Atemwegserkrankungen bei Kindern häufen sich – woran liegt das?

Masken und Sichrheitsabstand haben uns während des Lockdowns nicht nur vor einer Infektion mit Corona, sondern auch anderen Krankheiten geschützt. Nach den Lockerungen gibt es aber nun immer mehr Kleinkinder mit Atemwegserkrankungen. Woran das liegt und, wie Kinder geschützt werden können, erfahrt ihr hier.

Mädchen liegt im Bett und wird von Mutter gestreichelt
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Husten, Fieber und Atemnot: Normalerweise breitet sich das sogenannte Respiratorische Synzytial-Virus (kurz RSV) im Winter aus. Doch seitdem die Corona-Schutzmaßnahmen weiter gelockert wurden, gibt es auch im Sommer vermehrt Fälle – besonders bei Kleinkindern.

Das liegt vor allem an der fehlenden Grundimmunität: Durch das Tragen von Masken und das Einhalten des Sicherheitsabstandes sind viele Infektionswellen abgeflacht oder ganz ausgeblieben. Durch die Maßnahmen gab es zum Beispiel deutlich weniger Grippe- und Norovirus-Infektionen.

Vor allem Kinder unter zwei Jahren betroffen

Laut dem Vorsitzenden der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI), Dr. Tobias Tenenbaum, betreffen die Symptome des RS-Virus vor allem Kleinkinder unter zwei Jahren. Er erklärte gegenüber dem MDR, dass RSV ein Keim sei, den man eigentlich nicht bekommen wolle.

Das sind Kinder, die dann mit Fieber, vermehrtem Husten oder auch verstärkter Atemnot in die Klinik kommen. Und wenn die dann relativ krank sind, müssen sie stationär aufgenommen werden und benötigen teils eben auch Sauerstoff.

Wichtig bei einer Infektion sei Abstand zu besonders gefährdeten Kindern zu halten, so Tobias Maske, Bundespressesprecher des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte in Deutschland gegenüber dem Tagesspiegel. Vor allem für Frühgeborene und Säuglinge mit Vorerkrankungen könnten die RS-Viren gefährlich werden.

Durch eine Infektion mit dem RS-Virus hätten die Patienten außerdem ein höheres Risiko, wiederholt an Atemwegsinfektionen durch andere Erreger zu erkranken oder Asthma zu entwickeln, so Tenenbaum.

Was können Eltern zur Vorbeugung tun?

Eine gänzliche Vermeidung von RSV-Infektionen im Alltag ist laut dem RKI schwierig. Die üblichen Hygienemaßnahmen, wie regelmäßiges Händewaschen oder Reinigung von Spielzeug, könnten die Ausbreitung des Virus aber minimieren.

Bis zum zweiten Lebensjahr können Kleinkinder außerdem mit einer RSV-Prophylaxe vorbeugend geschützt werden. Bisher wurde das Spritzen der Antikörper zwar nur im Winter empfohlen – aufgrund der aktuell steigenden Infektionszahlen diskutiere die DGPI aber derzeit, ob die Empfehlung auch auf die Sommermonate ausgeweitet werde, so Tenenbaum.

Lage insgesamt noch entspannt

Insgesamt sei die Lage aber noch entspannt, erklärt Maske. In seiner Berliner Praxis habe er zwar einen Anstieg an Erkältungskrankheiten bemerkt, die seien aber in der Regel eher positiv für das Immunsystem. Ähnlich sieht das auch Ingeborg Krägeloh-Mann, Vizepräsidentin der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin und Expertin für Kinderheilkunde an der Universität Tübingen.

Dass bestimmte Virusinfektionen im Nachklang auftauchen, wenn man aus dem Lockdown aufwachen darf, ist natürlich logisch – ist aber eine nachgeholte Geschichte, die wahrscheinlich sogar weniger schlimm ausfällt.

In Frankreich, der Schweiz und den Niederlanden lägen die RSV-Fallzahlen noch höher als in Deutschland, so Krägeloh-Mann. Die Atemwegserkrankungen in unserem Land – und außerhalb der Grenzen – werden also weiterhin aufmerksam beobachtet.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP Feierabendshow | 05. August 2021 | 15:15 Uhr

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