Corona: Pflegekräfte und Krankenhäuser am Limit

Die Lage in der Corona-Pandemie ist ernst. Nicht nur, dass die Zahl der Infizierten immer noch sehr hoch ist, auch das Pflegepersonal wird langsam knapp. Mit teils dramatischen Konsequenzen.

Ein Arzt in Schutzkleidung
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Constanze Fisch wirkt angespannt. Die Geschäftsführerin der Kliniken Erlabrunn erzählt am Donnerstagmittag bei einer Pressekonferenz des Landratsamts Erzgebirgskreis, wie die Lage in ihrem Krankenhaus ist. Momentan habe man sechs Intensivpatienten, von denen fünf beatmet werden müssten. Zwei Beatmungsplätze seien noch frei. Größere Probleme gebe es dagegen an anderer Front:

Die Personalsituation macht mir Sorgen.

Von 220 beschäftigten Pflegern und Ärzten seien 40 gerade in Quarantäne, sagt Fisch. Manche von ihnen mussten sich isolieren, weil sie Kontakt mit Verdachtsfällen hatten, andere seien selbst an Covid19 erkrankt, ein Angestellter sogar schon zum zweiten Mal:

Diese Kollegen sind oft lange krank und behandlungsbedürftig und einfach nicht arbeitsfähig.

Noch sei man als Klinikum aber gut aufgestellt und handlungsfähig, sagt Fisch. Angespannt sei die Situation trotzdem, weil das verbleibende Personal den Mangel abfangen müsse.

Die Sorge darüber, wie groß die Belastung für das Gesundheitssystem ist, wächst immer weiter. In einigen Landkreisen sind die Kapazitäten an Intensivbetten bereits voll ausgeschöpft. Dass es trotz der ernsten Lage Menschen gibt, die sich den Hygieneregeln verweigern und keine Maske tragen wollen, stößt bei vielen auf völliges Unverständnis.

Susan Sziborra-Seidlitz ist Landesvorsitzende der Grünen in Sachsen-Anhalt und arbeitet als Krankenschwester im Quedlinburger Harzklinikum. Dort hat es unter dem Pflegepersonal einen Corona-Ausbruch gegeben, 45 Mitarbeiter seien in Quarantäne, berichtet die Mitteldeutsche Zeitung. Momentan würden am Klinikum nur noch notwendige OPs durchgeführt, um als Krankenhaus handlungsfähig zu bleiben.

An den Kliniken Erlabrunn im Erzgebirgskreis habe man das Gleiche gemacht, erzählt Geschäftsführerin Fisch. Und auch im Kreis Bautzen ist das Unverständnis über Maskenverweigerer angesichts der Lage der Pflegekräfte groß, wie ein Leserbrief in einer Lokalzeitung zeigt.

Bautzen gehört immer noch zu den Corona-Hotspots in Deutschland und war in die Schlagzeilen geraten, weil Geschäfte dort ausdrücklich Maskenverweigerer willkommen geheißen hatten.

Anderswo führt die Personalnot dazu, dass Kliniken kreativ werden müssen: In Thüringen wurden in einigen Kliniken Ruheständler reaktiviert, um Personal auf den Normalstationen zu ersetzen. Die Berliner Charité hat sich zur "Blitzeinstellung" von Quereinsteigern entschieden. Künstler, Flugbegleiter und Krankenpfleger, die eigentlich lange in anderen Berufen gearbeitet haben, helfen dort bei der Versorgung der Patienten.

Auch die Idee, corona-positives Personal bei der Pflege von Covid-Patienten einzusetzen kursiert. Vorerst wurde sie aber verworfen. Einig sind sich aber alle: Nur wenn die Infektionszahlen wieder sinken und Menschen sich an die Hygieneregeln halten, wird sich die Lage in Krankenhäusern wieder entspannen.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP - Die Themen des Tages | 19. November 2020 | 13:00 Uhr

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