Delta und Co. - So gefährlich sind die Corona-Varianten

Im Moment dominiert eine bestimmte Variante des Sars-CoV-2-Erregers die Corona-Infektionen in Deutschland. Doch das könnte sich ändern. Wir bringen euch auf den neuesten Stand, wie gefährlich die viel diskutierte Delta-Variante und ihre Geschwister sind.

Indische Virus-Mutation B.1.617
Bildrechte: imago images/Christian Ohde

Für viele von uns in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen sind es ja gerade eine Zeit, in der wir das mehr oder wenige unbeschwerte Leben wieder lernen: Treffen mit Freunden, ein kühles Getränk im Biergarten oder vielleicht sogar schon die eine oder andere Kulturveranstaltung wie Freiluftkino oder -theater. Der Corona-Spuk verzieht sich nach langen, bleiernen Monaten so nach und nach. Doch es gibt auch Menschen bei uns in der Region, für die geht es gerade erst mit neuer Wucht wieder los: An zwei Schulen und einer Kita in Dresden, der Kita Spatzenvilla in der Südvorstadt, der 113. Grundschule in der Johannstadt und der 35. Oberschule in Löbtau ist die hochansteckende Delta-Variante des Corona-Virus nachgewiesen worden.

Die Delta-Variante ist auch an einer Dresdner Grundschule aufgetreten. Bildrechte: xcitepress/Benedict Bartsch

Für die betroffenen Kinder und Jugendlichen, aber auch für Lehrer und Erzieher bedeutet das jetzt viel Unsicherheit und im Zweifel wieder Quarantäne. Zuvor war die Delta-Variante bereits in einem Studentenwohnheim in der Dresdner Hildebrandstraße aufgetreten, dort starb auch ein Betroffener. Über einen Zusammenhang ist aber noch nichts bekannt.

Trotzdem erinnern die Vorfälle in Dresden daran, dass das Thema Corona erstens noch nicht ganz durch ist und es zweitens wichtig ist, die verschiedenen Varianten des Sars-CoV-2-Erregers im Blick zu behalten. Wir bringen euch deswegen hier auf den neuesten Stand.

Der Evolution bei der Arbeit zusehen

Vorab schon mal: Dass es von einem Virus verschiedene Varianten gibt, ist ganz normal. Weil die Erreger sich so massiv vermehren, kommt es dabei immer wieder einmal zu genetischen Kopierfehlern. In den meisten Fällen bekommen wir davon nichts mit, weil das Ergebnis für die Verbreitung keinen Vorteil bringt. Manchmal wird der Erreger dadurch aber auch zufällig effektiver – und wenn das der Fall ist, dann setzt sich diese genetische Variante früher oder später durch. Man kann da sozusagen der Evolution bei der Arbeit zusehen.

Infografik. Vereinfachte Darstellung zeigt zwei Coronaviren: Bälle mit markanten Krönchen bzw. Stöpseln darauf. Erster Virus mit Beschriftung "Originalvirus". Zweiter Virus mit Beschriftung "Variante/Mutant". Auf dem zweiten Virus sind weniger Stöpsel zu sehen. Pfeile zeigen darauf mit Beschritung "Kopierfehler/Mutation".
Bildrechte: MDR

Verschiedene Varianten des Corona-Virus wurden in verschiedenen Teilen der Welt gefunden – auch wenn es nicht heißt, dass sie auch von dort stammen. Eine Zeit lang wurden diese geografischen Bezeichnungen verwendet, dazu auch kryptische Zahlencodes. Erstere Benennung fanden Länder wie Südafrika, Großbritannien oder Brasilien nicht witzig und fühlten sich diskriminiert, das brachte irgendwann sogar Fachleute durcheinander. Deswegen entschied man sich bei der Weltgesundheitsorganisation (WHO), die besonders problematischen Virusvarianten mit den Buchstaben des griechischen Alphabets zu bezeichnen: Alpha, Beta, Gamma – und so weiter.

Ein Fiesling namens Delta

Besondere Sorgen macht uns derzeit Delta. Hier aber auch die nur minimal weniger fiesen Geschwister:

Alpha

  • Hieß früher: „Britische Variante“ oder B1.1.7
  • Erstmals nachgewiesen: September 2020
  • Darum ist sie gefährlich: Diese Variante war deutlich ansteckender als der Wildtyp des Erregers. Das bedeutet, dass Schutzmaßnahmen stärker ausfallen müssen – oder weniger bringen.
  • So wirksam ist die Impfung: Doppelt Geimpfte, egal mit welchem der zugelassenen Impfstoffe, gelten als sehr gut vor schweren Verläufen geschützt.
  • Bedeutung in Deutschland: Die absolute Mehrzahl der verbleibenden Infektionen hierzulande, deutlich mehr als 86 Prozent, entfallen aktuell auf diese Variante.

Beta

  • Hieß früher: „Südafrikanische Variante“ oder B.1.351
  • Erstmals nachgewiesen: Mai 2020
  • Darum ist sie gefährlich: Auch diese Variante ist wahrscheinlich ansteckender als der Wildtyp.
  • So wirksam ist die Impfung: Die Wirksamkeit der Impfstoffe gilt als reduziert, Schlagzeilen machten vor allem südafrikanische Studien zur schlechten Performance des AstraZeneca-Impfstoffs gegen diese Variante.
  • Bedeutung in Deutschland: Nur ein sehr geringer Anteil der Infektionen, 0,2 Prozent, entfällt auf diese Variante.

Gamma

  • Hieß früher: „Brasilianische Variante“ oder P.1.
  • Erstmals nachgewiesen: November 2020
  • Darum ist sie gefährlich: Auch diese Variante ist wahrscheinlich ansteckender als der Wildtyp.
  • So wirksam ist die Impfung: Impfungen gelten als etwas weniger wirksam.
  • Bedeutung in Deutschland: Nur ein sehr geringer Anteil der Infektionen, 0,6 Prozent, entfällt auf diese Variante.

Delta

  • Hieß früher: „Indische Variante“ oder B.1.617.2
  • Erstmals nachgewiesen: Oktober 2020
  • Darum ist sie gefährlich: Diese Variante ist die bisher ansteckendste. Das Übertragungsrisiko ist laut Studien aus Großbritannien noch einmal rund 60 Prozent höher. Es gilt als wahrscheinlich, dass auch die Krankheitsverläufe im Schnitt etwas schwerer sind.
  • So wirksam ist die Impfung: Die Wirksamkeit der Impfstoffe ist herabgesetzt, dürfte aber in den allermeisten Fällen als Schutz noch ausreichen. Das gilt aber nur für doppelt Geimpfte. Bei nur einfach Geimpften gilt vor allem AstraZeneca als problematisch.
  • Bedeutung in Deutschland: Rund sechs Prozent der Infektionen entfallen derzeit auf diese Variante. Sie ist damit nach Alpha die zweitwichtigste, wenngleich der Abstand noch sehr groß ist. Aber das dürfte sich ändern, in Großbritannien hat sich die Delta-Variante zuletzt stark ausgebreitet. Früher oder später könnte sie das auch bei uns tun. Die Frage ist, ob es zu einer neuen Welle im Herbst unter noch Ungeimpften kommen wird.
  • Das ist bemerkenswert: Diese Variante könnte womöglich auch andere Symptome verursachen. Aus Großbritannien gibt es vermehrt Berichte zum Beispiel über eine laufende Nase. Der Verlust von Geruchs- und Geschmackssinn, bisher ein klassisches Corona-Symptom, scheint dagegen eher selten aufzutreten.

Ob und wie sich weitere Virusvarianten entwickeln, wird man sehen müssen. Die Impfstoffhersteller versprechen aber, dass sie bereits jetzt an entsprechenden Schutzpräparaten arbeiten. Gerade bei Impfstoffen, die nach dem Prinzip von Biontech/Pfizer oder Moderna arbeiten, auch bei dem noch in der Entwicklung befindlichen Präparat von CureVac, sollte das nach Ansicht von Experten auch problemlos und schnell gehen. Insofern ist es nicht unwahrscheinlich, dass für viele von uns nach Erst- und Zweit- womöglich schon in absehbarer Zeit auch die Drittimpfung kommt.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP Nachrichten | 17. Juni 2021 | 11:00 Uhr

Aktuelle Themen von MDR JUMP