Saugwürmer, Blaualgen und Co.: Diese Gefahren lauern beim Baden

Ja, es ist heiß. Und nochmal ja, man kann es gerade eigentlich nur im Wasser aushalten. Wenn da nur nicht diese kleinen Fieslinge wären…

Familie plantscht in Badesee
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Weißt du, was Muliphein ist? Und wie ist es mit Sirius oder Aludra? Nicht schlimm, wenn du von denen noch nie etwas gehört haben. Die tun dir nichts. Das sind alles Sterne und sie gehören zum Sternbild Hund. Und diese Formation im Himmel ist nur zu einer bestimmten Jahreszeit zu sehen, nämlich im Sommer. Früher, so in der Zeit der alten Römer, war das vom 23. Juli bis zum 23. August.

Und so haben die heißesten Tage des Jahres nach dem Sternbild den Namen Hundstage - auch wenn der hellste Stern des Sternbildes, der Sirius, heutzutage eigentlich erst Ende August erscheint, wenn die schlimmste Hitze eigentlich schon vorbei ist. Aber aktuell schwitzen wir alle, Hunde und Menschen. Und was liegt da näher, als sich bei einem Bad abzukühlen?

Wer einen hat, kann das natürlich auch im eigenen Pool machen, klar. Aber darum soll es jetzt hier nicht gehen, sondern um die Badegewässer unserer Region und um die Nord- und Ostsee. Da sind ja dieser Tage auch ein paar - naja eigentlich ziemlich viele – Leute, die sich im Wasser erfrischen wollen.

Warmes Wasser macht Probleme

Das Problem an der Sache ist: So richtig frisch ist das Wasser an der einen oder anderen Stelle leider gar nicht mehr. Durch die hohen Temperaturen der letzten Woche – Stichwort Hundstage – hat es sich vielerorts erwärmt. Und das führt dann manchmal zu eher unangenehmen Begleiterscheinungen. So kann es in nährstoffreichen Gewässern ein übermäßiges Algenwachstum geben. Wenn dann nicht genug Sauerstoff zur Verfügung steht, sinkt tote Biomasse nach unten ab. Die Folge: Übler Gestank, in diesem Wasser sollte niemand baden.

Problematisch sind auch sogenannte Zerkarien. Das sind Larven von parasitischen Saugwürmern. Die interessieren sich eigentlich für Wasserschnecken. Doch wenn da mal ein Mensch im Wasser ist, versuchen sie halt bei ihm ihr Glück. Das klappt zwar nicht lange, die Tiere sterben nach einer Weile. Aber bis dahin können sie uns ziemliche Probleme machen – in Form eines stark juckenden Hautausschlags mit Quaddeln. „Der Ausschlag ist nicht gefährlich und klingt meist von selbst innerhalb von Tagen oder Wochen ab“, so der Kinder- und Jugendarzt Ulrich Fegeler, der im Expertengremiums des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) sitzt. „Bei starken Beschwerden kann der Kinder- und Jugendarzt ein juckreiz- bzw. entzündungshemmenden Gel verordnen.“

Zerkarien kommen nur in Seen vor, in denen auch Enten leben. Das so als Tipp. Am liebsten halten sie sich im flachen Wasser auf, gern in der Nähe von Schilf. Deswegen sollte man dort nach Möglichkeit nicht allzu lange bleiben. Zumindest wer schwimmen kann: Ab ins Tiefe! Außerdem nach dem Aufenthalt im Wasser sofort die Badekleidung ausziehen und sich abrubbeln. So sinkt die Zahl der kleinen Biester auf der Haut.

Blaualgen sorgen für gesperrte Strände

An der See drohen im Wasser weitere Gefahren. Da sind zum Beispiel die Vibrionen. Das sind Bakterien, die natürlich dort vorkommen, also kein Zeichen für Verunreinigung. Die Erreger können über offene Wunden in den Körper gelangen. Dort können sie Entzündungen verursachen. Bei Komplikationen wie einer Sepsis, also einer Blutvergiftung, kann es im Extremfall auch zu tödlichen Verläufen kommen. Wichtig also: Wer nach dem Baden im Meer auch nur das geringste Zeichen einer Wundinfektion bemerkt, sollte zum Arzt gehen.

Unter anderem „durch die globale Erwärmung und die damit verbundenen erhöhten Temperaturen des Meerwassers“ erwarte man für die kommenden Jahre, „dass es weltweit zu einer Zunahme von Vibrio-Infektionen kommen könnte“, so das Bundesinstitut für Risikobewertung.

An der Ostsee gibt es dieser Tage auch an einigen Orten Probleme mit Blaualgen.  Das sind eigentlich Bakterien und sie können Giftstoffe bilden, die für Haut- oder Schleimhautreizungen sorgen können und, wenn sie in großen Mengen verschluckt werden, auch Übelkeit, Erbrechen, Durchfall und Fieber hervorrufen können. „Da sich der Bakterienfilm häufig in Ufernähe konzentriert, sind spielende Kleinkinder besonders gefährdet, nicht nur über die Haut, sondern auch durch Hand-Mund-Kontakt mit dem Gift in Berührung zu kommen“, warnt der Mediziner Fegeler. 

Und weitere potentielle Opfer gibt es: Kürzlich musste etwa ein Strand bei Greifswald gesperrt werden, nachdem dort zwei junge Hunde nach dem Spielen im Wasser sogar an einer Vergiftung gestorben waren. Hundstage von ihrer besonders unschönsten Seite.

Auch eine gute Nachricht gibt es

Und wenn man im öffentlichen Schwimmbad schwimmt? Immerhin ist das Wasser da schön durchgechlort. Doch auch hier können, zumindest theoretisch, auch fiese Mikroorganismen überleben. Sogenannte Kryptosporidien, zum Beispiel, können mehrere Tage im Schwimmbadwasser überleben. Die Darmparasiten können zu Durchfall und Erbrechen führen. Immerhin: Für das Coronavirus, so das Umweltbundesamt, stellt das Wasser „keinen relevanten Infektionsweg dar“.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP Nachrichten | 12. August 2020 | 12:30 Uhr

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