Darum bleibt die Corona-App so oft still

Vor ein paar Monaten hatten viele von uns immer mal wieder die Warnungen vor einer Risikobegegnung in der Corona-App. Inzwischen ist davon fast nichts mehr zu sehen. Was ist da los?

Junge Frau mit der Corona-Warn-App auf ihrem Smartphone
Bildrechte: imago images / Petra Schneider

Die Corona-App bekommt mal wieder ein Update. Unter anderem bietet die neue Version 1.11 jetzt auch Statistiken zum Infektionsgeschehen. „Die mehr als 25 Millionen Nutzer*innen der Corona-Warn-App können dann in der App stets auf die aktuellen Zahlen zu den Neuinfektionen, der 7-Tage-Inzidenz und dem 7-Tage-R-Wert zugreifen“, schreibt eine Sprecherin der beteiligten Softwarefirma SAP in einem Blogeintrag.

Die Idee dabei: Wer besser über die aktuelle Lage und die Dynamik der Pandemie weiß, passt sein eigenes Verhalten vielleicht besser an. Ob das Kalkül aufgeht, wird sich freilich erst noch zeigen müssen.

Außerdem könne man in Zukunft direkt einsehen, so die SAP-Firmensprecherin weiter, wie viele Nutzer ihr Testergebnis geteilt haben. Ziel sei es, noch mehr positiv getestete Menschen dazu anzuregen, ihren Befund der App mitzuteilen – denn nur so können Kontaktpersonen gewarnt werden.

Längst nicht alle positiven Tests landen in der App

Corona-Warn-App im Google-Play-Store
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Eine Pflicht, ein positives Testergebnis einzugeben, gibt es aber nach wie vor nicht. Und leider ist es eben so, dass längst nicht alle positiv Getesteten den Befund auch eingeben. Das wiederum heißt, dass auch potentiell gefährdete Kontakte eben nicht gewarnt werden können. In Zahlen ausgedrückt: Das Robert-Koch-Institut hat bisher rund 2,2 Millionen Covid-19-Infektionen registriert. Ein positives Testergebnis wurde der App aber nur rund 218.000-mal mitgeteilt.

Über die Corona-App und ihren Beitrag zur Bekämpfung der Pandemie ist viel diskutiert worden. Oft ging es dabei auch um Privatsphäre-Fragen. Vor allem mancher Politiker wetterte, zu strenge Datenschutzregeln würden den Kampf gegen die Pandemie hemmen. Experten wie Andreas Mayer von der Hochschule Heilbronn halten dagegen: „Die pauschale Aussage, die man leider immer wieder hört, der Datenschutz würde eine effektive Nutzung der App verhindern, dem möchte ich ganz klar widersprechen.“

Weniger Warnungen vor Risikobegegnungen

Nun, in Details ist die App weiterentwickelt worden, der Grundansatz ist jedoch geblieben. Das Smartphone registriert anonym, wenn es sich in der Nähe von anderen Geräten befindet. Teilt ein Nutzer später mit, dass er positiv getestet wurde, werden seine Kontakte gewarnt.

Doch mittlerweile zeigt die App scheinbar viel weniger Risikobegegnungen an als früher. Gerade im Herbst von uns hatten ja viele von uns immer mal wieder die Warnung vor einer Begegnung oder gar mehreren auf dem Display - normalerweise immer mit dem Hinweis, dass es sich um ein geringes Risiko gehandelt habe.

Nein, das ist kein Fehler

Seit ein paar Wochen ist davon aber nichts mehr zu sehen – und die allermeisten von uns stehen, wenn sie die App nutzen, bei null Risikokontakten. Klingt zwar irgendwie beruhigend. Wenn es aber gleichzeitig viele nachgewiesene Infektionen bei uns in der Region gibt, kann man sich schon fragen: Woran liegt das mit der neuen Stille?

Die wichtigste Info: Nein, das ist kein Fehler des Programms. Die Sache hat vielmehr mit einem früheren Update der App zu tun. Konkret geht es um die Überarbeitung vom 18. Dezember. Damals wurde – entsprechend der Vorgaben von Apple und Google – auf eine komplett neue Methode zur Ermittlung des Infektionsrisikos umgestellt. Abstand und Dauer von Begegnungen werden seitdem genauer als vorher erfasst.

Das offizielle Logo der Bundesregierung für die Corona-Warn-App auf einem Smartphone
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Alarm schlägt die App nun, wenn sich herausstellt, dass man einem später positiv getesteten Menschen innerhalb von einer halben Stunde länger als 15 Minuten nahegekommen ist – oder wenn man mehrere kurzzeitige Risikobegegnungen hatte, die aber insgesamt länger als 15 Minuten dauerten. Außerdem wird angezeigt, an wie vielen Tagen man einem erhöhten Infektionsrisiko ausgesetzt war und an welchem Tag die letzte Begegnung mit erhöhtem Risiko war.

Außerdem fließen zusätzliche Daten in die Berechnung des Risikos ein. Dafür werden positiv getestete Nutzer nach ihrem Risikoprofil und zu Symptomen wie Husten und Niesen befragt. Und wenn dann zum Beispiel herauskommt, dass ein Infizierter zum Zeitpunkt einer Begegnung bereits hustete, liegt das Risiko für die Kontakte höher.

Im Grundsatz gilt: Die App schlägt nicht mehr so schnell Alarm. Wenn sie es aber tut, dann sollte man das ernstnehmen. Das heißt nicht, dass man auf jeden Fall infiziert ist. Aber man sollte erstens auf weitere Begegnungen mit anderen verzichten und zweitens per Telefon beim Hausarzt, dem Gesundheitsamt oder dem kassenärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116 117 anrufen – und dort besprechen, ob ein Test auf Sars-CoV-2 nötig ist.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP am Wochenende | 29. Januar 2021 | 11:40 Uhr

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