Coronavirus: Diese Rechte und Pflichten haben Arbeitnehmer im Ernstfall

zuletzt aktualisiert: 12.03.2020 | 15:34 Uhr

Corona ist in Deutschland im Alltag angekommen: Die Stadt Halle hat als erste Großstadt in Mitteldeutschland alle Schulen und Kitas für zwei Wochen geschlossen. Eltern müssen sich jetzt um eine Betreuung für ihre Kinder kümmern. Wir klären, welche Rechte Arbeitnehmer in so einem Fall haben.

Frau mit Mundschutz am Laptop (Symbolfoto)
Bildrechte: imago images / Sabine Gudath

14 Tage "Corona-Ferien". Die Stadt Halle hat alle Schulen und Kitas für 14 Tage geschlossen. Damit soll eine weitere Ausbreitung des Corona-Virus verhindert werden. Wir haben mit Dr. Hermann Gloistein darüber gesprochen, was für Arbeitnehmer und Eltern in solchen Fällen gilt. Er ist Fachanwalt für Arbeitsrecht in Halle/Saale in Sachsen-Anhalt.

Dürfen Eltern zu Hause bleiben, wenn die Kita oder die Schule ihrer Kinder wegen des Coronavirus geschlossen werden?

Dr. Hermann Gloistein, Fachanwalt für Arbeitsrecht aus Halle/Saale
Bildrechte: Dr. Hermann Gloistein

Die Entscheidung steht mir nicht frei. Ich muss mich dann darum bemühen, anderweitig die Betreuung sicherzustellen. Und ob ich das dann über Verwandtschaft, Bekanntschaft oder möglicherweise auch über angestelltes Personal erledige, bleibt mir überlassen. Aber wenn ich wirklich keine Möglichkeit habe, etwa meine kleinen Kinder zu betreuen, dann darf ich auch zu Hause bleiben. Dann verliere ich aber meinen Anspruch auf meinen Lohn.

Dürfen Arbeitnehmer zu Hause bleiben, wenn sie Angst vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus haben?

Auf gar keinen Fall. Wenn man das bejahen würde, wären die Betriebe schon alleine deshalb wahrscheinlich halb leer. Und wenn ich befürchte, ich werde jetzt krank, dann gehe ich zum Arzt. Und wenn der Arzt dann wirklich feststellt: Es ist nicht die Erkältung, es ist keine Grippe, es ist der Coronavirus - dann meldet der Arzt das. Dann teile ich das meinem Arbeitgeber mit und in dem Moment bin ich nicht mehr in Betrieb.

Was passiert, wenn eine Firma, eine Behörde wegen Corona schließen muss?

Dann bekomme ich grundsätzlich weiter mein Geld. Da gibt’s ja die unterschiedlichsten Szenarien: Wenn die Krankheit umgeht oder es fehlt die nötige Schutzkleidung. Und wenn ich dann zu Hause bleiben muss, bekomme ich meine Vergütung weiter. Da trägt der Arbeitgeber das Risiko. Ich muss mich dann übrigens auch nicht krankschreiben lassen. Ich bin ja gar nicht krank. Ich bleibe einfach zu Hause. Und auch ganz wichtig: Ich muss als Arbeitnehmer die ausgefallene Arbeitszeit nicht nachholen!

Darf der Arbeitgeber vorsorglich Urlaub anordnen, wenn möglicherweise die Schließung wegen des Coronavirus droht?

Grundsätzlich nein. Ein Urlaub wird gewährt nach dem Wunsch und nach dem Interesse des Arbeitnehmers. Nur in besonderen Fällen kann auch mal der Arbeitgeber Urlaub anordnen. Etwa wenn der Betrieb wirklich nicht aufrechterhalten werden kann. Dann gilt das aber nur für einige wenige Tage.

Kann der Chef seine Mitarbeiter ins Home-Office schicken?

Wenn ich ein Home-Office einrichte, muss ich als Chef alle möglichen Arbeitsschutzvorgaben zu beachten. Da muss ich schauen, dass der Arbeitsplatz sicher eingerichtet ist und so weiter. Das kann ich also nicht einfach mal aus dem Boden stampfen. Aber: In besonderen Situationen müssen auch besondere Maßnahmen ergriffen werden können. Wenn es also gar nicht anders geht, dann trifft man mit dem Arbeitnehmer eine Absprache, dass der vielleicht einen Teil seiner Aufgaben doch einfach mal von Zuhause erledigt. Wenn der zustimmt.

Was gilt, wenn die Behörden für jemanden Quarantäne anordnen?

Da kommt es drauf an: Wenn ich selbst krank bin und nicht arbeiten kann, bekomme ich ganz regulär weiter meinen Lohn. Ist das nicht so, dann gibt es auch weiter Entgelt. Dann bekommt aber mein Arbeitgeber das Geld vom Staat erstattet. Das geht dann über das Infektionsschutzgesetz.

Wer entscheidet, ob eine Dienstreise statt findet oder nicht?

Grundsätzlich hat der Arbeitgeber das Weisungsrecht. Der legt fest, wie und in welcher Weise ich meine Arbeit erbringe. Und wenn ich in ein Gebiet zu reisen habe, indem eben vereinzelte Krankheitsfälle aufgetreten sind, wo ich aber keine Hochrisikozone habe, kann ich mich dagegen nicht wehren. Wenn es aber darum geht, dass es hier ein hochgefährdetes Gebiet ist, wenn es dort eine Warnung der WHO gibt, dann kann ich sagen: Dorthin reise ich nicht.

Bitte sorgfältig Händewaschen

Das Robert-Koch-Institut hat auch mit Blick auf leere Regale in Drogerien und Supermärkten noch einmal deutlich darauf hingewiesen: Desinfektionsmittel und Schutzmasken sind gegen das neuartige Coronavirus nicht nötig. Dafür reiche sorgfältiges Waschen der Hände mit Wasser und Seife. Das senke das Risiko deutlich, sich mit dem Coronavirus anzustecken.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP - Die Themen des Tages | 02. März 2020 | 19:20 Uhr

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