Das ist der aktuelle Stand beim Corona-Impfstoff

Erst wenn ein Impfstoff vorhanden ist, kann es beim Thema Corona wieder so etwas wie Normalität geben. Aber wann könnte das soweit sein? Und welche Ansätze gelten derzeit als vielversprechend? Hier der Überblick.

Eine Frau in Schutzkleidung hält ein kleines Flächschen.
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Es ist schon ein paar Tage her, dass die Experten des „Austrian Institute for Health Technology Assessment“ in Wien nachgezählt haben. Also können sich die Zahlen inzwischen minimal geändert haben. Aber nach einer am 20. April veröffentlichten Statistik wird weltweit gerade an nicht weniger als 155 Medikamenten und 79 Impfungen zur Bekämpfung von Covid-19 geforscht.

Medikamente für Covid-19 im Test

Das Medikament Hydroxychloroquin von verschiedenen Herstellern
Medikamente für andere Krankheiten, wie etwa hier das Malaria-Medikament Hydroxychloroquin, werden auf ihre Wirksamkeit gegen Covid-19 getestet. Bildrechte: dpa

Bei den Medikamenten, so die österreichischen Experten, haben die meisten der Kandidaten derzeit bereits eine Zulassung für andere Krankheiten wie Malaria, Ebola, Hepatitis, Multiple Sklerose oder Grippe. In ihrem Fall wird ausprobiert, ob sie vielleicht auch bei Corona helfen können. Solche Arzneien wären vor allem für bereits Erkrankte interessant, um schwere Verläufe von Covid-19 zu verhindern.

Impfstoff noch im Entwicklungsstadium

Impfstoffe könnten dagegen womöglich den Ausbruch der Erkrankung ganz verhindern. Sie müssen allerdings komplett neu ersonnen werden. Bisher ist noch keiner von ihnen über das Entwicklungsstadium hinaus. Das Robert Koch-Institut (RKI) hat aber wiederholt klar gemacht:

Erst wenn ein Impfstoff vorhanden ist, kann in der Coronakrise wieder so etwas wie Normalität einziehen.

Doch das wird lange dauern – auch wenn es dieser Tage immer wieder einmal Erfolgsmeldungen von gestarteten Tests und angeblich erfolgreichen Zwischenergebnissen gibt. So hatten Wissenschaftler des Jenner Institute an der Universität im britischen Oxford von bisher erfolgreich verlaufenen Affenversuchen mit einem Impfstoffkandidaten berichtet. Doch weitere Tests werden nun folgen müssen, über Monate.

Und eine Garantie für Wirksamkeit bei Menschen gibt es nicht. Dennoch hat ein erstes großes Pharmaunternehmen in Indien bereits begonnen, die von den Briten getestete Substanz auf eigenes Risiko in größeren Mengen herzustellen. So sollen im Erfolgsfall im September und Oktober 20 bis 40 Millionen Impfdosen zur Verfügung stehen.

Hoffnung auf RNA-Impfstoffe

Besonders hohe Hoffnungen bei der Impfstoffsuche liegen derzeit auf sogenannten RNA-Impfstoffen, an denen gleich mehrere Firmen forschen. Die Idee dabei klingt so simpel wie genial: Ein zu schützender Mensch bekommt genetische Informationen für den Bau eines ungefährlichen Virusbestandteils gespritzt. Seine Zellen stellen daraufhin den - wie gesagt ungefährlichen - Erregerbestandteil her. Das Immunsystem erkennt das Material dann als fremd und startet eine Immunantwort.

Der Vorteil eine RNA-Impfstoffs läge darin, dass sich von ihm schnell große Mengen herstellen lassen. Der Nachteil ist vor allem ein praktischer: Obwohl Forscher schon seit rund 20 Jahren an diesem Konzept arbeiten, existiert bis heute noch kein einziger zugelassener Impfstoff gegen irgendeine Krankheit.

Erste Tests an Freiwilligen

Bei Covid-19 soll sich das jetzt ändern. Die US-Firma Moderna hat bereits klinische Tests für einen RNA-Impfstoff gestartet. Ganz vorn dabei ist auch das Mainzer Biotech-Unternehmen Biontech. Es hat vom zuständigen Paul-Ehrlich-Institut die Erlaubnis für den bisher ersten Impfstofftest in Deutschland bekommen, an dem auch der US-Konzern Pfizer beteiligt ist. Zunächst wird bei dem sogenannten Phase-I-Test an gesunden Freiwilligen die Verträglichkeit getestet, dann geht es bei Phase II um die Dosierung.

Auch ein anderes deutsches Unternehmen forscht an einem RNA-Impfstoff. Es ist das Tübinger Biotechunternehmen CureVac, bei dem SAP-Milliardär Dietmar Hopp der Mehrheitsaktionär ist. Hier hofft man, Anfang des Sommers mit klinischen Tests starten zu können.

Testerfolge noch nicht absehbar

Doch auch dann ist immer noch viel Geduld gefragt, Misserfolge bei einigen, vielleicht sogar vielen der aktuellen Impfstoffkandidaten sind zu erwarten. Nach den kleinen Phase-I-Tests folgen zunächst weitere Versuche mit mehreren Hundert (Phase II) und mehreren Tausend Freiwilligen (Phase III). Und jederzeit können Probleme auftreten. Der Virologe Jonathan Schmidt-Chanasit vom Bernhard-Nocht-Institut in Hamburg erklärt dazu:

Es gibt immer wieder Impfstoffe, die sehr vielversprechend aussehen, zum Teil bis in Phase drei der klinischen Tests, und die sich dann trotzdem als Rohrkrepierer erweisen.

Jens Spahn
Laut Bundesgesundheitsminister Jens Spahn wird es noch Monate dauern, bis ein Impfstoff zur Verfügung stehen könne. Bildrechte: dpa

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn warnt, es werde „noch Monate dauern“, bis ein Impfstoff zur Verfügung stehen könne. Manche Experten gehen gar davon aus, dass es frühestens Ende kommenden Jahres soweit sein könnte. Einer von ihnen ist ein Manager, der besonders gut wissen sollte, was die Pharmaindustrie leisten kann und was nicht: Severin Schwan, der Chef des Arzneimittelkonzerns Roche.

Offene Fragen bei Impfstoff-Verteilung

Und wenn ein Impfstoff einmal auf dem Markt ist, stellen sich weitere Fragen – vor allem, wer ihn zu welchem Zeitpunkt bekommt. Längst nicht alle Interessenten werden auf einmal geimpft werden können.

Ein Schild mit dem Bundesadler und dem Schriftzug des Institutes.
In Deutschland arbeitet die Impfkommission beim Robert Koch-Institut an Empfehlungen für eine Priorisierung bei der Impfung. Bildrechte: IMAGO

Verteilungsfragen sind gleich auf zwei Ebenen zu klären, national und international. Wie lässt sich sicherstellen, dass nicht nur Bürger bestimmter Staaten, allen voran der USA, geimpft werden? Wer würde Impfungen auch für arme Entwicklungsländer ermöglichen? Im Gespräch dafür ist eine globale Beschaffungsagentur für Impfstoffe und Medikamente.

Und wer entscheidet im jeweiligen Staat, welche Gruppen wann den rettenden Pieks erhalten? In Deutschland arbeitet die Impfkommission beim Robert Koch-Institut an Empfehlungen für eine Priorisierung bei der Impfung. Gefährdete Bevölkerungsgruppen wie die Senioren, aber auch medizinisches Personal würden sicher zu den ersten Empfängern gehören, so Gesundheitsminister Jens Spahn.

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