Wegen Corona: Jugendweihen, Konfirmationen und Lebenswende auf Herbst verschoben

Die Einladungen waren verschickt, die Feier gebucht und die festliche Kleidung schon gekauft: Jetzt muss der ganz besondere Tag im Leben vieler Jugendlicher verschoben werden. Auf den Herbst oder sogar aufs nächste Jahr.

Festlich gekleidete Jugendliche bei einer Jugendweihe im Golfpark Dessau im Mai 2019.
Festlich gekleidete Jugendliche bei einer Jugendweihe im Golfpark Dessau im Mai 2019. Bildrechte: imago images / Lutz Sebastian

Zehntausende Jugendliche fühlen sich an diesem Tag das erste Mal "erwachsen": Sie feiern mit ihren Freunden, mit der Familie und den Paten Konfirmation, Jugendweihe oder Lebenswende – im tollen Kleid oder im schicken Anzug, mit schönen Geschenken und einer großen Feier. Traditionell wird an einem Wochenende zwischen April und Juni gefeiert. Genau in diese Zeit fallen aber in diesem Jahr die strengen Einschränkungen in der Corona-Pandemie.

Thüringen: "Hauptsache, die Feier findet irgendwann noch statt"

Allein in Thüringen wollen in diesem Jahr 7.400 Jugendliche ihre Jugendweihe feiern. Fast 160 Feiern hatten die acht Jugendweihe-Vereine im Freistaat dafür schon vorbereitet: Festliche Räume wie etwa im Theater in Gera waren bereits gebucht, Redner und Künstler fest eingeplant. Ute Töpfer-Rauchmaul vom Team der Jugendweihe Ostthüringen e.V. sagte MDR JUMP:

Einer der festlichen Jugendweihe-Orte in Thüringen: Das Theater Gera.
Bildrechte: imago images / CHROMORANGE

Die Feiern sollen jetzt im Herbst stattfinden, im September und im Oktober. Das ist manchmal schwierig, weil wir sehen müssen, ob die Häuser dann auch Platz für uns haben. Wenn das in einzelnen Fällen gar nicht geht, gibt es eben nächstes Jahr auch mal zwei Feiern – für die Jugendweihe 2020 und für die Jugendweihe 2021.

Die Jugendweihe wird mit vielen gemeinsamen Gesprächen, Ferienfreizeiten und Veranstaltungen monatelang vorbereitet. Die Thüringer Vereine bieten dafür etwa Knigge-Kurse an, Antimobbing-Seminare, die Jugendlichen besuchen die KZ-Gedenkstätte Buchenwald. Vieles davon konnte bis zum 14. März auch noch stattfinden, erzählt Ute Töpfer-Rauchmaul. Doch die Feier selbst fiel erstmal aus – als hätte jemand kurz vor dem Ziel den Stecker gezogen.

Die Jugendlichen waren enttäuscht und traurig wie wir. Aber die waren auch sehr verständnisvoll. Wir haben viele E-Mails bekommen, in denen drin stand: Wir hoffen, dass die Feier noch stattfindet. Das ist ein Ritual, auf das sich viele freuen. Auch wenn das später stattfindet.

Die Jugendweihe-Organisatoren haben zurzeit noch zwei große Sorgen: Einige der neuen Termine im Herbst konnten nur auf Sonntage oder in die Ferien gelegt werden. Das stoße bei manchen Eltern auf Unverständnis, so die Organisatoren. Viele Familien hoffen offenbar, in den Herbstferien den ausgefallenen Sommerurlaub nachholen zu können. Aktuell ist zudem noch offen, ob es für die Jugendweihe im Herbst Auflagen für den Schutz vor Corona gibt. Die könnten die Arbeit der Jugendweihe-Vereine noch einmal deutlich schwerer machen.

Wenn wir Gästezahlen reduzieren und dann mehr als 150 Feiern auf 300 aufteilen müssen, wird es schwierig. Dann brauchen wir auch Hilfe von Thüringen. Momentan können wir uns aber noch durchwurschteln.

Sachsen: "So einen Einschnitt haben sie in ihrem jungen Leben noch nicht erlebt"

5.000 Jugendliche aus Sachsen hatten sich schon seit anderthalb bis zwei Jahren auf die Konfirmation vorbereitet: Sie besuchten regelmäßig den Konfirmandenunterricht, Gottesdienste ihrer Kirche, fuhren zu Freizeiten und halfen in der Gemeinde mit. Auf ihre Konfirmation müssen sie aber noch etwas warten. Kirchenrätin Tabea Köbsch von der Evangelischen Landeskirche Sachsen sagte MDR JUMP:

Kirchenrätin Tabea Köbsch von der Evangelischen Landeskirche Sachsen
Bildrechte: Tabea Köbsch/Evangelische Landeskirche Sachsen

Viele Kirchgemeinden haben die Konfirmationsfeiern verschoben. Einige in den Sommer, andere in den September oder Oktober. Manche planen aber auch eine Verschiebung ins kommende Jahr. Das bietet sich insbesondere für kleine Konfirmanden-Jahrgänge an, die dann mit dem nächsten Jahrgang zusammen planen können.

In der Kirchgemeinde Dresden Blasewitz von Pfarrer Albert Hantsch gibt es in diesem Jahr 90 Konfirmanden. Ihre Feier war für den kommenden Sonntag geplant (10. Mai). Sie musste auf das erste Oktoberwochenende verschoben werden. Dann will die Gemeinde auch die ausgefallene Freizeitfahrt nachholen, in der es um das für Christen wichtige Thema Abendmahl geht. Dafür fängt der nächste Konfirmandenjahrgang einfach etwas später an. Einfach verstreichen lassen will man den kommenden Sonntag trotzdem nicht, auch wenn es wegen Corona weiter Einschränkungen gibt. Pfarrer Hantsch sagte MDR JUMP:

Wir laden unsere 90 Konfirmanden zu neun kleinen Andachten ein. Um die Maßgabe einzuhalten – maximal 15 Personen pro Gottesdienst. Damit wollen wir im Kontakt und im Gespräch bleiben.

Auch wenn sich Jugendliche, Eltern und Gemeinde über viele Monate auf die Konfirmation vorbereitet haben, habe es weder Enttäuschung noch Vorwürfe gegeben, sagt Pfarrer Hantsch:

So einen gravierenden Einschnitt haben die Konfirmanden in ihrem jungen Leben noch nicht erlebt. Das müssen sie erst verdauen. Kirche, Schule, Sport, das hat sich alles verschoben und pausiert gerade. Das wird ähnlich wahrgenommen.

Sachsen-Anhalt: "Die Jugendlichen freuen sich lange drauf und hängen dann in der Luft."

Auch in Halle in Sachsen-Anhalt musste wegen der strengen Corona-Einschränkungen plötzlich ganz schnell umgeplant werden: In der Saalestadt wollen in diesem Jahr 750 Jugendliche mit ihren Familien und Freunden die Lebenswende feiern. Die ist ein Angebot von evangelischen und katholischen Kirchen an junge Menschen, die keiner Religion angehören. Für die Lebenswende haben sich in Sachsen-Anhalt in diesem Jahr insgesamt etwa 900 Jugendliche entschieden, so der Projektkoordinator für Halle Jonas Borgwardt. Die Feiern waren für April bis Anfang Juni geplant und wurden von den Jugendlichen selbst mit vorbereitet. Einige dieser Vorab-Treffen konnten noch stattfinden, ein Teil der Absprachen musste wegen Corona abgesagt werden. Die wurden auch nicht per Videokonferenz nachgeholt, sagte Jonas Borgwardt:

Jonas Borgwardt, Projektkoordinator für die Feier der Lebenswende für Halle
Bildrechte: Jonas Borgwardt

Wir haben den Eindruck, auch aus der Jugendarbeit, dass die Jugendlichen gerade sehr überlastet sind. Und da wollten wir nicht noch eine Extra-Belastung drauf packen.

Die Lebenswende soll trotz Corona nicht ausfallen – für alle 28 Feiern konnten Jonas Borgwardt und seine Kollegen Ersatztermine finden.

Mit den Jugendlichen haben wir ja gerade keinen Kontakt, eher mit den Eltern. Und da hören wir viel Verständnis und von der großen Hoffnung, dass wir die Feiern dieses Jahr noch machen können. Die Jugendlichen freuen sich schon so lange drauf und die hängen jetzt in der Luft.

Die Lebenswende in Halle soll jetzt zwischen dem 5. September und dem 10. Oktober nachgeholt werden. Im Frühherbst können dann viele vielleicht doch noch draußen feiern.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 07. Mai 2020 | 13:45 Uhr

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