Paar schlafend im Doppelbett
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Im gemeinsamen Bett: Wer schläft wo?

21.05.2019 | 11:19 Uhr

In vielen Beziehungen hat jeder Partner einen Lieblingsplatz im gemeinsamen Bett. Dann möchte beispielsweise einer der beiden unbedingt immer auf der rechten Seite liegen. Oder: Die Seite ist egal, der Partner möchte aber unbedingt an der Wand schlafen. Warum ist es für uns wichtig, auf einer bestimmten Bettseite zu schlafen?

Paar schlafend im Doppelbett
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Zu fast jedem Thema gibt es Studien und natürlich auch zum Schlafverhalten in Beziehungen. So zeigt eine britische Studie von 2017: Wer im Bett rechts liegt, wacht morgens meist weniger erholt auf als der Partner auf der anderen Bettseite.  In einer anderen britischen Studie aus dem Jahr 2015 wollen die Forscher herausgefunden haben, dass "Linksschläfer" mehr Freunde haben und besser mit Stress im Job umgehen können als "Rechtsschläfer".

"Kein Zusammenhang zwischen Schlafseite und Persönlichkeit"

Aus Sicht des renommierten Schlafforschers Dr. Hans-Günter Weeß sind die Studien zum Lieblingsplatz interessant, aber nicht wissenschaftlich belastbar. Er sagte MDR JUMP:

Diese Unterschiede zwischen Links- und Rechtsschläfern, wie erholt die aufwachen und wie die sich als Persönlichkeit entwickeln, die liegen im einstelligen Bereich und das ist eher Zufall.

Nach der Erfahrung unseres Experten bevorzugen viele Menschen aber tatsächlich eine bestimmte Bettseite. Diese Vorliebe werde genauso ausgeprägt wie eine bestimmte Schlafhaltung:

Eine junge blonde Frau schläft
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Ob sie auf dem Rücken oder auf der Seite schlafen, eher in Embryonalstellung oder nicht, das wird schon sehr zeitig ausgeprägt. Meist schon mit sechs bis sieben Jahren.

Auch ob jemand im gemeinsamen Ehebett eher zu einem Partner hin einschlafe oder lieber für sich zur anderen Seite hin, sei bei vielen Menschen festgelegt. Abgesehen von solchen Vorlieben gebe es für die Wahl der Bettseite manchmal auch kulturelle Gründe, sagt unser Experte:

Solche Konventionen in unserer Kultur können sein, dass der Mann näher am Fenster oder an der Tür schläft als die Frau. Der Mann ist ja der Beschützer und ein möglicher Eindringling nachts stößt dann zuerst auf ihn. Oder es gibt kulturelle Einflüsse, dass die Frau mit ihrer Herzseite immer dem Mann zugewandt sein sollte.

Manchmal hat die Wahl der Bettseite auch rein praktische Gründe, wie etwa bei MDR JUMP-Moderator Timo Close. Er schlafe auf der linken Bettseite, weil er nachts häufiger wegen der Kinder aufstehen müsse. Von der linken Bettseite aus habe er dabei den kürzeren Weg.

"Mein Mann ist Feuerwehrmann. Der muss zur Tür hin schlafen!"

Wir haben MDR JUMP-Hörer gefragt, auf welcher Seite sie im Bett liegen und einige Antworten ausgewählt. Auch danach entscheiden Eltern offenbar nach rein praktischen Gesichtspunkten, wer wo liegt.

Bea

Bea

Ich schlafe rechts und würde aber gern links schlafen, weil ich Linksschläferin bin. Und ich kann es nicht ab, wenn mir jemand ins Gesicht pustet. Aber mein Freund muss an der Tür schlafen, weil er Feuerwehrmann ist. So rennt er nicht alles um.

Stefanie

Stefanie

Das ergibt sich aus der Position im Standesamt. Wenn man von diesen Positionen umfällt, so liegt man im Ehebett. So kenne ich das.

Steffi

Steffi

Die Seite an der Tür, der Kinder wegen. Wird ja schließlich eher nach Mama gerufen.

Nancy

Nancy

Der Mann muss näher an der Tür liegen, um die Frau zu beschützen. Ist meine Meinung. Fühle mich so wohl.

Denise

Denise

Links am Fenster der Mann und ich rechts an der Tür. Wegen der Kleinen. Und manchmal liegt sie auch zwischen uns.

Nancy

Nancy

Hängt vom Zimmer ab! Ich bin lieber an der Wand als am Fenster. Und am liebsten auch nicht näher an der Tür. Eigentlich total bekloppt. Ich weiß nicht mal, warum das so ist.

Allein schlafen kann erholsamer sein

In manchen Beziehungen schlafen beide Partner nicht gemeinsam auf einer Matratze, sondern haben sich für getrennte Betten oder gar Schlafzimmer entschieden. Das klingt vielleicht nicht sehr romantisch, muss aber aus Sicht des Forschers gar nichts über eine Beziehung aussagen:

Ein Mann hält sich die Ohren zu während eine Frau neben ihm schläft
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Man kann sich tagsüber wunderbar verstehen, muss aber nachts in Bettsituation  nicht unbedingt genauso sein. Da will einer früher ins Bett, der andere später. Der eine schnarcht, der andere redet. Eine wills lieber warm, der andere kalt.

In solchen Fällen sind die getrennten Betten aus Sicht des Schlafforschers die bessere Wahl, so dass jeder der Partner seinen persönlichen erholsamen Schlaf bekomme.

Schlafforscher und Buchautor Hans-Günter Weeß
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Dr. Hans-Günter Weeß ist Schlafmediziner und Leiter des Interdisziplinären Schlafzentrums des Pfalzklinikums. Über das Schlafen schreibt er auch Bücher, zuletzt erschien "Schlaf wirkt Wunder" im Droemer-Verlag.

Dieses Thema im Programm Die MDR JUMP Feierabendshow | 21. Mai 2019 | 15:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 21. Mai 2019, 11:19 Uhr

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