Corona-Krise Wucherpreise bei Schutzmasken und Desinfektionsmitteln

Ärzte und Pfleger sind auf Mittel zum Schutz ihrer Gesundheit und der ihrer Patienten angewiesen. Doch die sind in der Corona-Krise schwer zu bekommen – und wenn, dann zu horrenden Preisen. Wer steckt hinter solchen dubiosen Geschäften?

"Die notwendige Schutzausrüstung steht uns derzeit nicht zur Verfügung", sagt die Leipziger Zahnärztin Florestin Lüttge. Deshalb müsste sie Patienten ablehnen, die dringende medizinische Hilfe benötigen und im Verdacht stehen sich mit Covid-19 angesteckt zu haben. Im Notfall könnte die Ärztin also nur dahin weitervermitteln, "wo die Schutzausrüstung zur Verfügung steht".

Bei Medizinprodukthändlern sind notwendige Atemschutzmasken – sogenannte FFP2- oder FFP3-Masken – nicht mehr lieferbar. Auf Verkaufsplattformen im Internet hat Lüttge welche gefunden, allerdings oft nur Einzelstücke. Also nicht die Menge, die sie benötigte. Zudem würden die Masken zu "horrenden Preisen – also 20 bis 30 Euro pro Stück werden da angeboten", sagt die Ärztin. Es handelt sich um Atemschutzmasken, die sonst etwa zwei Euro pro Stück kosten.

Ebay geht gegen Wucherangebote vor

MDR-exakt hat im Internet genau solche Angebote recherchiert und einen ebay-Händler in Sachsen gefunden. Er verkauft Atemschutzmasken für 30 Euro pro Stück. "Wir verkaufen Masken schon seit 2018", sagt der Verkäufer. Er verkaufe alles "quer durch den Garten". Die gestiegenen Preise begründet er mit gestiegen Kosten für seinen Einkauf aus China. Aber deutsche Firmen, die in China produzieren lassen, teilten MDR-exakt auf Anfrage mit, dass sie die Preise nicht angehoben haben.

Weitere Recherchen ergeben, dass es unzählige fragwürdige Angebote für Atemschutzmasken auf ebay gibt – teilweise zu Millionenbeträgen. MDR-exakt fragt bei ebay nach, was das Unternehmen dagegen tun kann. Die schriftliche Antwort: "Wir gehen derzeit proaktiv, global und in großem Umfang gegen derartige Anbieter und die entsprechenden Angebote vor." Und tatsächlich, ein, zwei Tage später sind die überteuerten Angebote verschwunden.

Händler versuchen es mit neuer Masche

Doch nicht nur Atemschutzmasken sind derzeit knapp auf dem Markt. So ist etwa auch der Leipziger Augenarzt Laszlo Kiraly auf eine professionelle Schutzausrüstung angewiesen – bis zu 200 Patienten operiert er pro Woche. Er kauft nun bei ebay statt beim Großhändler ein. Dabei ärgern ihn besonders die hohen Kosten.

"Also wir haben jetzt einen Kanister mit fünf Liter Desinfektionsmittel bestellt. Wir haben knapp 250 Euro bezahlt", sagt Kiraly. Sonst würde er für einen Liter 10 Euro bezahlen. "Das bezeichne ich als Wucher." Der Augenarzt hat am Mittwoch Angebote für Desinfektionsmittel per Email erhalten. Mindestabnahme drei Paletten für 30.000 Euro. Da ebay und auch Amazon inzwischen gezielt gegen Wucherangebote vorgehen, sprechen die Händler offenbar die Ärzte jetzt direkt an.

Dieses Thema im Programm MDR FERNSEHEN | MDR-exakt | 18. März 2020 | 20:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 20. März 2020, 06:00 Uhr

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