Sind Stoffmasken wirkungslos, wenn die Nase nicht bedeckt ist?

Im Supermarkt, im Restaurant, im Zug: Immer wieder sieht man Menschen, die zwar eine Maske tragen aber die Nase frei lassen. Das regt viele auf, die ihren Schutz wie vorgeschrieben tragen.

Vorbildlich: Nationaltorwart Manuel Neuer trägt beim Gang ins Stadion den Schutz über Mund und Nase
Vorbild: Nationaltorwart Manuel Neuer trägt beim Gang ins Stadion den Schutz über Mund und Nase Bildrechte: imago images / Poolfoto

Vor dem Laden die Maske aufsetzen und noch mal kurz kontrollieren, ob sie richtig sitzt: Das haben viele inzwischen verinnerlicht. Die Stoffmaske gilt als eines der stärksten Mittel zur Eindämmung des Sars-CoV-2-Virus. Das wird unter anderem beim Niesen oder Sprechen über kleine Tröpfchen in der Luft übertragen. Stoffmasken können diese Übertragung zumindest bremsen, urteilen Forscher weltweit übereinstimmend. Die Maske ist daher in Deutschland überall dort Pflicht, wo der empfohlene 1,50-Meter-Mindestabstand nicht eingehalten werden kann: Etwa beim Einkaufen oder in Bussen und Zügen.

"Wenn die Nase aus der Maske hängt"

In den Corona-Verordnungen von Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen wurde für die Regeln für den Einkauf oder den ÖPNV bewusst die Bezeichnung "Mund-Nasen-Bedeckung" gewählt. Die Maske ist aus Sicht von Wissenschaftler nur dann wirklich effektiv, wenn sie über Mund und über Nase gleichzeitig getragen wird. Allerdings beachten das nicht alle. Oder sie interessiert es nicht. Bei ihnen sitzt die Stoffmaske nur vor dem Mund und die Nase ragt darüber weg. Das regt nicht nur Stand Up Comedian Hazel Brugger auf - für ihren Tweet zu unbedeckten Nasen bekam sie viel Zustimmung.

Hollywood-Star Jennifer Aniston zeigte sich auf Instagram mit einer Stoffmaske über Mund und Nase. Das Tragen sei zwar manchmal anstrengend und unbequem. Die Maske rette aber Leben und Arbeitsplätze, so die Schauspielerin.

Aus Sicht des Virologen Prof. Alexander Kekulé vom Universitätsklinikum Halle (Saale) gibt es gute Argumente dafür, mit der Maske immer auch die Nase mit zu bedecken. Selbst wenn die für die Übertragung des Virus offenbar keine ganz so große Rolle spielt. Der Mediziner sagte dazu heute im MDR Aktuell-Podcast Kekulés Corona-Kompass:

Maske falsch getragen: Die Nase ist nicht bedeckt.
Bildrechte: imago images / ZUMA Wire / Sachelle Babbar

Wenn jemand hochinfektiös wäre und nur durch die Nase einatmet und ausatmet, dann würde wahrscheinlich auch durch die Nase ein Teil des Virus abgeatmet. Ob das dann so viel ist wie aus dem Mund? Ich würde mal raten, eher weniger.

Inzwischen sei bekannt, dass wahrscheinlich sehr viele Viren beim Singen oder Schreien über den Mund abgegeben werden. Zudem verlaufe der Atemweg über die Nase vereinfacht gesagt "etwas um die Ecke". Auch das könne die Ausscheidung von Sars-CoV-2-Viren reduzieren. Mediziner Kekulé kennt das Hauptargument der Maskenträger, die ihre Nase frei lassen:

Alexander Kekulé
Bildrechte: dpa

Die sagen: Ich atme durch die Nase ein und durch den Mund aus. Das hilft mir. Wenn ich arbeiten muss und durch den Mundschutz keine Luft bekomme, dann ist es für mich angenehmer, wenn ich durch die Nase einatmen kann. Wenn das jemand atemtechnisch hinbekommt, dann wird es schwierig zu erklären, warum der seine Umwelt gefährdet.

Allerdings habe man selbst so eine höhere Ansteckungswahrscheinlichkeit, wenn etwa ein Super-Spreader eine Viruswolke ausatmet. Auch über die Nase könne man sich infizieren.

Als Gesetzgeber würde ich aber auch sagen: Mund und Nase bedecken. Als Nächstes rutscht das Ding aufs Kinn runter. Dann sagt jemand: Wenn ich die Maske fürs Ausatmen brauche, ziehe ich sie hoch. Diese Dinge müssen ja auch irgendwie kontrollierbar sein.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP - Die Themen des Tages | 21. Juli 2020 | 19:40 Uhr

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