Gibt es Werbung im Briefkasten zukünftig nur noch nach Zustimmung?

Drei von vier Deutschen freuen sich nicht über kostenlose Werbung oder Prospekte im Briefkasten. Das sogenannte Opt-in soll das Problem jetzt endlich lösen. Unsere Nachbarn in den Niederlanden machen es vor.

Briefkasten mit "Werbung, ja bitte!"
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Der rote Aufkleber mit der Aufschrift "Keine Werbung" leuchtet an vielen Briefkästen Deutschlands. Rund 76 Prozent aller Deutschen erhalten ungern Werbung. Und trotzdem landet sie wöchentlich in unseren Briefkästen. Laut einer Studie der Universität Gießen sind es rund 35 Kilogramm nicht adressierter Werbeprodukte pro Briefkasten und Jahr, was für ganz Deutschland rund 1,06 Millionen Tonnen pro Jahr ergibt. Das entspricht über 28 Milliarden Werbeprospekten. Die Deutsche Umwelthilfe e. V. (DUH) will das System nun umstellen.

"Ja bitte" statt "nein danke"

Die DUH findet, es sei Zeit etwas zu ändern. Die Flut an Müll, der durch die Werbungen produziert sei einfach zu viel, so heißt es:

Werbesendungen in einem Briefkasten
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Neben den negativen Umweltauswirkungen der Produktion dieser großen Menge bedruckten Papiers ist deren extrem kurze Lebensdauer kritisch zu betrachten: Die Prospekte existieren einzig für die einmalige Informationsvermittlung zwischen Handel und Verbraucher bzw. Verbraucherinnen und landen danach direkt im Müll.

Die Lösung sei das sogenannte Opt-In-System. Demnach darf Werbung nur noch in die Briefkästen eingeworfen werden, wenn dies ausdrücklich erwünscht ist. Wollt ihr Werbung bekommen, müsst ihr nur einen "Ja bitte" Aufkleber an euren Briefkasten kleben, alle anderen gehen leer aus. Durch dieses System könnten laut DUH jährlich rund 66.000 Müllabfuhren mit einem Fassungsvermögen von je 12 Tonnen vermieden werden. Bettina Knape vom Bundesverband Druck und Medien spricht gegenüber dem MDR Kritik an diesem System aus:

Die Deutsche Umwelthilfe unterschlägt, dass Werbepost aus Altpapier besteht und bis zu 10 Mal recycelt wird. Kleine Geschäfte sind außerdem extrem auf diese Werbung angewiesen. Wir wissen, dass sie ohne diese Post bis zu 30 Prozent weniger Umsatz machen.

Hier funktioniert es bereits

Dass das System tatsächlich etwas bringen könnte, zeigt das Beispiel von Amsterdam. In der niederländischen Hauptstadt wurde die Regelung bereits im Jahr 2018 eingeführt und geht auf die Initiative der Umwelt- und Tierschutzpartei "Partij voor de Dieren" zurück. Sollte man ohne Sticker Werbung bekommen, dann kann man den Verstoß an die Gemeinde melden. Die 500 Euro Ordnungsgebühr zahlen die Werbetreibenden - an die Stadt. Laut Stadtverwaltung werden hier pro Jahr 6.000 Tonnen Papier und 650 bis 750 Fahrten der kommunalen Müllabfuhr eingespart.

Mit Material von JLU, Deutsche Umwelthilfe, BMU

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