Azubi-Ticket: Wann kommt's, was bringt's?

01.10.2018 | 14:39 Uhr

Thüringen legt vor, Sachsen und Sachsen-Anhalt brauchen offenbar noch mehr Zeit für ein kostenloses Azubiticket. Wir klären, ob und wann die anderen beiden Länder nachziehen wollen.

Für Volker Lux, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Leipzig, ist die Sache klar:

Sachsen braucht ein Azubi-Ticket und zwar ein Landesweites. Ob das kostenlos sein muss, ist die zweite Frage.

Wichtig sei für Lux, erklärt er im MDR JUMP-Interview, dass die Auszubildenden im Freistaat zu vergleichbar günstigen Konditionen den öffentlichen Personennahverkehr nutzen können, wie es Studenten schon jetzt täten.

Volker Lux, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer zu Leipzig
Bildrechte: Handwerkskammer zu Leipzig

Wir haben bei unseren Recherchen festgestellt, dass jeder zweite Auszubildende zwischen sechzig und hundertachtzig Minuten pendelt, um zur Berufsschule zu kommen. Dazu kommt: Viele Auszubildende müssen bis zu einem Drittel ihrer Ausbildungsvergütung alleine für die Fahrtkosten aufwenden.

Lux ist überzeugt, dass ein solches Ticket auch die Ausbildung in Sachsen attraktiver machen würde. Bleibt die Frage, wann wird das Ticket in Sachsen eingeführt? Fakt ist: Die sächsische Regierung hatte ein Azubi-Ticket im Koalitionsvertrag angekündigt, doch es ist seit der letzten Wahl im Freistaat vor drei Jahren noch nicht umgesetzt worden. "Vergangene Woche fand der große Parlamentarische Abend des Sächsischen Handwerkstags in Dresden statt. Und da hat der Ministerpräsident ganz klar gesagt, dass seine Zielmarke ist, im Frühjahr des kommenden Jahres eine Lösung auf dem Tisch zu haben", erzählt der Chef der Handwerkskammer zu Leipzig.

Vorreiter in Sachen Azubi-Ticket: Thüringen

In Thüringen bekommt man es schon: Bereits mehr als 1300 Auszubildende haben ein Abonnement für das für sie ab Oktober geltende günstige Nahverkehrsticket gekauft. Dabei handele es sich um ein Jahresabo, wie das Thüringer Ministerium für Infrastruktur mitteilt. Seit Anfang September werden die Tickets an den Verkaufsstellen der teilnehmenden Verkehrsunternehmen angeboten. Die Thüringer Verkehrsministerin Birgit Keller:

Der Freistaat gewinnt mit dem Azubi-Ticket Thüringen an Attraktivität bei den Auszubildenden.

Mit dem Ticket, das im Monat 50 Euro kostet, können Azubis den gesamten Thüringer Schienenverkehr nutzen. Der günstige Preis für das Ticket ist möglich, da das Land bis Ende kommenden Jahres 6,2 Millionen Euro im Haushalt dafür bereitstellt. Bis dahin stehen zudem für die teilnehmenden Landkreise und Städte 4,2 Millionen Euro Fördermittel bereit.

Kritikern ist es allerdings ein Dorn im Auge, dass das Ticket nicht überall gilt. Bisher ist es nur im Gebiet des Verkehrsverbunds Mittelthüringen (VMT) sowie in zehn weiteren Kommunen auch für Busse und Straßenbahnen gültig. Das Ministerium ist allerdings nach eigenen Angaben mit weiteren Gemeinden in Verhandlung über die Ausweitung des Gültigkeitsgebiets. Die Mehrheit der Landkreise sei bereits dabei.

Sachsen-Anhalt zögerlich beim kostenlosen Azubiticket

Die vier Wirtschaftskammern in Sachsen-Anhalt haben eine schnelle Entscheidung der Landespolitik für ein Azubi-Ticket gefordert. Der Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Magdeburg, Burghard Grupe:

Wir erwarten ein ganz klares Bekenntnis bis Jahresende.

Das Verkehrsministerium zeigte sich aber zuletzt extrem skeptisch, was die Machbarkeit eines solchen Azubi-Tickets betrifft. Die Vertreter der beiden Industrie- und Handelskammern (IHK) sowie der zwei Handwerkskammern forderten zudem, allen 23 500 Azubis ein Lernen an der nächstmöglichen Berufsschule zu ermöglichen sowie die Fahrtkosten zu übernehmen.

Azubis haben lange Wege in die Berufsschulen

Der Magdeburger Handwerkskammerchef Grupe meint: Es gebe Urteile aus Baden-Württemberg, die fordern: Wenn der Staat die Pflicht vorschreibe, eine Berufsschule zu besuchen, dürfe er sich aus der Finanzierung der Fahrtkosten nicht raushalten. In Sachsen-Anhalt werden bisher lediglich 120 000 Euro an Azubis verteilt, die weiter als 50 Kilometer pendeln und weniger als 600 Euro im Monat verdienen.

Wegen langer Wege zur Berufsschule fräßen die Fahrtkosten nicht wenig von der Vergütung auf, argumentierten die Kammern. Sie ließen erheben, wie weit Lehrlinge in Sachsen-Anhalt zur Berufsschule pendeln müssen. Das Ergebnis: Pro Schultag legen sie für die Anfahrt zur Berufsschule eine Million Kilometer zurück.

Wer nicht direkt am Wohnort einen Platz habe, müsse innerhalb des Landes im Schnitt 100 Kilometer für Hin- und Rückfahrt einplanen, sagte der Hauptgeschäftsführer der IHK Halle-Dessau, Thomas Brockmeier. Das betreffe drei von vier Lehrlingen. Knapp jeder fünfte Azubi könnte 25 Kilometer Fahrtweg sparen, wenn er eine näher gelegene Berufsschule besuchen dürfte.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP - Die Themen des Tages | 01. Oktober 2018 | 19:50 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 01. Oktober 2018, 14:39 Uhr

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