Wir werden hier im Osten in den Betrieben der Zukunft arbeiten

Roboter und Menschen an einem gemeinsamen Arbeitsplatz. In vielen Fabriken unserer Region ist das schon heute der Fall. Und findige Forscher tüfteln schon an den nächsten Stufen der Zusammenarbeit.

WANDELBOTS will aus Dresden heraus die Robotik revolutionieren und demokratisieren.
WANDELBOTS will aus Dresden heraus die Robotik revolutionieren und demokratisieren. Bildrechte: MDR

Michael Tschirchs neuer Mitarbeiter war vielleicht ein bisschen still, aber er war flott. Der Bäckermeister aus Ober-Neundorf bei Görlitz hat in seiner Backstube kürzlich einen sogenannten Cobot, einen kollaborierenden Roboter, des Dresdner Startups Wandelbots ausprobiert. Dessen Aufgabe: Teiglinge für Brötchen von der Arbeitsfläche auf ein Backblech umsetzen. Das ist ein ziemlich monotoner Job, aber einer muss ihn halt machen.

Der Roboter kam auf 2000 bis 3000 Teiglinge pro Schicht. Wandelbots wirbt damit, dass die Geräte der Firma nicht nur ohne Probleme mit menschlichen Kollegen zusammenarbeiten können – sie sind auch leicht zu programmieren. Dafür muss man eine Sensorjacke tragen und der Maschine die zu erledigende Aufgabe vormachen. Seit neuestem kann man stattdessen auch einen speziellen Stift nutzen. Vorführen statt Programmieren, die Idee bleibt gleich.

5G aus dem Container

Bei Bäcker Tschirch wurde der Roboter nach dem Ende des Testlaufs erst einmal noch nicht dauerhaftes Teammitglied. „Mit meinen sechs Geschäften fühle ich mich noch als typischer Handwerksbetrieb. Alles ist überschaubar und jeder kennt jeden. Ich kann mir nicht vorstellen, einen meiner Mitarbeiter durch solch einen Greifarm zu ersetzen“, lautete die Bilanz des Meisters.

Dafür interessieren sich zahlreiche Industrieunternehmen für die Roboter. So nutzt etwa Siemens die Technik aus Dresden an seinem Standort Chemnitz in einer Fertigung zur Produktion von individualisierten Schaltschränken. Auch Volkwagen, BMW und Infineon setzen die Wandelbots-Technologie ein.

Und das junge Dresdner Unternehmen Campus Genius will dafür sorgen, dass es bald auch noch mehr werden. Die Firma bietet Sende-Stationen für den neuen Mobilfunkstandard 5G an. Sie kommen in Form eines Containers daher und ermöglichen es, ganz einfach sogenannte Campus-Netze aufzuspannen. Die sind vom öffentlichen Mobilfunk abgeschottet und sollen helfen, dem Einsatz kollaborativer Roboter einen echten Schub zu verleihen.

Kollege Roboter

Mit Robotern befasst sich auch das Unternehmen IP Industrie Partner Coswig, das einen Roboter als Abhilfe zum drohenden Fachkräftemangel entwickelt hat. Der Robo Operator kann die Bedienung unterschiedlichster CNC-Werkzeugmaschinen übernehmen, wenn diese sonst wegen fehlender Mitarbeiter – etwa durch Urlaub oder Krankheit – stillstehen würden. Oder wenn das Unternehmen gerade einen kurzfristigen Großauftrag abarbeiten muss.

Eine Fabrikhalle mit Maschinen und Industrierobotern von oben.
Überblick über die E³-Forschungsfabrik Bildrechte: MDR/Kristin Kielon

In unserer Region wird nicht nur in den Fabriken der Zukunft gearbeitet: in den hochmodernen Automobilwerken und Zulieferbetrieben, etwa in Leipzig, Zwickau, Dresden, Chemnitz oder bald auch Halle oder den gerade entstehenden Batteriefertigungen in Erfurt und Bitterfeld-Wolfen. Es wird auch daran geforscht.

Die Maschine macht die Arbeit, der Mensch löst die Probleme – das ist zum Beispiel die Maxime in der Forschungsfabrik des Fraunhofer-Instituts für Werkzeugmaschinen und Umformtechnik in Chemnitz. Die dort entwickelten Technologien sollen dafür sorgen, dass Energie und Ressourcen gespart werden.

Institut wird erweitert

In Magdeburg erweitert das Fraunhofer-Institut für Fabrikbetrieb und -automatisierung unter seiner neuen Chefin Julia Arlinghaus seinen Standort.  Am Standort gibt es unter anderem mit dem „Elbedome“ bereits Europas größtes Labor für 3D-Mixed-Reality. Im Wissenschaftshafen entsteht nun noch ein Zentrum für kognitive, adaptive Arbeitssysteme.

„Die Corona-Krise hat deutlich vor Augen geführt, wie verwundbar unsere Wirtschaft in vielen Bereichen ist. In unserer neuen ‚Elbfabrik‘ wollen wir vor allem an Technologien arbeiten, mit denen Unternehmen künftig robuster und widerstandsfähiger gegenüber Störungen und Krisen sein können“, so Arlinghaus. Die neue Forschungs- und Demonstrationsfabrik soll nach ihrer Fertigstellung im Herbst kommenden Jahres den gesamten Produktionszyklus abbilden - von der digitalen Entwicklung, über die Produktion und die Instandhaltung bis zum nachhaltigen Energiemanagement.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP - Die Themen des Tages | 16. November 2020 | 19:40 Uhr

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