Ein Transportraumschiff der Chinesen, dass für die Versorgung der Raumstation Tiangong 1 benutzt wurde.
Bildrechte: IMAGO

Chinesische Weltraumstation Trümmer von Tiangong 1 könnten Europa treffen

Im März wird eine chinesische Raumstation auf die Erde stürzen, die schon seit fast zwei Jahren unkontrolliert durchs All taumelt. Trümmerteile könnten auch in Südeuropa aufschlagen. Die Route von Tiangong 1 kann live im Internet verfolgt werden.

Ein Transportraumschiff der Chinesen, dass für die Versorgung der Raumstation Tiangong 1 benutzt wurde.
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Sie ist etwa neun Tonnen schwer und seit 2011 im All: Die Weltraumstation Tiangong 1 (deutsch: Himmelspalast) sollte die Fortschritte Chinas bei der Raumfahrt zeigen. Sie wollten beweisen, dass sie Raumschiffe in der Umlaufbahn automatisch andocken lassen können. Zweimal besuchten je drei Astronauten Tiangong 1. Im März 2016 riss der Funkkontakt der chinesischen Weltraumbehörde zu der Station ab, die seitdem in etwa 300 Kilometer Höhe über der Erde kreist. Dr. Olaf Kretzer, Leiter der Sternwarte Suhl und Professor an der Hochschule Schmalkalden, sagte MDR JUMP:

China wollte die Raumstation gezielt abstürzen lassen, hat aber den richtigen Augenblick verpasst. Die Raumstation war drei Jahre ohne Besuch. Das ist wie bei normalen technischen Geräten. Es gibt eine Störung und dann kann es passieren, dass man den Kontakt verliert.

Die aufgegebene Raumstation gehört damit zu den mehr als 150.000 Objekten, die derzeit um unseren Planeten kreisen.

Trümmer könnten Südeuropa treffen

Im März wird die Reibung der Erdatmosphäre wahrscheinlich so groß, dass der Himmelspalast endgültig abstürzt. Der größte Teil der Station wird dabei bei Temperaturen bis 1.700 Grad wahrscheinlich verglühen. Einige Trümmer könnten aber die Erde treffen und in Spanien, Portugal oder Griechenland aufschlagen. Das zeigen unter anderem Berechnungen der kalifornischen Aerospace Corporation. Raumfahrtexperte Kretzer sagt:

Bei größeren Objekten wie der Raumstation oder bei Teilen wie den Tanks, die besonders stabil gebaut wurden, da gibt es eine Wahrscheinlichkeit, dass ein paar Brocken auf die Erde fallen. Von der Raumstation könnten im ungünstigsten Fall maximal anderthalb bis zwei Tonnen runter kommen.

Wo genau die Trümmer landen, können selbst die Experten nicht genau eingrenzen. Schon kleine Veränderungen in der Atmosphäre verschieben die Landezone um mehrere tausend Kilometer. Deutschland liegt aber laut Olalf Kretzer definitiv außerhalb der Gefahrenzone. Auf einigen Internetseiten lässt sich der Weg der taumelnden Raumstation in Echtzeit verfolgen.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP am Abend | 12. Januar 2018 | 21:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 11. Januar 2018, 10:03 Uhr