Andere Regionalklasse: Autoversicherung könnte für viele teurer werden

Die neuen Regionalklassen für die Kfz-Versicherung wurden jetzt bekannt gegeben. Mehr als vier Millionen Autofahrer rutschen in eine schlechtere Klasse. Sie müssen ab Januar mit höheren Kosten rechnen.

Autofahrer nimmt einen Unfall für die Versicherung auf (Symbolfoto)
Bildrechte: imago images / Shotshop

Das ist ungeliebte Post für Autofahrer: Der Anbieter der Kfz-Versicherung kündigt an, dass im kommenden Jahr die Preise steigen. Wer dann bei seinem Versicherungsvertreter nach den Gründen für die Erhöhung fragt, erhält häufig diese Antwort: "Sie sind in eine schlechtere Regionalklasse gerutscht." Diese Regionalklassen hat der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) für die 413 Zulassungsbezirke jetzt neu festgelegt. Danach rutschen knapp fünf Millionen Autofahrer in eine schlechtere Regionalklasse. Viereinhalb Millionen Autofahrer werden dagegen besser eingestuft als bisher.

Warum kann die Regionalklasse die Autoversicherung teurer machen?

Vereinfacht gesagt schauen die Kfz-Versicherer danach, wie oft es in einem bestimmten Zulassungsbezirk Unfälle gab und wie hoch die dabei entstandenen Schäden ausgefallen sind. Danach wird die Regionalklasse für die Kfz-Haftpflicht festgelegt: Gab es in einem Zulassungsbezirk viele und teure Unfälle, rutscht der in eine schlechtere oder auch "höhere" Regionalklasse. Das passierte aktuell dem Saalekreis in Sachsen-Anhalt. Autobesitzer dort müssen damit rechnen, im kommenden Jahr mehr für ihre Kfz-Haftpflicht zu bezahlen. Für die Regionalklassen für die Kaskoversicherung wiederum spielen Diebstähle, Wildunfälle oder auch Schäden durch Hagel oder Sturm eine Rolle. Görlitz in Sachsen beispielsweise liegt in der sehr ungünstigen, hohen Regionalklasse 11 für die Teilkasko, so Toralf Richter vom Vergleichsportal Verivox:

Toralf Richter vom Vergleichsportal Verivox
Bildrechte: Verivox

Die Haftpflicht in Görlitz ist dagegen mit Regionalklasse 1 sehr günstig. In den Großstädten dagegen ist die Verkehrsdichte höher, dort gibt es viele Haftpflichtschäden. Die sorgen für eine hohe Regionalklasse in der Haftpflicht, zum Beispiel in Dresden mit Klasse 10.

Auch andere Großstädte wie Leipzig, Halle oder Magdeburg sind bei der Kfz-Haftpflicht in deutlich höheren Regionalklassen eingeordnet als Zulassungsbezirke in ländlicheren Gegenden:

So kann die Versicherung mit Vollkasko in Leipzig rund 30 Prozent teurer sein als im Bördekreis. Wer nur die Haftpflicht versichert, zahlt in der Messestadt teilweise 60 Prozent mehr.

Eine aktuelle Modellrechnung von Verivox zeigt, wie stark der Wohnort die Preise für die Autoversicherung beeinflusst: Einwohner von Berlin zahlen rund 300 Euro für die Kfz-Haftpflicht und damit 71 Prozent mehr als die Einwohner des Landkreises Leer an der Nordseeküste. Die müssen nur 175 Euro für die Haftpflicht zahlen.

Können Autofahrer die Versicherung wechseln, wenn sie in eine schlechtere Regionalklasse rutschen?

Laut Verivox müssen Autofahrer ab Januar 2021 mit höheren Beiträgen rechnen, wenn ihre Stadt oder ihr Landkreis jetzt in eine höhere Regionalklasse eingeordnet wurde. Autofahrer müssen jetzt aber erstmal gar nichts machen und können ruhig abwarten. Zieht der Versicherer wirklich bei den Preisen an, haben Autobesitzer ein Sonderkündigungsrecht. Das sollten sie auch nutzen und nach einem günstigeren Anbieter suchen, rät Verivox-Sprecher Toralf Richter. Je nach Versicherung spiele die Regionalklasse mal eine größere oder eine kleinere Rolle beim Berechnen der Preise.

Die Versicherer vergeben unterschiedliche Zuschläge für die Regionalklassen und viele Versicherer kalkulieren noch detaillierter. Sie lassen auch die Postleitzahlen in die Beitragsberechnung einfließen. So finden viele Autofahrer sicher einen Versicherer, der für ihre individuelle Situation ein besseres Angebot macht, bei gleichen Leistungen.

Welchen Einfluss hat die Corona-Pandemie auf die Versicherungspreise?

Leere Hauptverkehrsstraße während des Corona-Lockdowns in Hamburg
Bildrechte: imago images / Hoch Zwei Stock/Angerer

Viele sind während des Corona-Lockdowns und in den Monaten danach deutlich weniger Auto gefahren: Weil sie nicht pendeln mussten, seltener einkaufen waren oder nicht so oft andere besucht haben. Wegen der wochenlangen Beschränkungen sind in vielen Regionen die Unfallzahlen deutlich nach unten gegangen. Das hat die Versicherer entlastet. Die Kfz-Versicherungen werden jetzt aber trotzdem nicht automatisch günstiger. Die Preise liegen laut Verivox aktuell auf dem Niveau des Vorjahres. Geschäftsführer Wolfgang Schütz sagt:

Überraschend kommt die Entwicklung aber nicht. Erstens steigen die Preise in jedem Jahr nach der Wechselsaison im November, um dann im Oktober wieder zu sinken. Außerdem sind Kfz-Versicherungstarife langfristig kalkuliert, die Versicherungsmathematiker können nicht auf so kurzfristige Einflüsse reagieren.

Eine Sparmöglichkeit für Autofahrer gebe es aber trotzdem: Die Versicherungsbeiträge werden anhand der Laufleistung berechnet. Wer in diesem Jahr wegen der Corona-Einschränkungen deutlich weniger gefahren ist als üblich, sollte das am Jahresende dem Versicherer melden.

Mit Material von AFP und dpa

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 26. August 2020 | 11:45 Uhr

Aktuelle Themen von MDR JUMP