Clueso im Videointerview: „Hier werden Existenzen platt gemacht!“

Corona zwingt uns wieder ins Homeoffice und so treffe ich Clueso nicht wie geplant. Dafür gibt es einen Videocall in sein Studio. Nachdem wir uns über ein witziges Interview unterhalten, das ihn als 18-Jährigen zeigt, geht es um ein sehr ernstes Thema. Clueso fürchtet das Ende der Kulturszene, wie wir sie kennen…

MDR JUMP Redakteur Felix Heklau und Clueso im Homeoffice-Talk 39 min
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MDR JUMP Mo 02.11.2020 18:00Uhr 38:50 min

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„Hier werden Existenzen platt gemacht!“, sagt Clueso zur aktuellen Lage der deutschen Kulturlandschaft. Dabei stellt er klar, dass es ihm nicht darum geht, um jeden Preis Konzerte wieder zu erlauben. Ihm sei durchaus bewusst, dass bei den Menschenansammlungen auf seinen Konzerten ein erhöhtes Ansteckungsrisiko gäbe. „Ich rede jetzt wirklich von Subventionierungen, damit man die Kultur rettet.“, stellt er klar. Seiner Ansicht nach, würde hier von staatlicher Seite schon viel zu lange weggeschaut werden.

Mitarbeiter der Kulturbranche suchen sich andere Jobs

Clueso
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Die ganze Branche sei in Gefahr, denn: „Hinter jedem Musiker und jedem Frontmann, der auf der Bühne steht, stehen ganz viele Leute, die Bühnen aufbauen, die Licht machen, die organisieren. Das ist ein Riesenstab von Leuten, die alle ihren Job verlieren.“ Diese Menschen haben nach Cluesos Einschätzung inzwischen existenzielle Probleme: „Du musst Behördenwege machen. Du musst eine neue Existenz aufbauen, dich irgendwie da reinfriemeln. Du kannst da nicht einfach wieder zurückwechseln.“, erklärt er. „Tonleute haben sich Equipment geholt, das 20.000€ bis 30.000€ kostet. Das müssen sie verkaufen und das können sie nicht einfach zurückkaufen, wenn sie jetzt anfangen auf den Bau zu gehen oder Brot zu backen.“

Mein letztes Konzert war Weihnachten letzten Jahres und das war das letzte Mal, das ich Geld verdient habe. Ich weiß nicht, wie das alle schaffen sollen, die für mich gearbeitet haben.

Die ersten Abgänge gäbe es auch schon in seiner Crew. Das Livegeschäft sei nach der Wegrationalisierung von Tonträgern durch Streamingdienste die letzte echte Einnahmequelle für Musiker gewesen. Falls die Szene wirklich zusammenbricht, drohen uns laut Clueso starke Einschnitte in der Gesellschaft. „Dann fehlen uns in der Gesellschaft ganz viele kritische Stimmen.“, erklärt er. „Da rede ich nicht nur von Musik, sondern überhaupt von Kultur. Die steuert nämlich auch sehr wichtig gegen bestimmte Strömungen, die uns auf jeden Fall nicht gut tun.“

Das ganze Gespräch gibt es in unserem langen Videointerview. Neben vielen ernsten Worten gibt es auch sehr lustige Momente. Zum Beispiel wenn Clueso auf ein altes Interview reagiert, das 1998 er als 18-Jähriger Newcomer gegeben hatte.  Hier hatte er unter anderem über seine späteren Labelchefs, Die Fantastischen Vier, gewettert.

MDR JUMP-Musikredakteur Felix Heklau trifft regelmäßig Stars zum Gespräch. Das Ergebnis kannst auch auch in unserem Podcast "Wartungsfläche Fuhrpark" hören. Einfach abonnieren.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP am Abend | 02. November 2020 | 20:10 Uhr

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