Bezahlkarten – Diese praktische Funktion steht vor dem Aus

Ein Logo aus blauen und rote Streifen, das wie ein Strandball aussieht – viele von uns haben das auf unserer Bezahlkarte, in der Mitte steht das Wort „GeldKarte“. Doch der entsprechende Bezahldienst steht vor dem Aus.

Der Chip einer Girocard wird mit einer Schere zerschnitten
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Am Parkschein-, Fahrkarten- oder Zigarettenautomat bargeldlos zahlen – heute macht man das vielleicht mit dem Handy oder der Smartwatch. Doch als sich deutsche Banken und Sparkassen Mitte der Neunziger zusammentaten, um ein neues Bezahlsystem aus der Taufe zu haben, konnten sie an so etwas Futuristisches noch nicht denken. Sie ersannen die Geldkarte, bei dem auf Bank- und EC-Karten ein zusätzlicher Chip installiert wurde. Darauf ließen sich kleinere Geldbeträge einzahlen, die dann zum bargeldlosen Zahlen genutzt werden konnten. Wobei, so klein müssen die Beträge gar nicht sein, bis zu 200 Euro sind technisch möglich.

Schon die ersten Tests des Systems im baden-württembergischen Ravensburg verliefen 1996 allerdings eher enttäuschend. Und doch nahm die Technik über die Jahre zumindest ein bisschen Fahrt auf, mehr als 50 Millionen Bezahlvorgänge wurden etwa im Jahr 2007 abgerechnet, mit einem Gesamtvolumen von 148 Millionen Euro. Der durchschnittliche Zahlbetrag lag allerdings nur bei rund drei Euro. Und so richtig populär wurde die Geldkarte am Ende irgendwie nie - obwohl sie ja eigentlich ganz praktisch hätte sein können. Allerdings taten sich offenbar die Menschen schwer, das Geld vor der Nutzung immer brav auf den Chip aufzuladen. Außerdem funktionierte die Geldkarte nur in Deutschland und war inkompatibel mit vergleichbaren Systemen im Ausland.

Rückbuchungen aufs eigene Konto noch länger möglich

Nun steht die Funktion bei den Sparkassen ganz vor dem Aus. „Gründe für die Einstellung sind veränderte Marktgegebenheiten“, heißt es bei den Sparkassen. Neue Bankkarten der Institute enthalten das Logo schon seit Sommer 2020 nicht mehr. „Aktuell kann die GeldKarte- bzw. girogo-Funktion noch an allen aktiven Akzeptanzstellen weiter genutzt werden. Auch das vorhandene Prepaid-Guthaben kann bei dem jeweiligen Kreditinstitut am Geldautomaten entladen werden“, stellt aber die Initiative Deutsche Zahlungssysteme klar. Girogo ist eine Funktion, die mit der Geldkarte vergleichbar ist, aber komplett kontaktlos erfolgt.

Automaten mit Geldkarten-Logo sollten das Guthaben auf dem Chip weiter ohne Probleme akzeptieren. Und wer das nicht will, kann zu seiner Sparkasse an den Automaten gehen – und das Geld wieder zurück auf sein Konto buchen lassen. Das sollte nach Auskunft der Sparkassen so lange funktionieren wie die Karte gültig ist – oder aber bis maximal zum 31. März 2025. Ein bisschen Zeit habt ihr also noch.

Ausstieg auch aus einem anderen System

Zuvor hatten sich schon andere Banken von der Geldkarte verabschiedet. Die genossenschaftlichen Kreditinstitute zogen sich schon 2017/2018 komplett aus dem System zurück und führten auch nicht das vergleichbare Nachfolgesystem girogo ein. Auch die Deutsche und die Commerzbank stellen schon längst keine Karten mit der Geldkarten-Funktion mehr aus.

Der Wegfall der Geldkartenfunktion ist nicht die einzige aktuell laufende Änderung in dem Bereich. Parallel beenden die Banken und Sparkassen in Deutschland ab 2023 auch die Maestro-Funktion, mit der Bezahlkarten auch im Ausland genutzt werden konnten. Ein Nachfolger dafür steht noch nicht fest. Hintergrund ist hier, dass der Kreditkartenanbieter Mastercard das bisherige System auslaufen lassen will. Die Firma verweist darauf, dass Maestro etwa im Onlinehandel nicht mehr zeitgemäß sei. Kritiker argumentieren dagegen, Mastercard wolle so die eigenen Kreditkarten voranbringen.

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