Corona-Gipfel: "Kontaktbeschränkungen sind das Erfolgsrezept. Und wir brauchen mehr davon!"

Keine Lockerungen, aber auch erstmal keine neuen Verbote, dafür eindringliche Appelle der Bundeskanzlerin – so ist die Bund-Länder-Konferenz in Berlin zu Ende gegangen.

FOTOMONTAGE, Wegweiser mit der Aufschrift Kontaktbeschränkungen und Corona-Symbolen
Bildrechte: imago images/Christian Ohde

Fünf Stunden lang haben Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Ministerpräsidenten der Länder Halbzeitbilanz des bisherigen Teil-Lockdowns gezogen. Der Bund möchte die Maßnahmen verschärfen, weil die Infektions-Zahlen weiter hoch sind. Aber einige Ministerpräsidenten halten das für verfrüht. Und so gab es zunächst weitere Appelle, Verschärfungen könnten nächste Woche folgen.

Darauf haben sich Bund und Länder geeinigt:

PRIVATE TREFFEN: Private Zusammenkünfte mit Bekannten und Verwandten sollen sich auf "einen festen weiteren Hausstand" beschränken, das gilt auch für Kinder und Jugendliche. Auf private Feiern sollen Bürgerinnen und Bürger verzichten. Ginge es nach der Bundesregierung, sollten private Kontakte sogar noch weiter reduziert werden: nämlich auf Treffen mit maximal zwei Personen aus einem anderen Hausstand, Kinder dürften nur noch mit einem festen Freund oder einer Freundin spielen.

Angela Merkel auf einer Pressekonferenz
Bildrechte: dpa

Die Kontaktbeschränkungen sind das Erfolgsrezept. Und wir brauchen mehr davon. Jeder Kontakt, der nicht stattfindet, ist gut. 

MOBILITÄT: Auf "nicht notwendige private Reisen und touristische Tagestouren" sollte man verzichten und öffentliche Verkehrsmittel möglichst meiden.

TELEFONISCHE KRANKSCHREIBUNG: Wer eine Atemwegserkrankung hat, sollte die Möglichkeit nutzen, sich vom Arzt telefonisch krankschreiben zu lassen. Dieser sollte auch sagen, ob ein Test gemacht werden muss.

SCHUTZ VON RISIKOGRUPPEN: Besonders gefährdete Menschen sollen zum Schutz vor dem Coronavirus Anfang Dezember 15 vergünstigte FFP2-Masken erhalten. Das ergebe rechnerisch eine Maske pro Winterwoche. Wer genau profitiert, soll noch geklärt werden. Außerdem sollten Ältere und gefährdete Menschen wirklich nur noch dann besucht werden, wenn alle Familienmitglieder frei von Krankheitssymptomen sind.

IMPFZENTREN: Bund und Länder rechnen damit, dass es höchstwahrscheinlich im ersten Quartal kommenden Jahres mindestens einen zugelassenen Impfstoff gibt. Die Länder sollen dafür sorgen, dass ihre Impfzentren und -strukturen dann kurzfristig in Betrieb gehen können.

NACHVERFOLGUNG VON INFEKTIONEN: Da eine vollständige Nachverfolgung von Kontakten oft nicht möglich ist, soll bei Ausbrüchen beispielsweise an Schulen Quarantäne angeordnet werden können, auch ohne positives Testergebnis.

TECHNOLOGIE: Gesundheitsämter sollen noch stärker digitale Systeme zur Kontaktnachverfolgung nutzen, und die Corona-Warn-App soll weiter verbessert werden.

SCHULE: Dieser Punkt ist nach den Beratungen noch offen. Nach dem Willen der Bundesregierung sollen die Schulen grundsätzlich geöffnet bleiben, aber unter verschärften Bedingungen: Der Bund will die Bildung ausnahmslos fester Gruppen, eine Halbierung der Schulklassen und eine Maskenpflicht für alle Kinder im Unterricht

Mitteldeutsche Länderchefs schließen sich Merkels Appellen an

Auch die Ministerpräsidenten von Sachsen-Anhalt und Thüringen, Reiner Haseloff und Bodo Ramelow setzen auf weitere Kontaktbeschränkungen. Ziel sei es, dass Weihnachten in den Familien gefeiert werden könne. Man wolle niemanden zumuten, isoliert zu Hause zu sitzen, sagte Ramelow dem MDR. Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer rief alle auf, sich am Kampf gegen das Coronavirus aktiv zu beteiligen.

Michael Kretschmer (CDU), Ministerpräsident von Sachsen, spricht auf einer Pressekonferenz im Innenministerium.
Bildrechte: dpa

Mit Disziplin und Verzicht können wir alle dazu beitragen, die Infektionszahlen weiter zu reduzieren und so mithelfen, dass wir alle gut durch die kommenden Wochen und Monate kommen.

Am 25. November soll es weitere Beratungen geben und - wenn die Zahl der Infizierten und schwer Erkrankten bis dahin nicht stark gesunken ist - womöglich auch weitere verbindliche Einschränkungen. Die Gesundheitsämter in Deutschland meldeten zuletzt 14.419 neue Corona-Infektionen innerhalb von 24 Stunden, teilte das Robert Koch-Institut mit. Das waren rund 900 weniger als vor einer Woche. Die Gesamtzahl der Infektionen seit Beginn der Pandemie stieg damit in Deutschland auf 815.746. Es starben 267 weitere Menschen an oder mit dem Virus. Die Zahl der Todesfälle erhöhte sich auf 12.814.

Mit Material von dpa und AFP

Dieses Thema im Programm MDR JUMP Nachrichten | 17. November 2020 | 06:00 Uhr

Weitere Informationen zu Corona