebensmittelgeschäfte besser planen und in den zehn Minuten zwischen zwei Kunden die Wagen desinfizieren. Restaurants könnten die Zeitfenster so vergeben, dass sie zwischen verschiedenen Gästen die Tische in Ruhe reinigen können.

Gleichzeitig könnte die App nach den Vorstellungen des DIHK in Echtzeit auch GPS-Daten von Nutzern auswerten, wie das etwa Navigationsdienste für Autofahrer schon machen. Handynutzer könnten dann per Push-Nachricht gewarnt werden, wenn schon sehr viele Menschen vor einem Geschäft stehen oder in einer Shoppingmall oder Innenstadt unterwegs sind. Das könnte auch Baumärkten, Kaufhäusern, Möbel- und Großmärkten helfen. Der Vorschlag des DIHK kommt in einer Zeit, in der heftig über weitere Lockerungen etwa für Restaurants und Cafés diskutiert wird. Zudem klagen aktuell viele Einzelhändler über leere Geschäfte. Offenbar sind viele Kunden noch vorsichtig. Eine App könnte für ein sicheres Gefühl und so vielleicht auch für mehr Umsatz sorgen.

Vorbild USA

Bisher ist das Ganze nur eine Idee des DIHK, die am Wochenende als Konzeptpapier an die Bundeskanzlerin Angela Merkel und Wirtschaftsminister Peter Altmaier (beide CDU) übermittelt wurde. Eine App mit all den beschriebenen Funktionen gibt es bisher in Deutschland noch nicht. Dirk Binding sagt trotzdem:

Wir könnten morgen schon starten. In den letzten Tagen sind 40 Unternehmen auf uns zugekommen, die Erfahrungen mit solchen Ticketing-Systemen und auch eigene Systeme haben. Die müsste dann noch angepasst werden, damit etwa Händler die auf ihren Webseiten einbauen können. Und es wäre auch sinnvoll, wenn sich Geschäfte zusammenschließen – damit die Kunden nicht immer zwischen verschiedenen Apps oder Webseiten wechseln müssen.

Zutritt nur mit QR-Code auf dem Smartphone: In Frankreich wird das bei den aktuellen Ausgangsbeschränkungen wegen Corona genutzt.
Zutritt nur mit QR-Code auf dem Smartphone: In Frankreich wird das bei den aktuellen Ausgangsbeschränkungen wegen Corona genutzt. Bildrechte: imago images / Hans Lucas

Vorbild könnten Ticket- oder Zutritts-Apps aus dem Ausland sein. In den USA werden schon lange über die App OpenTable Restaurant-Zeitfenster gebucht. Frankreich setzt bei den aktuell verhängten strengen Ausgangssperren auch auf Zugangskontrollen mit QR Codes: Wer Haus oder Wohnung für Einkäufe, Arbeit, Arztbesuche oder aus dringenden familiären Gründen verlassen will, muss sich dafür eine Ausgehbescheinigung ausdrucken oder auf das Smartphone ziehen. An Geschäften kann dann der QR Code kontrolliert werden.

Mit Material von dpa und AFP.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP Nachrichten | 30. April 2020 | 11:00 Uhr

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