Co-Elternschaft Wenn Freunde zu Eltern werden

21.02.2018 | 15:00

Nicht alles im Leben läuft immer nach Plan: Es gibt viele Männer und Frauen, die sich ein Kind wünschen, aber im Moment nicht den richtigen Partner dafür haben. Co-Elternschaft ist eine Lösung für dieses Problem.

Schlafender Mann und ein Baby.
Bildrechte: IMAGO

Bei der 36-jährigen Jennifer Sutholt wollte es mit Mr. Right nicht so richtig klappen. Um ihren großen Kinderwunsch trotzdem endlich zu erfüllen, hat sie sich für das Konzept der Co-Elternschaft entschieden. Sie hat sich also einen sogenannten Co-Vater gesucht:

Also wir sind zwei Freunde, die zusammen ein Kind bekommen haben, ohne vorher die Beziehung zu haben. Im Endeffekt kann man sich’s so vorstellen wie ein getrenntes Paar, nur, dass wir eben keine hässliche Trennung hinter uns haben, sondern direkt hinter der Trennung angesetzt haben.

Von diesem Prinzip hat Jennifer über eine Freundin erfahren – und die hatte auch gleich einen Mann im Sinn, der als Co-Vater in Frage käme. Zufällig sogar ein Kollege, der genau wie Jennifer als Flugbegleiter arbeitet. Sie hat ihn dann gleich kontaktiert:

Wir haben uns getroffen und geguckt: Mögen wir uns? Sind wir uns sympathisch? Und so war es dann auch. Wir sind ja Kollegen, wir haben uns sofort gut verstanden. Wir haben dann ganz viele Punkte abgearbeitet und als das alles gestimmt hat, haben wir dann losgelegt.

Das heißt aber nicht: Einfach ganz pragmatisch Sex haben. Jennifer und ihr Co-Vater wollten ihre Freundschaft nicht durch Sex gefährden und haben sich deswegen für die sogenannte Bechermethode entschieden. Der Mann liefert seinen Samen im Becher, der wird mit einer Art Spritze aufgezogen und bei der Frau eingefügt.

Eltern ohne Anonymität

Die Alternative zum Co-Vater, nämlich eine anonyme Samenspende, kam für Jennifer nicht in Frage:

Je näher es an einer richtigen Familie dran ist, umso schöner ist das ja für ein Kind auch. Mama, Papa, Kind, Beziehung – hätte ich mir auch gewünscht. Da sich das aber nicht ergeben hat, war das jetzt am nächsten dran. Und die Kleine hat jetzt einen ganz tollen engagierten Papa, der sie fast jeden Tag sieht, der sich kümmert – das ist doch super für ein Kind.

Jennifer ist gleich beim ersten Versuch mit der Bechermethode schwanger geworden. Und ihre kleine Tochter Mathilda ist 2016 zur Welt gekommen und jetzt schon knapp 1 ½ Jahre alt.

Statt Streit gibt es klare Regeln

Bei getrennten Paaren läge jetzt der Verdacht nahe, dass es bestimmt auch mal Streit gibt: Wer hat das Kind wann und wer erzieht richtig? Zwischen den beiden Co-Eltern gabs’s aber noch nie Zoff deswegen. Alles war von Anfang an besprochen:

Im  Moment ist ihr Lebensmittelpunkt bei mir, weil sie auch noch gestillt wird, sie ist ja noch klein. Wir sind jetzt gerade in der Phase, wo sie anfängt bei ihm übernachten lernt und sich daran gewöhnt. Damit, wenn ich dann wieder arbeiten gehe, sie dann schon weiß: Hier wohne ich auch, hier ist mein zweites Zuhause, hier bei Papa bin ich sicher. Aber eigentlich soll es so sein, dass sie mal da, mal da ist. Es muss ein bisschen flexibler sein, aufgrund unseres Berufes. Aber ich denke das wird sie gut mitmachen, weil sie wird es ja nicht anders kennen.

Auch das Thema neue Partnerschaften ist bei den beiden Co-Eltern kein Streitthema. Jeder kann jederzeit mit anderen Menschen zusammenkommen und – wenn es der Zufall will – auch gern noch Geschwisterchen auf die Welt bringen. Für einen neuen Partner ist es so auch viel einfacher, als bei getrennten Paaren: Immerhin war nicht einmal Sex im Spiel, um Mathilda zu zeugen.

Auch Oma und Opa sind glücklich

Die Vorteile hinter der Co-Elternschaft hat mittlerweile auch Jennifers Mutter erkannt. Die war am Anfang erst ein bisschen skeptisch, ist jetzt aber eine glückliche Oma. Genau wie Jennifers Co-Schwiegereltern:

Seine Eltern, die sind noch ein bisschen älter als meine. Aber wirklich richtig richtig glücklich, weil sie jetzt ein Enkelkind haben, was sie vorher nicht hatten. Und ich glaube, der Weg dahin war ihnen wirklich egal – Hauptsache Enkelkind!

Also: Happy End für alle. Wer mehr von Jennifer und der Co-Elternschaft erfahren möchte, der kann auf ihrem Blog planningmathilda.com vorbeischauen - dort berichtet sie regelmäßig rund um‘s Co-Familienleben.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP am Nachmittag | 21. Februar 2018 | 16:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 21. Februar 2018, 13:05 Uhr

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