Diese Apps sollen helfen, Corona einzudämmen

21.04.2020 | 07:51 Uhr

Corona-Apps werden aktuell überall diskutiert. Die Idee: Mit digitalen Mitteln die Verbreitung des Corona-Virus eindämmen und dadurch raus aus dem Shutdown. Doch wie funktionieren diese Apps und wie ist das mit dem Datenschutz?

Eine Person hält sein Smartphone, auf dem COVID-19 APP steht, mit Schutzhandschuhen
Bildrechte: imago images/Jens Schicke

Ob China, Südkorea oder die EU – überall werden Corona-Apps entwickelt oder bereits eingesetzt. Teils mit großen Unterschieden was Datenschutz und Freiwilligkeit dieser Apps betrifft. Auch in Deutschland sind die Hoffnungen in die Infektionsvermeidung via Smartphone groß. Mit einer App habe man die Chance „innerhalb von zwei oder drei Monaten tatsächlich die Infektionszahlen so herunterzukriegen, dass das Virus austrocknet“ sagte der Wissenschaftsjournalist Ranga Yogeshwar. Andere sind skeptisch: Man solle von einer App keine Wunderwirkung erwarten.

Im Folgenden stellen wir euch die verschiedenen Corona-Apps vor. Der Fachjournalist Michael Link von der Computerzeitschrift c't bewertet für uns, wie es bei den verschiedenen Apps um den Datenschutz bestellt ist.

Die Datenspende-App des RKI

Der Schriftzug «Ihr Beitrag gegen Corona» ist in der Anwendung «Corona-Datenspende» vom Robert Koch-Institut (RKI) zu sehen, während eine Frau ihren Daumen auf die Schaltfläche «Ich möchte helfen» legt.
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Bereits verfügbar ist die Datenspende-App des Robert-Koch-Instituts. Über Fitnessapps wie Polar vergleicht sie zum Beispiel das Schlafverhalten und Bewegungsaktivitäten. Eine Abweichung vom gesundheitlichen Normalzustand soll dann auf eine Covid-19-Erkrankung hinweisen. Viele Deutsche haben die App bereits installiert.

Link ist jedoch skeptisch gegenüber diesem Ansatz: Damit das funktionieren kann, seien viele Vergleichsdaten nötig, um überhaupt zu wissen, was der gesundheitliche Normalzustand ist. Schlimmer: Es handele sich um „keinen besonders vertrauenserweckenden Ansatz“. Die Verwendung der Daten sei für den Nutzer intransparent. Außerdem fehle unabhängigen Experten die Möglichkeit, die Technik kritisch zu testen.

Apps auf Basis von GPS und WLAN

Ein anderer Ansatz nutzt die individuellen Bewegungsprofile, die sich aus WLAN- und GPS-Daten ableiten lassen. Die Idee: Wenn bekannt ist, wo ich wann gewesen bin, lässt sich ein möglicher Kontakt zu Infizierten rückverfolgen. In Südkorea etwa werden GPS-Daten intensiv genutzt, um Corona einzudämmen. Auch die Wissenschaftler-Vereinigung Leopoldina plädierte in ihrem Bericht für den Einsatz von Bewegungsdaten.

C't-Redakteur Link sieht diesen Ansatz kritisch: Erstens seien GPS- und W-LAN-Ortung nur auf fünf bis 15 Meter genau. Präzise Kontaktverfolgung aufgrund fehlender Genauigkeit sei also nicht möglich. Zweitens sei vieles, was diese Apps erheben, „datenschutztechnisch überflüssig“, so Link. Diese Apps greifen also Daten ab, die nichts zur Infektionsvermeidung beitragen.

Apps auf Basis von Bluetooth

Jens Spahn
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Den vielversprechendsten Ansatz entwickelt laut Link derzeit ein europäischer Verbund von Forschern. Ziel des Projekts PEPP-PT ist eine Bluetooth-basierte App. Sie soll so funktionieren, dass Daten immer nur anonym zwischen Personen ausgetauscht werden. Das heißt: Bewegungsdaten sowie Gesundheitsdaten, die über die Frage, ob man mit Corona infiziert ist, hinausgehen, soll die App nicht auslesen. Falls ich jemandem also begegne, der infiziert ist, teilt mir mein Smartphone dies mit. Hier müssen wir uns aber noch gedulden. Die Entwicklung ist schwieriger als gedacht. Ursprünglich für die Zeit nach Ostern angekündigt, ist nun eher Anfang Mai mit einer App zu rechnen, wie Gesundheitsminister Spahn kürzlich bestätigte.

Apple und Google arbeiten derzeit gemeinsam an einem ähnlichen Ansatz. Doch auch die Software-Riesen aus dem Silicon-Valley werden die App nicht vor Mitte Mai an die Öffentlichkeit bringen.

Corona-Apps und Datenschutz

Corona-Apps arbeiten also mit sehr persönlichen Daten. Es ist wichtiges Grundrecht, dass Informationen über unsere Gesundheit und unseren Aufenthaltsort geschützt sind. Grundsätzlich müsse eine solche App daher „so wenig Daten wie möglich“ einsammeln und auf Freiwilligkeit basieren, fordern Experten wie Link. Eine verpflichtende Installation, wie sie Jens Spahn ursprünglich gefordert hat, untergrabe das Vertrauen der Bürger in den Staat. Auch vor einer nur scheinbaren Freiwilligkeit „hintenherum“ warnt Link, zum Beispiel, dass man „in einen Supermarkt nur hereinkommt, wenn man der Security vorne zeigt, dass man in der App nicht positiv getestet worden ist.“ Weiterhin fordert Link, dass die Apps von unabhängigen und kritischen Experten auf Herz und Nieren geprüft werden. Es sei „eminent wichtig, dass solche Apps nicht das Potential haben, zu einer Datenwanze zu werden“.

Bei dieser App darf es sich nur um eine Frage des Vertrauens handeln. Sobald eine solche App verpflichtend eingeführt werden soll, werden wir erleben, dass die Leute ihre Smartphones zuhause lassen, bzw. nicht mehr benutzen.

Michael Link vom c’t - Magazin

Dieses Thema im Programm MDR JUMP-Nachrichten | 20. April 2020 | 14:00 Uhr

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