Können Geimpfte das Corona-Virus trotzdem weitergeben?

Die Pandemie ist erst zu Ende, wenn genügend Menschen gegen Corona geimpft sind – und wenn eine Impfung tatsächlich davor schützt, das Virus an andere weiterzugeben. Endgültig bewiesen ist das noch nicht, aber es gibt ein paar ermutigende Hinweise.

Krankenschwester hält Spritze mit Corona-Impfung
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Rund 200.000 verabreichte Impfdosen in Thüringen, rund 170.000 in Sachsen-Anhalt, rund 350.000 in Sachsen - mit den Corona-Impfungen bei uns in der Region geht es nur langsam voran. Jetzt liegt es an einem selbst, ob man in dem Satz eher das „langsam“ oder doch lieber das „voran“ betonen möchte. Die Pandemie ist, so ist ja immer wieder zu hören, aber erst dann vorbei, wenn genügend Menschen geimpft sind. Dieser Satz basiert allerdings auf der Annahme, dass Geimpfte nicht nur keine schweren Covid-19-Symptome bekommen, das ist zum Glück gut belegt, sondern das Virus eben auch nicht mehr weitergeben können. Und das ist leider noch nicht ganz so klar.

Aber zumindest durch Studien aus Großbritannien und Israel gibt es erste ermutigende Hinweise darauf. Experten wie der Virologe Friedemann Weber von der Universität Gießen oder der Immunologe und Impfstoffexperte Leif Erik Sander von der Charité in Berlin gehen daher davon aus, dass die Impfungen einen deutlichen Effekt auch auf die Ausbreitung des Virus haben werden.

Dafür sprechen zum Beispiel die Daten aus Impfstoffzulassungsstudien. Sie belegen, dass geimpfte Menschen, die sich trotzdem angesteckt hatten, deutlich weniger Viren im Rachen hatten als Nichtgeimpfte. Für den AstraZeneca-Impfstoff gibt es außerdem eine Studie, wonach sich die Zeit verkürzt, in dem PCR-Tests auf Corona noch anschlagen.

„Und je weniger Virus da ist", sagt Forscher Weber, „desto weniger wird auch ausgeatmet und desto weniger Menschen können sich potenziell anstecken.“

Für Immunitätsausweise muss Frage der Übertragung geklärt sein

Auch Daten aus der breiten Impfkampagne in Israel sprechen für einen positiven Effekt. Mit Hilfe von Krankenkassendaten konnten Forscher zeigen, dass es in der Gruppe der Geimpften – hier kam die Biontech/Pfizer-Impfung zum Einsatz - zu deutlich weniger asymptomatischen Fällen kam.

Marco Binder vom Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg der Punkt sagt: Die möglicherweise geringere Ansteckungsfähigkeit sei „grundsätzlich ein erfreulicher Befund“. Im Detail müsse aber noch herausgefunden werden, wie sich eine verringerte Viruslast bei Geimpften tatsächlich auf die Infektiosität der betroffenen Personen auswirkt.

Die Frage, ob Geimpfte den Sars-CoV-2-Erreger womöglich trotzdem zumindest noch weiterverbreiten können, muss auf jeden Fall erst hinreichend geklärt sein, bevor man ernsthaft über digitale Immunitätsausweise diskutiert. Denn nur in diesem Fall ergeben sie überhaupt Sinn.

Auch Geimpfte müssen Corona-Regeln weiter einhalten

Einstweilen ist es jedenfalls so, dass es auch für geimpfte Personen noch eine Quarantänepflicht gibt, wenn sie Kontakt mit einem nachweislich Infizierten haben oder aus dem Ausland zurückkommen. Auch Hygiene und Abstandsregeln müssen weiter eingehalten werden.

Die Virologin Ulrike Protzer vom Helmholtz-Zentrum München und der Technischen Universität München fasst die aktuelle Situation daher so zusammen:

Es gibt in Studien vielversprechende erste Anzeichen, denen zufolge das Risiko sehr gering ist, dass Geimpfte Covid-19 weiter verbreiten können. Aber weil hier noch lange nicht genügend Daten vorliegen, sollten auch Geimpfte in jedem Fall weiter Mundschutz tragen und Abstandsregeln einhalten.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP Nachrichten | 03. März 2021 | 22:00 Uhr

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