Zwischen Solidarität und Schutz So sicher ist die Blutspende in Zeiten von Corona

Jedes Jahr zur Erkältungszeit werben Blutbanken verstärkt um potenzielle Spenderinnen und Spender, denn die Spendenbereitschaft geht zurück. Die ohnehin begrenzten Reserven werden dann immer knapper. Die Krisensituation durch die Corona-Pandemie stellt Kliniken und Transfusionszentren neue Herausforderungen. Doch auch für Spendewillige bleibt die Frage: Wie sicher ist eine Blutspende in Zeiten des sich rasant ausbreitenden Virus?

von Carolin Voigt, MDR AKTUELL

Blutkonserven in einem Tragekorb aus Plastik
Notstand bei Blutkonserven ist in Deutschland ein Dauerthema. Die Corona-Pandemie verschärft die Situation weiter. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Am Mittwoch war die Freude bei der Blutbank der Universitätsklinik Leipzig (UKL) groß. Nach einem Spendenaufruf hatten sich innerhalb einer Woche mehr als 750 Spendewillige registriert, darunter mehr als 150 Neuspender. Das waren viel mehr Menschen, als erwartet. Die Blutbank habe sich damit etwas stabilisiert, wenngleich es noch keine Entwarnung geben könne, hieß es.

Blutspendeverbot bei Corona-Verdacht

Um Ängste bei potenziellen Spenderinnen und Spendern abzubauen und Ansteckungen mit dem Coronavirus zu verhindern, hat sich die Blutbank des UKL strenge Regeln auferlegt. Wer Kontakt zu Infizierten hatte oder aus Risikogebieten zurückkehrt, wird vier Wochen lang von der Blutspende ausgeschlossen. Die Liegen für Spender sind auf Abstand gestellt worden, Oberflächen werden in kürzeren Abständen desinfiziert.

Der Direktor des Instituts für Transfusionsmedizin am UKL, Reinhard Henschler, teilt auf Anfrage von MDR AKTUELL mit, dass alle Spendewilligen vor Betreten der Einrichtung zu möglichen Risiken befragt werden. Außerdem werde mit einer Art Pistole die Hauttemperatur gemessen. Standardmäßige Bluttests auf das Virus hält er nach aktuellem Stand für nicht sinnvoll, fügt jedoch hinzu, dass Bluttests für Blutspender derzeit geprüft würden. Sein Institut stehe dazu in Kontakt mit Einrichtungen, die dies aktuell testeten, so Henschler.

Bluttests nicht nicht auf dem Markt

Ähnlich sieht es der Leiter der Transfusionsmedizin am Uniklinikum Halle, Julian Hering. Er sagt: "Es bestehen keine Hinweise auf eine transfusionsassoziierte Übertragung." Es gebe daher keinen Grund, einem Patienten, bei dem die Indikation zur Transfusion eindeutig gestellt wurde, die Transfusion vorzuenthalten mit der Begründung eines aktuell erhöhten Infektionsrisikos. Außerdem, so Hering, gebe es noch keine Bluttests auf Corona, sondern nur die Abstrichtests.

Vertrauen auf Hilfsbereitschaft und Eigenverantwortung

Auch die Kliniken in Halle an der Saale haben inzwischen zum Blutspenden aufgerufen, weil die Konserven ausgehen. In einer Mitteilung des Universitätsklinikums Halle (UKH) im Namen aller Krankenhäuser heißt es am Donnerstag:

Wir müssen jetzt, so lange die meisten potenziellen Spenderinnen und Spender noch gesund sind, unsere Lager an Blutkonserven auffüllen.

Universitätsklinikum Halle

Im Hinblick auf die Corona-Pandemie sagt eine Sprecherin des UKH im Gespräch mit MDR AKTUELL, die Situation sei nicht einfach. Einerseits dürfe wegen der bestehenden Schutzmaßnahmen niemand mehr die Kliniken betreten, der dort nichts zu suchen habe. Auf der anderen Seite brauche man jede Blutspende dringend.

Die telefonische Organisation der Spendewilligen sei zu aufwendig, die Leute könnten einfach so kommen. Alle potenziellen Spender, die jedoch Kontakt zu Corona-Patienten gehabt haben oder in Risikogebieten gewesen sind, sollten zu Hause zu bleiben und kein Blut zu spenden. Generell müsse man auf den gesunden Menschenverstand vertrauen und darauf, dass nur Gesunde zum spenden kämen, so die Sprecherin.

Zusätzlich gelten aber auch verschärfte Hygiene- und Sicherheitsvorkehrungen, teilt das Klinikum MDR AKTUELL mit. Wie auch in Leipzig gebe es Fieberkontrollen am Einlass, die Patienten würden auf Abstand gehalten und Mitarbeiter der Transfusionsmedizin trügen Handschuhe und Mundschutz. Auch die Spender erhalten nach Angaben der Klinik ab sofort einen Einmal-Mundschutz.

Robert-Koch-Institut gibt grünes Licht

Das Robert Koch-Institut (RKI), das mit dem Monitoring der Corona-Pandemie betraut ist, sieht derzeit keinen Grund, auf Blutspenden zu verzichten. Eine Arbeitsgruppe hat sich speziell mit dem Thema Covid-19 und Blut beschäftigt und dazu Anfang der Woche eine Stellungnahme veröffentlicht. Darin heißt es:

Aktuell gibt es keine wissenschaftliche Grundlage für die Annahme, dass das SARS-CoV-2 durch Blutprodukte oder Plasmaderivate übertragen werden kann. (...) Eine Spenderrückstellung von klinisch gesunden Blutspendern ohne konkrete Risikoanamnese ist nicht erforderlich.

Robert Koch-Institut

Auch die Blutbank in Leipzig versucht, Spender zu beruhigen.

Viele Blutspender stellen sich offenbar die Frage, ob sie sich bei ihrem Besuch in einer Blutspendeeinrichtung mit dem Virus infizieren könnten. Eine Sorge, die aus meiner Sicht zum jetzigen Zeitpunkt unbegründet ist.

Prof. Reinhard Henschler Leiter Institut für Transfusionsmedizin Uniklinik Leipzig

Und so gelten bis auf Weiteres für das Blutspenden die gleichen Regeln im Umgang mit Corona, wie für alle andere Bereiche der Gesellschaft: Im Zweifel zu Hause bleiben, bei Symptomen den Hausarzt telefonisch kontaktieren, im Außenbereich zwei Meter Abstand halten und vor allem: ruhig bleiben.

Dieses Thema im Programm MDR AKTUELL RADIO | 18. März 2020 | 16:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 20. März 2020, 13:53 Uhr

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