Kraftklub haben bereits mit einem Auftritt am 1. Mai in Chemnitz gegen Anhänger einer rechtsextremen Partei protestiert
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Chemnitz bekommt Starkonzert am "Kopp"

30.08.2018 | 10:47 Uhr

Neben den Toten Hosen, Kraftklub und Materia haben viele andere Musikstars einen Auftritt am Karl-Marx-Kopf zugesagt. Sie wollen sich am Montagnachmittag in der Innenstadt für Menschenfreundlichkeit und gegen Hass einsetzen.

Kraftklub haben bereits mit einem Auftritt am 1. Mai in Chemnitz gegen Anhänger einer rechtsextremen Partei protestiert
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Auch die Künstler K.I.Z., Casper, Trettmann und Feine Sahne Fischfilet werden am Montag ab 17.00 Uhr am "Nischel" auftreten. Die Musiker haben das im Internet unter dem Hashtag #wirsindmehr angekündigt. Unter dieser Überschrift wird in den sozialen Netzwerken zur Teilnahme aufgerufen. Auf der so benannten Facebook-Gruppe haben mehr als zehntausend Menschen angegeben, am Montag nach Chemnitz kommen zu wollen.

Am Kopp

Karl-Marx-Denkmal in Chemnitz
Karl-Marx-Denkmal in Chemnitz Bildrechte: IMAGO

Ihr Auftritt soll eine Reaktion auf die auf rechten Proteste am Karl-Marx-Denkmal und in der Innenstadt sein, schreiben die Künstler in einem gemeinsamen Statement. Angeschoben hat die Konzert unter dem Label „Wir sind mehr“ die Band Kraftklub. Offizieller Veranstalter ist das Stadtmarketing von Chemnitz. Das Unternehmen hat sich bisher schon um die Veranstaltungsreiche „Am Kopp“ gekümmert. Die hat schon in den letzten Jahren mit kostenlosen Auftritten von Künstlern am markanten Denkmal für die Stadt geworben. Seit 2014 sind dort Künstler wie beispielsweise Bilderbuch oder MC Fitti aufgetreten. Laut Stadtmarketing läuft das Konzert vom Montag aber nicht unter dem "Am Kopp"-Label.

Ministerpräsident in Chemnitz

Heute Abend besucht Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer die Stadt. Begleitet wird er dabei von der Chemnitzer Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig. Auf dem Programm steht am Abend um 19.00 Uhr das sogenannte Sachsengespräch im Stadion der Stadt. Dabei will sich Kretschmer den Fragen der Chemnitzer Bürger stellen und dabei auch über die Ausschreitungen sprechen. Fast zeitgleich zu dieser Veranstaltung hat die rechte Wählervereinigung "Pro Chemnitz" zu einer Demonstration am Stadion aufgerufen. Rund 1.000 Teilnehmer werden erwartet. Die Chemnitzer Polizei wird dabei von Einsatzkräften der sächsischen Bereitschaftspolizei sowie aus Bayern, Berlin, Hessen, Sachsen-Anhalt, Thüringen und der Bundespolizei unterstützt. Für das Wochenende haben die AfD und Pegida eine Demonstration angekündigt.

Viele Proteste in Chemnitz geplant

Für die kommenden Tage haben Bürger der Stadt, die Kirche und Gruppen aus verschiedenen politischen Lagern zu Demonstrationen und Kundgebungen aufgerufen. Die AfD und das Pegida-Bündnis wollen nach dem Tod des 35-jährigen am Samstag einen Schweigemarsch in der Stadt abhalten. Ebenfalls am Samstag wollen Friedensgruppen in der Innenstadt demonstrieren. Für  Sonntag ist eine Kundgebung unter dem Motto "Chemnitzer Bürger setzen ein demokratisches Zeichen gegen Gewalt und Fremdenhass" angekündigt. Danach plant die Evangelisch-Lutherischen Kirche Chemnitz eine Kundgebung.

Angemeldete Demonstrationen und Kundgebungen in Chemnitz/Stand 30.8.2018 12:00 Uhr
Wann? Wer? Wie viele?
     
Donnerstag, 30. August 2018 Pro Chemnitz 1.000 Teilnehmer
Sonnabend, 1. September 2018 Friedensgruppen Chemnitz 100 Teilnehmer
  Pro Chemnitz 1.000 Teilnehmer
  AfD-Kreisverband 500 bis 1.000 Teilnehmer
  Einzelkundgebungen 1.000 Teilnehmer
Sonntag, 2. September 2018 Einzelperson 500 Teilnehmer
  Evangelisch-Lutherische Kirche keine Angaben

Polizei und Landeskriminalamt ermitteln gemeinsam

Demonstranten der rechten Szene gestikulieren und drohen den Gegendemonstranten Gewalt an.
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Die Polizeidirektion Chemnitz und das Landeskriminalamt haben nach dem Tod des 35-Jährigen und den anschließenden Ausschreitungen eine gemeinsame Ermittlungsgruppe gebildet. Die habe ihren Sitz in Chemnitz, teilte das LKA am Mittwoch mit. "Während zum Tötungsdelikt bereits zwei Haftbefehle vollstreckt wurden, werden zu den Ausschreitungen die bislang bekanntgewordenen Sachverhalte und Hinweise sowie vorliegenden Beweismittel ausgewertet und bewertet - mit dem Ziel, alle Straftäter schnell zu überführen", heißt es in der Mitteilung weiter. Die Ermittler bitten die Bevölkerung um Mithilfe und haben dafür ein Hinweisportal eingerichtet. Dort können relevante Bild- und Videoaufnahmen hochgeladen werden.

Telefonische Hinweise werden unter 0800 -  855 2055 entgegen genommen. Die Staatsanwaltschaft Chemnitz hat am Mittwoch bekannt gegeben, einer der beiden Tatverdächtigen sei mehrfach vorbestraft. Sie sollte aber nicht bekannt geben, um welchen der beiden Männer es sich handelt. Der Mann stehe unter Bewährung, hieß es. Gegen beide Männer war am Montag Haftbefehl wegen gemeinschaftlichen Totschlags ergangen.

Das passierte in Chemnitz seit dem Wochenende In der Nacht zum Sonntag ist ein 35 Jahre alter Deutscher am Rand des Chemnitzer Stadtfestes mit Messerstichen getötet worden. Zwei weitere Männer wurden schwer verletzt. Als tatverdächtig gelten ein 22 Jahre alter Iraker und ein 23 Jahre alter Syrer. Beide befinden sich seit Montag in Untersuchungshaft.

Am Sonntagnachmittag gab es spontane Proteste, zu denen rechte Gruppen aufgerufen hatten. Die Initiatoren begründeten ihre Aufrufe unter anderem mit dem Gerücht, Grund für den tödlichen Streit sei der Schutz einer Frau vor Übergriffen durch Ausländer gewesen. Bei den Protesten kam es zu Ausschreitungen. Am Montag veranstaltete die rechte Initiative "Pro Chemnitz" eine weitere Kundgebung. Dazu reisten nach Erkenntnissen des Landesamtes für Verfassungsschutz Hooligans und Rechtsextremisten aus ganz Deutschland an. Linke und andere Gruppen initiierten einen Gegenprotest. Bei Ausschreitungen wurden während der Veranstaltungen auf beiden Seiten je neun Teilnehmer sowie zwei Polizisten verletzt.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP am Abend | 30. August 2018 | 19:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 30. August 2018, 14:50 Uhr

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