Mitteldeutschland: Der Pflegebonus kommt

Die Corona-Krise hat gezeigt, wie wichtig und systemrelevant einige Berufe sind. Um Pflegekräften eine Wertschätzung zukommen zu lassen, sollen sie einen Bonus bekommen - auch in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen.

Eine Pflegerin steht mit Mundschutz mit einer Seniorin am Fenster und winkt
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Dass den Pflegekräften in Deutschland während der Corona-Pandemie ein besonderer Dank gilt, steht außer Frage. Sie haben die Menschen, die ein hohes Infektionsrisiko haben, versorgt. Haben ihnen aber auch emotional beigestanden, während sie nicht oder kaum von Angehörigen besucht werden durften. Lange wurde nun diskutiert, wie der Dank an die Pflegekräfte aussehen könnte.

Der Pflegebonus in Deutschland

Bis zu 1.000 Euro vom Bund soll es als Bonuszahlung für Pflegekräfte geben, das hat der Bundestag und der Bundesrat Mitte Mai beschlossen. Die 1.000 Euro werden von der Pflegeversicherung übernommen. Das Geld wird steuerfrei sein, damit die Pflegekräfte mehr davon haben. Deshalb soll es „zum Zweck der Wertschätzung für die besonderen Anforderungen während der Coronavirus-SARS-CoV-2-Pandemie eine für jeden Beschäftigten einmalige Sonderleistung" geben, so steht es im Gesetz.

Der Pflegebonus in Mitteldeutschland

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn forderte die Länder auf, die Bonuszahlung aufzustocken. Die mitteldeutschen Länder folgen seinem Vorschlag: In Sachsen gibt es bis zu 500 Euro extra. Die sächsische Gesundheitsministerin Petra Köpping dazu:

Ich freue mich sehr, dass wir dem Personal, das in der Altenpflege tagtäglich sein Bestes gibt, auf diese Art unsere Wertschätzung übermitteln können.

Auch die Länder Thüringen und Sachsen-Anhalt wollen den Pflegebonus des Bundes mit zusätzlichen 500 Euro pro Person aufstocken. Die sachsen-anhaltische Gesundheitsministerin Petra Grimm-Benne betonte, dass in der Altenpflege Tag und Nacht ein wertvoller Dienst geleistet würde, das gelte insbesondere auch unter den speziellen Bedingungen der Corona-Einschränkungen. Der Bonus solle dafür eine Anerkennung sein.

Abhängig ist die genaue Bonus-Summe von der Einsatzzeit und Arbeitszeit der Pflegekräfte. Wann das Geld an die Pflegekräfte ausgezahlt wird, ist in vielen Fällen noch offen.

Wer bekommt den Bonus?

Pflegerin mit Mundschutz mit dem Wort "systemrelevent" darauf geschrieben
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Die volle Prämie des Bundes erhalten Arbeitnehmer, die hauptsächlich in der direkten Pflege und Betreuung arbeiten. Also Voll- und Teilzeitbeschäftigte in Pflegeeinrichtungen, wenn sie vom 1. März 2020 bis einschließlich 31. Oktober 2020 mindestens drei Monate in einer Pflegeeinrichtung tätig waren. Der Bonus soll auch an Auszubildende, Freiwilligendienstleistende und Helfer im freiwilligen sozialen Jahr gezahlt werden - so steht es im Gesetz.

Wie geht es in Zukunft weiter?

Der sächsische Landtagsabgeordnete Henning Homann sieht den Bonus als „kurzfristige wichtige Anerkennung". Ziel bleibe aber ein Pflege-Tarifvertrag, der gerechte Löhne sichere und Arbeitsbedingungen dauerhaft verbessere.

Auch Andreas Schmidt, Abgeordneter des Landtages in Sachsen-Anhalt, findet, dass der Pflegebonus ein Signal für die Zukunft sein sollte:

Niemand wird sich wegen des Einmalbonus für die Ausbildung in einem Pflegeberuf entscheiden, wenn die Rahmenbedingungen nicht stimmen. Gute Arbeitsbedingungen und ordentliche Tariflöhne – darum müssen sich Arbeitgeber und Pflegekassen zusammen mit Bund und Ländern kümmern.

Astrid Rothe-Beinlich, Landtagsabgeordnete in Thüringen, erklärte schon vor der Verabschiedung der Bonuszahlung, dass der Fokus auf Jobs gelenkt werden müsse, die viel zu lange unbeachtet und zu gering entlohnt geblieben seien. Grundsätzlich brauche es eine bessere Entlohnung in der Pflege.

Auch der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe will mit der Kampagne "PflegeNachCorona" erreichen, dass sich unter anderem die Arbeitsbedingungen und die Bezahlung auch nach Corona verbessert.

Mit Material der Presseagenturen dpa und epd.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP Bei der Arbeit | 14. Mai 2020 | 12:45 Uhr

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