Bundeswehr testet Diensthunde als Corona-Schnüffler

Vermisste Menschen, Sprengstoffe, Drogen – es gibt kaum etwas, das speziell trainierte Hunde nicht finden können. Nun probiert die Bundeswehr aus, ob sich solche außergewöhnlichen Fähigkeiten auch in der Corona-Pandemie nutzen lassen.

Schäferhund riecht Corona
Bildrechte: Bundeswehr/Roland Alpers

Hunde können in der Corona-Pandemie wirklich nützlich sein. Eros – ja, der heißt wirklich so! – ist ein Beispiel dafür. Mit einem Korb im Maul bringt der achtjährige Labrador Retriever in einem Viertel der kolumbianischen Stadt Medellin Einkäufe von einem Supermarkt zu Menschen, die wegen der geltenden Auflagen ihre Wohnung nicht verlassen dürfen. Zur Belohnung bekommt er Leckerli und Kopfkraulen.

Hundenasen sind meisterhafte Geruchsdetektoren

Doch die Bundeswehr testet gerade in ihrer Diensthundeschule im rheinland-pfälzischen Ulmen, ob Vierbeiner vielleicht sogar noch deutlich wichtigere Aufgaben übernehmen können. Es geht um die Frage, ob Hunde vielleicht Corona erschnüffeln können. Abwegig ist die Idee ganz und gar nicht. Speziell trainierte Tiere werden schließlich nicht nur zur Suche nach Menschen, Sprengstoffen oder Drogen eingesetzt. Anhand von für uns nicht wahrnehmbaren Substanzen in der Atemluft von Patienten können manche Hunde auch die drohende Unterzuckerung von Diabetikern, Infektionen oder verschiedene Krebserkrankungen erschnüffeln. Experten sind dabei immer wieder fasziniert von der Riechleistung der Tiere, die teils um Größenordnungen besser ist als die von Messinstrumenten.

Zusammen mit der Tierärztlichen Hochschule Hannover probiert die Truppe deswegen aus, ob das auch bei Corona klappt. Konkret bekommen Hunde wie der dreijährige Belgische Schäferhund Donnie Speichelproben vorgelegt und sollen mit deren Hilfe erkennen, ob jemand erkrankt ist oder nicht. Insgesamt laufen an der Diensthundeschule Tests mit zehn der insgesamt 300 Tiere. Neben Schäferhunden kommen dabei auch Spaniel und Retriever zum Einsatz. Nach Angaben der Bundeswehr liegt die Trefferquote der vierbeinigen Schnüffler derzeit bei etwa 80 Prozent. Ende des Monats sollen belastbare Ergebnisse vorliegen.

Viele Länder testen Hunde als Corona-Schnüffler

Auch Experten in Großbritannien, Finnland und Frankreich prüfen gerade, ob sich Hunde im Kampf gegen Corona nutzen lassen. „Im Gegensatz zu den europäischen Kollegen nutzen wir den Speichel von infizierten Personen, in dem zunächst die Viren chemisch inaktiviert, also unschädlich gemacht werden“, sagt Doktorandin Paula Jendrny von der Tierärztlichen Hochschule Hannover. „Speichel hat den Vorteil der schnellen und ortsunabhängigen Verfügbarkeit, wenn viele Menschen getestet werden sollen.“

Allerdings gibt es bei den aktuell laufenden Tests eine Schwierigkeit: Wenn die Versuchsreihe mit den inaktiven Viren erfolgreich abgeschlossen ist, sollen die Tiere auch mit aktiven Erregern trainiert werden. „Das muss dann unter ganz anderen Bedingungen stattfinden, schließlich müssen wir sicher sein, dass sich niemand an den hochinfektiösen Proben anstecken kann“, so Forscherin Jendrny.

Praxiseinsatz dauert wohl noch...

Bis zu einem praktischen Einsatz der Tiere vergeht also wohl noch eine Weile. Zumal noch zu klären wäre, wo und unter welchen Bedingungen die Bundeswehrhunde eigentlich schnüffeln dürften. Und noch etwas gibt es zu bedenken: Neben Menschen können sich eben auch Hunde mit dem Sars-CoV2- Erreger anstecken – und zwar normalerweise von einem infizierten Herrchen oder Frauchen. Oder, im schlechtesten Fall, eben vom Diensthundeführer. Hunde zeigen zwar normalerweise keine stärkeren Krankheitssymptome, eine Infektion ist aber zumindest meldepflichtig.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP Nachrichten | 15. Juli 2020 | 14:00 Uhr

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