Co-Sleeping: Gut und sicher schlafen im Familienbett?

Zuletzt aktualisiert: 21.02.2020 | 15:19 Uhr

Kaum ein Thema wird unter Eltern so inbrünstig diskutiert wie der Schlaf der Kinder. Vor allem die Frage, ob die Kleinen im Bett der Eltern übernachten sollten, scheidet die Geister. Schlafen Kinder besser im Bett der Eltern? Kann das Familienbett gefährlich sein? Und ab wann sollten Kinder alleine schlafen? Wir haben eine Erziehunsexpertin gefragt.

Eine junge Familie schläft gemeinsam
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Der Trend geht wieder mehr in Richtung Familienbett. Einer repräsentativen Studie des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag des Magazins ELTERN im Jahr 2018 zufolge, ließen 38 Prozent der Eltern ihre Kinder bei sich im Bett schlafen. Zum Vergleich: 2009 waren es 11 Prozent.

Erziehungsberaterin Stefanie von Brück schaut lächelnd in die Kamera. Sie hat ein schwarzes Oberteil an und lange braune Haare, ihre Lippen sind rot geschminkt.
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Pädagogin und Erziehungsberaterin Stefanie von Brück aus Leipzig sagt, dass das Thema Familienbett zunehmend gesellschaftlich akzeptiert wird.

Das liegt daran, dass immer mehr Informationen über das Co-Sleeping im Umlauf sind, so dass Eltern das auch nicht mehr heimlich machen, sondern sich auch dazu bekennen. Es gibt auch viele gute Ratgeberbücher über das Schlafen. Dadurch werden weniger Ängste geschürt und das Thema findet immer mehr Anhänger.

Stefanie von Brück, Erziehungsberaterin aus Leipzig

Co-Sleeping bedeutet nicht immer, dass Kinder und Eltern in einem Bett schlafen, aber zumindest in einem Zimmer.

Vorteile des Familienbettes

Ein Mutter mit ihrem Säugling beim Stillen.
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Wissenschaftler haben in verschiedenen Studien herausgefunden, dass Säuglinge im Familienbett häufiger gestillt werden und nachts weniger schreien. Auch wurde festgestellt, dass der Schlaf der Mütter zwar nicht so tief ist, als wenn sie allein schlafen würden, aber insgesamt schlafen sie genauso viel wie Mütter, deren Babys im eigenen Bett schlafen. In diesen Studien wurde auch belegt, dass das gemeinsame Schlafen nicht zwangsweise das Risiko des plötzlichen Kindstodes erhöht, wie andere Wissenschaftler oft behaupten. Andere Untersuchungen zeigten auch, dass die Kinder im Elternbett durchschnittlich länger und sicherer schlafen.

In dem Moment wo das Baby oder auch ein Kleinkind direkt neben den Eltern schläft, weiß es - ok mein Schlaf ist behütet und bewacht und ich kann mich entspannen. Körperkontakt beruhigt das Kind. Wenn es aufwacht, schläft es schneller und leichter wieder ein und kommt leichter in die nächste Schlafphase, als wenn es erst richtig wach wird und weinen und warten muss bis die Eltern eben zum Beispiel im Nachbarzimmer sind.

Stefanie von Brück, Erziehungsberaterin aus Leipzig

Wenn die Eltern beruflich sehr eingespannt sind, ergibt sich, vor allem bei Kindern, die schon in den Kindergarten gehen, ein weiterer Vorteil durch das Familienbett: Sie können sich die Nähe, auf die sie tagsüber verzichten mussten, in der Nacht wieder zurückholen. Dadurch wird Urvertrauen und die sichere Bindung zwischen Eltern und Kindern gestärkt.

Kleiner Junge liegt schlafend auf einer Couch
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Co-Sleeping soll sogar schlau machen

Auch der Schlaf der Babys ist nicht ganz so tief. Sie erleben nachts häufiger so genannte REM-Phasen. In diesen Phasen ist die Hirnaktivität besonders hoch, erklärt Erziehungsexpertin Stefanie von Brück. Dadurch ergeben sich dann auch mehr Verschaltungen im Gehirn und das könnte die These stützen, dass solche Kinder intelligenter werden. Wissenschaftlich bewiesen ist das aber nicht.

Wann es Zeit wird für das eigene Bett

Kind wird von Mutter geweckt
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Da gehen die Meinungen sehr weit auseinander. Einige Experten, darunter Schlafmediziner Dr. Hans-Günther Weeß sagen, dass man den Kindern durchaus etwas Gutes tut, wenn man sie etwa ab dem sechsten Lebensmonat im eigenen Zimmer schlafen lässt. Erziehungsexpertin von Brück sagt, dass man das nicht an einem bestimmten Alter festmachen kann.

Viele Kinder fangen so ab dem dritten Lebensjahr an, durchzuschlafen. Aber das heißt nicht, dass man automatisch das Kind dann rausschmeißen kann. Das ist ein Prozess, den man begleiten muss. Wenn es ein Kampf wird, dann sollte man sich lieber fragen, was jetzt für das Kind wichtig ist und ob es schon bereit ist, aus dem Elternbett auszuziehen.

Stefanie von Brück, Erziehungsberaterin aus Leipzig

Familienbett – das musst du beachten

Das Argument, das Gegner des Co-Sleepings am häufigsten anführen, ist das erhöhte Risiko des plötzlichen Kindstodes. Es gibt Studien, die das belegen und solche, die dem widersprechen. Wichtig ist es, eine gute Schlafumgebung zu schaffen. Hier findest du alle Punkte zusammengefasst.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP Feierabendshow | 21. Februar 2020 | 10:50 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 21. Februar 2020, 15:20 Uhr

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