Geliebtes Schnellgericht der Deutschen: Döner
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Fleischspieß in Gefahr? Spekulationen über Döner-Verbot durch EU

Ein Zeitungsbericht sorgte diese Woche für viel Wirbel: Angeblich drohe dem geliebten Döner das Aus. Der Umweltausschuss des EU-Parlaments wolle den Zusatz von Phosphat in den tiefgefrorenen Fleischspießen nicht mehr erlauben. Doch die Aufregung ist unbegründet.

Geliebtes Schnellgericht der Deutschen: Döner
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Der Döner soll einst von Türken in Deutschland für Deutsche erfunden worden sein. 400 Millionen der gefüllten Fladenbrote gehen jedes Jahr über die Imbisstheken. Das erklärt den Wirbel um eine Zeitungsmeldung diese Woche: Danach könnte der Döner komplett verboten werden. Weil der Zusatzstoff Phosphat in den tiefgefrorenen Fleischspießen möglicherweise die Gesundheit gefährdet.

Einsatz von Phosphat ist umstritten

Schuld am Wirbel um den Döner ist ein Vorschlag der EU-Kommission. Die hatte eigentlich empfohlen, den Zusatz von Phosphat in tiefgekühltem Fleisch künftig europaweit zu erlauben. Phosphat steckt als Bindemittel in Dönerspießen, damit das Fleisch haltbar bleibt und den Geschmack hält. Allerdings ist der Einsatz von Phosphat in den Spießen bisher in der EU nicht einheitlich geregelt. In Deutschland ist es erlaubt, in Tschechien ist der Einsatz dagegen untersagt. Im EU-Parlament allerdings wird der Vorschlag von Grünen- und SPD-Abgeordneten abgelehnt. Sie wollen zunächst klären lassen, ob Phosphat gesundheitsgefährdend ist.

Döner nicht in Gefahr

Stimmen die EU-Parlamentarier gegen den Phosphat-Vorschlag, wäre das laut den Zeitungsberichten das Ende für den Döner. Dann stünde aber nicht nur das beliebte Schnellgericht auf der Kippe, sagt die CDU-Europaabgeordnete Renate Sommer:

Das wäre natürlich eine Diskriminierung des Döners weil Phosphat in allen möglichen anderen Fleischerzeugnissen erlaubt ist. In Bratwurst, in Leberkäse, in Kassler etwa und das ist überhaupt nicht nachzuvollziehen.

Sie sorgt sich zudem, dass ein mögliches Verbot die bereits angespannten Beziehungen zwischen der Türkei und Deutschland zusätzlich belasten könnte. Doch so weit wird es nicht kommen, sagt die ARD-Brüssel-Korrespondentin Karin Bensch:

Kippt das EU-Parlament mit seiner Mehrheit den Vorschlag der EU-Kommission wirklich, dann müsste die eben einen neuen Plan für den Einsatz von Phosphat vorlegen. An der Rechtslage in Deutschland ändert sich damit erstmal gar nichts.

Damit muss niemand auf Döner oder Gyros verzichten.

Gesundheitstests laufen

Derzeit untersucht die europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit in Parma/Italien, ob phosphathaltige Zusatzstoffe wirklich die Gesundheit gefährden. Darauf deuten bisherige Studien zumindest hin. Danach kann Phosphat  die Innenwände der Gefäße verändern und so das Risiko für Herzinfarkte oder Schlaganfälle erhöhen. Zudem könne der Zusatzstoff möglicherweise das Kalzium in den Knochen lösen, die damit brüchig werden. Erste Ergebnisse der EU-Behörde werden für frühestens Ende 2018 erwartet. Erst wenn die Tests auf schwerwiegende Gesundheitsschäden durch Phosphat in Tiefkühl-Dönerfleisch hinweisen, müsste die EU-Kommission handeln.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP am Mittag | 01. Dezember 2017 | 13:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 02. Dezember 2017, 09:30 Uhr