"Einige haben bereits das Handtuch geworfen" - Wie Sexarbeiterinnen mit der Corona-Krise kämpfen

Trotz Hygienekonzepten dürfen Bordelle und Prostituierte immer noch nicht wieder arbeiten. Stephanie Klee vom Bundesverband "Sexuelle Dienstleistungen" fürchtet, dass die Zeit langsam knapp wird.

Ein Laufhaus in Hamburg
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Für Stephanie Klee ist klar, dass ihre Branche so nicht mehr lange durchhalten wird. Sie hat den Bundesverband "Sexuelle Dienstleistungen" mitbegründet und ist selbst Sexarbeiterin. Sie versteht nicht recht, warum es für Sexarbeiterinnen und Bordelle immer noch keine Lockerungen gibt.

Normale Massagen gehen, warum nicht auch erotische Massagen?

Stephanie Klee, Sex-Arbeiterin und Vorstand im Bundesverband Sexuelle Dienstleistungen
Stephanie Klee, Sexarbeiterin und Vorstand im Bundesverband Sexuelle Dienstleistungen Bildrechte: imago images / Horst Galuschka

Der Verband hat ein Hygienekonzept erarbeitet. Das sieht zwar immer noch Einschränkungen vor - nicht alle Dienstleistungen könnten angeboten werden, sagt Klee - immerhin würde es aber Sexarbeiterinnen aber wieder erlauben, Geld zu verdienen und ihrem Beruf nachzugehen.

Die Lage sei dramatisch, erzählt Klee im MDR JUMP-Interview. Rücklagen und Erspartes sei langsam aufgebraucht. Die staatlichen Hilfen neigten sich dem Ende zu.

Einige haben bereits das Handtuch geworfen. Die Meisten stehen mit dem Rücken zur Wand.

Besonders ärgert sich Stephanie Klee über Äußerungen, dass Bordelle sogenannte "Superspreader" seien. Also das Virus besonders stark verbreiten würden.  Das sei nicht mit Zahlen belegt, kontert die Aktivistin. Außerdem sei die Branche, wie jede andere auch, in der Lage, Hygienemaßnahmen durchzusetzen. Auf den Vorschlag des SPD-Gesundheitsexperten Karl Lauterbach, dass Sexarbeiterinnen ja umschulen könnten, kontert sie:

Er hätte sich einen besseren Überblick verschaffen sollen, wer tatsächlich umschulen möchte und was für Erfahrungen wir mit solchen Umschulungsprogrammen gemacht haben.

Für sie ist klar: Die Lösung kann nur darin bestehen, dass die Bordelle wieder öffnen und Prostitution zugelassen sein muss.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP - Die Feierabendshow | 27. Mai 2020 | 17:40 Uhr

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