Für wen lohnt sich ein Auto-Abo?

Ein Abo – das haben viele von uns für einen Streamingdienst, die Lokalzeitung oder den Mobilfunkvertrag. Und womöglich auch bald für ein Auto. Mittlerweile gibt es eine Vielzahl entsprechender Angebote. Wir haben sie uns angesehen.

Ein Mann und einr Verkäuferin geben sich im Autohaus die Hand
Bildrechte: imago images / Panthermedia / NomadSoul

Auf Deutschlands Straßen fahren so viele Autos wie noch nie. Mehr als 47,7 Millionen Fahrzeuge waren laut Statistik zu Jahresbeginn angemeldet. Ein Rekordwert. Gleichzeitig fragen sich immer mehr Menschen, ob sie eigentlich wirklich ein eigenes Fahrzeug brauchen. Das macht einem vielleicht ein gutes Gefühl, ist vielleicht auch ganz praktisch – aber wenn man ehrlich ist, steht es eben auch einen guten Teil der Zeit sinnlos in der Gegend rum. Und es ist teuer. Auch deswegen boomen Carsharing-Anbieter seit Jahren. Rund 2,3 Millionen Menschen hierzulande sind bei entsprechenden Firmen registriert.

Seit einiger Zeit gibt es aber noch etwas anderes. Es geht um ein Angebot, dem Automobilexperten wie Ferdinand Dudenhöffer ein „enormes Potenzial“ zutrauen. Es geht um sogenannte Auto-Abos. Man hat, ganz klassisch, einen Wagen vor der Tür stehen. Aber man kauft den nicht mehr, sondern man zahlt jeden Monat einen Festbetrag - und in dem sind dann alle wichtigen Kosten enthalten, wie unter anderem Versicherung, Steuern, Werkstatt, Reifenwechsel und Hauptuntersuchung.

Die Anbieter solcher Rund-um-sorglos-Pakete heißen zum Beispiel Cluno, Like 2 Drive, Kinto oder Finn.auto. In manchen Fällen stecken Autohersteller dahinter, die auf diese Weise neue Kundenkreise finden wollen. Bei Kinto ist das zum Beispiel Toyota. Seit dieser Woche ist sogar Porsche ins Abo-Geschäft eingestiegen. In anderen Fällen sind es konzernunabhängige Angebote, die eigene Fuhrparks aufgebaut haben. Vive-la-car ist so ein Fall. Auch Mietwagen-Anbieter wie Sixt oder Europcar bieten inzwischen Autoabos an.

Einen Porsche kann sich nicht jeder leisten

Beim Anbieter Carship bekommt man einen Kleinwagen VW Up für 229 Euro monatlich. Die Konkurrenz von Cluno bietet einen Opel Corsa Edition für 268 Euro im Monat an und bei Kinto zahlt man für einen Toyota Aygo etwa 270 Euro. Das sind jetzt alles extrem kleine Autos, klar. Wer es etwas größer haben möchte, muss entsprechend tiefer in die Tasche greifen. Ein VW Passat Variant kostet bei Abo-a-car von Volkswagen dann schon stolze 829 Euro – und da muss man sich dann sogar schon für ein ganzes Jahr binden. Und wer zum Beispiel bei like2drive ein Tesla Model 3 Standard Range Plus abonnieren möchte, zahlt 1100 Euro pro Monat. 

Wichtig: Der Sprit oder – bei E-Autos – der Strom kosten immer extra. Eine Ausnahme ist Conquar von Seat, wo es eine Tankkostenflatrate zumindest für Erdgasautos gibt. 

Die jeweiligen Vertragslaufzeiten bestimmen den Monatspreis. Es gilt – wie so oft - die Faustregel: Je kürzer das Abo, desto teurer das Auto. Zur Illustration mal ein Beispiel des Anbieters Sorglos günstig fahren: Da kostet ein Opel Corsa Elektro 393 Euro im Monat, wenn der Vertrag 12 Monate läuft. Bei einer Laufzeit von drei Monaten klettert der Monatspreis auf 440 Euro. 

Trotzdem ist das der große Unterschied eines Auto-Abos zu Leasing-Angeboten, wie es sie ja schon seit langem gibt: Hier reden wir von Monaten, beim Leasing normalerweise von Jahren.

Ehrlich rechnen ist wichtig – sonst kommt am Ende die böse Überraschung

Neben der Vertragslaufzeit gibt es noch eine ganze Reihe von Punkten zu beachten: Bei jedem Vertragsabschluss wird eine bestimmte Anzahl an Inklusiv-Kilometern festgelegt. Wenn man die überschreitet wird es hinterher richtig teuer. Also besser ehrlich zu sich selbst sein, was die eigene Fahrleistung angeht. Bei Versicherungen gibt es normalerweise immer eine Selbstbeteiligung. Im Schadensfall sind also eben doch nicht alle Kosten mit dem Abo abgedeckt. Noch problematischer wird es, wenn der Anbieter am Ende des Vertrags Beschädigungen oder Verschmutzungen am Wagen findet. Denn die zu beseitigen, lassen sich die Firmen auch nochmal gut bezahlen.

Viele Anbieter verlangen eine Startgebühr. Bei Allinonecars liegt die zum Beispiel bei 99 Euro. Manche Firmen verzichten allerdings auch darauf, etwa like2drive oder Faaren.de. Wichtig ist auch, dass man sich bei dem jeweiligen Anbieter anschaut, wer eigentlich mit dem Auto fahren darf: Nur der Vertragspartner? Oder auch andere nahestehende Personen? Und gibt es ein Mindestalter für die Fahrer?

Bisherige Nutzer zeigen sich sehr zufrieden

Automobilexperte Dudenhöffer prognostiziert dem Auto-Abo in jedem Fall eine große Zukunft. Das liege auch daran, dass die bisherigen Nutzer der Angebote so positiv gestimmt sind. Neun von zehn der Auto-Abo-Nutzer seien zufrieden oder sehr zufrieden und wollten beim Abo bleiben, fasst er das Ergebnis einer Befragung zusammen. Auch beim Automobilclub ADAC heißt es, man habe „noch keine negativen Rückmeldungen“ zu Auto-Abos bekommen.

Dudenhöffer schätzt, dass es bis zum Jahr 2030 in Deutschland mindestens 500.000 Auto-Abos geben wird. Das heißt allerdings auch: Die Mehrzahl von uns wird das Auto auch in Zukunft kaufen, neu oder gebraucht. Aber ein paar werden ihr Auto in Zukunft eben im Abo haben wie heute den Streamingdienst, die Lokalzeitung oder den Mobilfunkvertrag.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP am Wochenende | 05. September 2020 | 12:40 Uhr

Aktuelle Themen von MDR JUMP