Mit dem Smartphone gegen Falschparker

01.03.2019 | 10:32 Uhr

Mit der App "Wegeheld" kann jeder einfach mit dem Smartphone Falschparker beim Ordnungsamt anzeigen. Die Stadt Bitterfeld-Wolfen wirbt mittlerweile sogar dafür.

Auto steht auf Fahrradweg und Radfahrer muss drumherum fahren
Bildrechte: Colourbox.de

Die App "Wegeheld" polarisiert. Für die einen ist sie ein digitaler Pranger, anderen hilft sie, Radwege freizuhalten und den Straßenverkehr sicherer zu machen. Für den Programmierer Marco Gergele aus Halle, der an der Entwicklung der App beteiligt war, ist sie vor allem dazu da, das Thema Falschparken ins Gespräch zu bringen.

Das vorhandene gesellschaftliche Problem, dass die einen ihr Auto aus Egoismus irgendwo abstellen und andere darunter zu leiden haben, wurde durch die App wieder in die Debatte geholt.

Mit der App lässt sich ein Falschparker einfach fotografieren. Das Bild kann anschließend auf Twitter gepostet werden, Kennzeichen und Personen müssen dabei verpixelt werden. Außerdem kann man aus der App heraus gleich eine Anzeige beim Ordnungsamt aufgeben, dabei wird das Foto mit unverpixeltem  Kennzeichen versendet.

Einfach Anzeigen

Das Konzept wird gut angenommen, allein im vergangenen Jahr gab es über 30.000 Meldungen, viele davon verbunden mit einer sogenannten Privatanzeige beim Ordnungsamt.

Es ist ja auch ein gewisser Aufwand. Wir erwischen da nicht mehr als ein Prozent der Falschparker.

erklärt Programmierer Gergele. Die App vereinfacht vor allem die Anzeigen beim Ordnungsamt. Davon will auch die Stadt Bitterfeld-Wolfen profitieren. Sie nutzt ab dem 1. März ganz offiziell die App "Wegeheld" um Anzeigen anzunehmen. Stadtsprecherin Katrin Kuhnt meint:

In der App ist alles organisiert, der Melder muss alle Angaben ordnungsgemäß und vollständig machen, alle Informationen werden erfragt, so dass wir uns eine verbesserte und verkürzte Verfahrensweise versprechen. "Wegeheld" erhöht also die Qualität der Anzeigen und erleichtert es dem Nutzer, eine solche aufzugeben.

Bitterfeld verspricht sich davon auch eine bessere Qualität der Anzeigen und ein verkürztes Verfahren. Weil die App von jedem Nutzer verlangt, alle Angaben ordnungsgemäß zu machen, entfallen auch lästige Nachfragen des Ordnungsamts, erklärt Kuhnt weiter.

Die App als Druckmittel

Die bestehende Plattform zu nutzen, kostet die Stadt Bitterfeld-Wolfen außerdem nichts. Der einzige Unterschied zu anderen sei, dass es in Bitterfeld nun eine extra Email-Adresse gibt, an die die Anzeigen weitergeleitet werden.

Doch ewig so weitergehen soll es mit "Wegeheld" nicht. Marco Gergele sieht die App vor allem als Mittel, um den Druck auf Stadtverwaltungen und Regierungen zu erhöhen. Sein Ziel: Der deutsche Bußgeldkatalog soll endlich auf EU-Niveau kommen. Falschparken und den Verkehr behindern werden seiner Meinung nach hierzulande viel zu niedrig bestraft:

Diese App wird sofort aus allen Stores genommen, wenn der Bußgeldkatalog den europäischen Durchschnitt erreicht hat.

Dieses Thema im Programm Who knows | 27. Februar 2019 | 10:03 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 01. März 2019, 10:32 Uhr

Aktuelle Themen von MDR JUMP