Viele Autoversicherungen könnten teurer werden

02.09.2019 | 15:33 Uhr

Autofahrer in vielen Regionen in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen werden im kommenden Jahr höher eingestuft. Bei der Kfz-Haftpflicht und oft auch bei der Kaskoversicherung. Das könnte die Policen etwas teurer machen. Versicherungsexperten raten aber, in Ruhe abzuwarten – auf das Schreiben vom Autoversicherer vom Jahresende.

Zwei Autos sind an einer Kreuzung zusammengestoßen.
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Diese Meldung sorgt jedes Jahr im Sommer für etwas Aufregung unter Autofahrern: Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) gibt bekannt, wie er Autofahrer in den mehr als 400 Zulassungsbezirken einstuft. Dafür sieht sich der GDV vereinfacht gesagt an, wie viel Schäden oder Diebstähle es in einer bestimmten Region gibt. Ein Beispiel: In der Region Bautzen werden vergleichsweise viele Autos gestohlen. Dann stuft der GDV diese Region bei der Kaskoversicherung im Jahr darauf höher ein. Noch ein Beispiel: Im Ilmkreis verursachen Autofahrer überdurchschnittlich viele Unfälle. Dann wird dieser Zulassungsbezirk bei der Kfz-Haftpflicht höher eingestuft.

Hier werden Autofahrer bei der Haftpflicht anders eingestuft als bisher

In Sachsen-Anhalt werden bei der Haftpflichtversicherung Anhalt-Bitterfeld, Wittenberg und der Saalekreis höher eingestuft. In Thüringen geht es für Unstrut-Hainichen-Kreis, für Erfurt, Suhl, den Ilm-Kreis, den Saale-Holzland-Kreis und Sonneberg nach oben. In Sachsen steigen die Regionalklassen in keinem Zulassungsbezirk. Meißen (Sachsen) und Salzland (Sachsen-Anhalt) werden eine Klasse niedriger eingestuft. Alle Änderungen übersichtlich auf der Karte vom GDV.

Hier werden Autofahrer bei der Kasko anders eingestuft als bisher

Symbolfoto: Ein junger Mann steht telefonierend vor einem demolierten PKW.
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Der GDV stuft in Sachsen Meißen und Zwickau bei der Teilkasko niedriger als bisher ein, bei der Vollkasko Mittelsachsen. In Thüringen gehen für Eichsfeld, Eisenach, Saalfeld-Rudolstadt und das Altenburger Land die Teilkasko-Einstufungen nach oben. Bei der Vollkasko geht es für das Eichsfeld, Saalfeld-Rudolstadt, den Saale-Holzland-Kreis bei den Regionalklassen eine Stufe hoch. In Sachsen-Anhalt ändert sich beim Burgenland und für Halle/Saale die Vollkasko-Einstufung nach oben. Alle Änderungen übersichtlich auf der Karte vom GDV.

Nicht automatisch teurer

Eine höhere Einstufung bei der Regionalklasse für 2020 lasse aber nicht automatisch die Prämien für Haftpflicht und Kaskoversicherungen steigen, betont der GDV. Auch wenn sich die Versicherungen daran orientieren. Kathrin Jarosch vom GDV sagte MDR JUMP:

Kathrin Jarosch, Gesamtverband der Versicherungswirtschaft
Bildrechte: Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft

Die Regionalklasse ist immer nur ein Merkmal von vielen. Da spielt zum Beispiel noch eine Rolle, wie ist die Schadensbilanz von meinem Autotyp. Und dazu kommen noch Kriterien wie beispielsweise meine Kilometerleistung, mein Alter und alles das zusammen bestimmt die Höhe meiner Prämie.

Wenn sich nur eine Komponente wie etwa die Regionalklasse ändere, lasse das den Beitrag nicht automatisch steigen oder sinken. Toralf Richter vom Vergleichsportal Verivox sieht das ähnlich. Eine höhere Regionalklasse treibe nicht automatisch die Prämien nach oben. Autofahrer sollte sich das nächste Schreiben vom Versicherer aber schon genau ansehen:

Wenn sich die Regional-Klasse verändert, wird sich wohl auch der Kfz Beitrag leicht verändern. Der kann nach oben gehen, aber eben auch mal nach unten – bei wenigen Schäden in der Region.

Allerdings sinke oder steige die Regionalklasse immer nur um eine Stufe und das habe keine massiven Auswirkungen. Bei einer Steigerung bei der Haftpflicht könnte der Unterschied rund zehn Euro ausmachen. Werde noch die Vollkasko angepasst, könnte der Prämienpreis um maximal 20 bis 30 Euro schwanken. So große Auswirkungen hat die Einstufung vom GDV für Autofahrer also nicht.

Ruhig abwarten

Wer jetzt von einer höheren Einstufung für seine Region liest, muss erstmal gar nichts machen. Die nächste Post vom Autoversicherer kommt bei den meisten Autofahrer in den letzten Monaten des Jahres. Kathrin Jarosch (GDV) sagte MDR JUMP:

Das ist in der Regel tatsächlich zum Jahresende. Wenn es darum geht, den Vertrag zu verlängern oder einen neuen abzuschließen.

In den Schreiben steht dann auch schwarz auf weiß drin, ob der Versicherer die Prämien – mit Blick auf die höhere Regionalklasse - erhöht hat oder eben nicht. Das ist dann gleichzeitig auch der beste Zeitpunkt, um sich einen günstigeren Anbieter zu suchen, sagte Toralf Richter von Verivox:

Toralf Richter vom Vergleichsportal Verivox
Bildrechte: Verivox

Die meisten Kfz-Versicherungen lassen sich ja zum Jahreswechseln kündigen und die Kündigung läuft bis zum 30. November ab. In der zweiten Oktoberhälfte und im November machen die Versicherer also viele Geschäfte. Und wir sehen regelmäßig, dass in diesem Zeitraum auch die Preise im Schnitt um fünf Prozent sinken im Jahresvergleich.

Weil viele Autofahrer in diesem Zeitraum wechseln, versuchen offenbar auch viele Versicherer mit günstigen Angeboten Kunden zu gewinnen.

Ins Kleingedruckte schauen

Einige Autoversicherer versuchen laut Verivox aber, mit ihren Verträgen vom üblichen Wechseltermin wegzukommen. Dann beginnt das Versicherungsjahr zum Beispiel an dem Tag, an dem das Fahrzeug angemeldet wurde. Die Kündigungszeiträume verändern sich also entsprechend. Bei Preiserhöhungen gebe es aber sowieso ein Sonderkündigungsrecht, sagte Toralf Richter:

Da hat man dann noch einmal vier Wochen Zeit zum Kündigen nach Erhalt der Rechnung.

Verbraucherschützer raten dazu, im neuen Vertrag sehr genau das Kleingedruckte zu lesen. So würden inzwischen manche Anbieter nach einem Unfall oder Schaden Autofahrer sehr stark zurückstufen. Dann gehen die eigentlich günstigen Prämien sehr schnell nach oben.

Dieses Thema im Programm Die MDR JUMP Feierabendshow | 03. September 2019 | 18:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 02. September 2019, 15:33 Uhr

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