So helfen Pausen beim besseren Lernen

Übung macht den Meister – jeder von uns kennt den Spruch. Aber noch etwas anderes sorgt für gute Ergebnisse beim Lernen: Die richtige Menge an Pausen. Das haben Forscherinnen und Forscher gerade am Beispiel von Musikschülern herausgefunden.

Kind am Klavier
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Wenn man begnadete Pianisten hört, Lang Lang, Igor Levit oder, von uns aus der Region, den Thüringer Martin Kohlstedt, gibt es darauf eigentlich nur zwei Reaktionen: Entweder man möchte selbst Klavierspielen lernen, weil man, inspiriert von den ganz Großen, ebenfalls seine Gefühle in der Musik ausdrücken will. Immerhin neun Millionen Menschen in Deutschland spielen, vielleicht auch deswegen, ein Musikinstrument.

Oder man stellt jegliche Bemühungen sofort ein – weil man gewiss sein kann, natürlich niemals so gut zu werden wie die Idole. Aber nehmen wir mal sinnvollerweise an, ihr gehört zur Kategorie eins. Dann stellt sich die Frage: Wie übt man eigentlich am besten, um den maximalen Lernerfolg zu bekommen? Der Volksmund weiß, dass irgendwie auch die Menge der fürs Proben genutzten Zeit eine Rolle spielt. Übung, so heißt es, macht ja den Meister. Oder die Meisterin. Also besser mehr als weniger trainieren. Das ist vielleicht nicht ganz so überraschend.

Die Wissenschaft hat aber auch einen zweiten wichtigen Tipp. Und der ist durchaus verblüffend: Es hilft nämlich offenbar, regelmäßig Pausen zu machen. Nicht aus Faulheit. Die Unterbrechungen helfen vielmehr unserem Gehirn, das Gelernte besser zu verarbeiten. Im Fachmagazin „Cell Reports“ haben US-Forscher kürzlich über ihre Beobachtungen berichtet. Konkret geht es um die Wirkung von etwa zehnsekündigen Unterbrechungen beim Üben. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler konnten zeigen, dass das Gehirn während dieser Phasen nämlich weiter trainiert, wie in einer Art Zeitraffer in 20-facher Geschwindigkeit.

Zu lange Pausen bringen keinen Mehrwert

Für ihre Messungen setzten die Forscherinnen und Forscher das Verfahren der Magnetenzephalographie ein, um die Gehirnaktivität zu beobachten. Die dafür nötigen Geräte gelten als komplex und ziemlich teuer, außerdem werden für ihren Betrieb größere Mengen an flüssigem Helium benötigt. Im Gegenzug erlauben sie aber Messungen mit großer räumlicher und zeitlicher Genauigkeit zur Frage, wo sich gerade was im Gehirn tut.

G-D-F-E-G – das war die Tonfolge, die die Probanden im Labor üben mussten. Dabei zeigte sich: Wenn es nach 10 Sekunden Üben jeweils eine Pause von 10 Sekunden gab, konnten die Freiwilligen die Tastenabfolge jeweils viel schneller wiedergeben als vor der Pause. An der Länge der Unterbrechung kann man dabei übrigens ein bisschen schrauben, optimal ist – je nach Schwierigkeitsgrad der Aufgabe – ein Zeitraum von 10 bis 30 Sekunden, so die Forscher. Längere Pausen bringen dagegen keinen zusätzlichen Vorteil.

Man kann in den Pausen die Gedanken schweifen lassen

Mit ihren Messungen der Gehirnaktivität konnten die Forscherinnen und Forscher zeigen, dass die Informationen während der Pausen sowohl in Bereichen unseres Denkorgans gespeichert wurden, die fürs Gedächtnis zuständig sind, als auch in Arealen, in denen Sinneseindrücke verarbeitet und Bewegungen geplant werden. Erst durch das Zusammenspiel wird das Lernen offenbar ein Erfolg.

Interessant war auch: Je grösser der Lernfortschritt eines Probanden war, desto schneller und häufiger wurden die Inhalte von den Gehirnzellen automatisch wiederholt – und zwar jeweils ohne, dass die Teilnehmer irgendwie spezifisch an das Gelernte denken mussten. Wenn ihr also die Gedanken schweifen lasst, ist das vollkommen ok, ihr lernt trotzdem!

Dieses Thema im Programm MDR JUMP am Wochenende | 25. September 2021 | 11:15 Uhr

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