Aufhebung der Impfpriorisierung: So geht es jetzt weiter

Die Impfpriorisierung in Deutschland ist nun vollständig aufgehoben. Wie realistisch sind die Chancen, jetzt einen Termin zu ergattern? Und gibt es überhaupt genügend Impfstoff?

Eine fertige Injektionsspritze mit dem Wirkstoffkonzentrat von Johnson & Johnson wird von Medizin-Student Kai Hefele aufgezogen.
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Ab Montag, den 07. Juni sind Impfwillige in Deutschland nicht mehr an die Impfpriorisierung gebunden. Bund und Länder haben vereinbart, dass die Priorisierung in Arztpraxen bundesweit wegfällt. In der Theorie soll sich nun jeder ab 12 Jahren gegen das Coronavirus impfen lassen können. So sieht es auch in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen aus. Einige Bundesländer wie Schleswig-Holstein, Hamburg und Bayern halten dennoch an der Impfreihenfolge fest, denn:

Den Ländern ist es aber unbenommen, die Priorisierung in den Impfzentren im Rahmen der ihnen zugewiesenen Impfstoffdosen aufrechtzuerhalten.

So heißt es auf der Seite des Bundesministeriums für Gesundheit. Und die Menge der zugewiesenen Impfstoffdosen ist immer noch knapp.

Geduld ist gefragt

Wer jetzt hofft, sofort an einen Termin zu kommen, wird wohl enttäuscht.

Denn letztlich ist der Impfstoff noch immer zu knapp für die hohe Nachfrage und wird auch weiterhin zu unzuverlässig geliefert.

sagte Ulrich Weigeldt, Vorsitzender des Deutschen Hausärzteverbandes, den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Viele Arztpraxen bekommen weiterhin gerade einmal 20 Impfdosen pro Woche. Der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städte- und Gemeindebunds, Gerd Landsberg legt nach:

Menschen warten vor dem Impfzentrum des Landkreis Harz.
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Enttäuschung und Frust sind dabei vorprogrammiert, da nicht sofort ausreichend Impfstoff zur Verfügung steht.

Und die werden sich noch bis zum Ende des Sommers ziehen, wie auch das Bundesministerium für Gesundheit mitteilt:

Bitte beachten Sie dabei, dass nicht alle impfwilligen Personen schon im Juni geimpft werden können - dies hat mit den Liefermengen der Impfstoffe zu tun. Der Impfstoff ist immer noch begrenzt. Die Impfkampagne wird daher weiterhin wie geplant bis zum Ende des Sommers laufen.

Die Arztpraxen sind zu einem großen Teil überfordert und das, obwohl sie ihr Bestes getan haben, um sich auf den Ansturm vorzubereiten. Arzthelferin Melanie Marx Duskoli sagt:

Die Leute möchten und die Leute fordern. (...) Wir haben auch schon ein unmoralisches Angebot gehabt, sprich: Wenn ich einen Termin kriege, dann könnt Ihr soundso viel Geld haben.

Auch Beschimpfungen und Drohungen seien an der Tagesordnung. Deshalb sind alle Impfwilligen dazu angehalten Ruhe zu bewahren und geduldig zu bleiben. Die Bürger sind gefragt, nicht alle auf einmal und sofort in den Praxen anzurufen.

Betriebsärzte impfen mit

Auch Betriebsärzte dürfen nun Corona-Impfungen vornehmen. Doch auch hier das bekannte Problem: Der Impfstoff fehlt. Der Verband Deutscher Betriebs- und Werksärzte empfiehlt den Betriebsärzten, zuerst Mitarbeiter mit einem höheren Infektionsrisiko zu impfen. Dazu zählen zum Beispiel Angestellte, die viel Kundenkontakt haben oder eng zusammenarbeiten. Wolfgang Panter, Präsident des Vereins rät dabei, die möglichen Nebenwirkungen nicht zu vergessen:

Vor allem in Arbeitsbereichen, die Auswirkungen auf das ganze Unternehmen haben, also zum Beispiel der Leitstand in einem Kraftwerk, sollte man besser nicht alle Mitarbeiter gleichzeitig impfen.

Laut Bundesgesundheitsminister Jens Spahn erhalten Betriebsärzte in der ersten Woche mehr als 700.000 Impfdosen des Herstellers BioNTech/Pfizer. Wie es danach weitergeht, steht noch nicht fest.

Wie viele Menschen sind bereits geimpft?

Mehr als 45 Prozent der Bevölkerung haben mindestens eine Impfdosis erhalten. In Sachsen sind rund 24 Prozent der Bevölkerung des Landes vollständig geimpft. In Sachsen-Anhalt und Thüringen sind es etwas weniger Menschen. Dort haben erst rund 22 Prozent beide Dosen erhalten.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP Nachrichten | 07. Juni 2021 | 06:00 Uhr

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