Eine Ampel mit der Silhouette von Martin Luther in Worms als Teil einer Kunstaktion 2017
Bildrechte: Imago/Kristina Schäfer

Die Ampel wird 150 Jahre alt

10.12.2018 | 09:40 Uhr

Die erste Ampel der Welt war eine kluge Idee und ein Fehlschlag: Sie sollte vor den Londoner "Houses of Parliament" Fußgänger sicher über die Straße bringen. Doch die gasbetriebene Ampel explodierte schon nach drei Wochen und wurde nicht wieder aufgestellt.

Eine Ampel mit der Silhouette von Martin Luther in Worms als Teil einer Kunstaktion 2017
Bildrechte: Imago/Kristina Schäfer

Die erste Ampel der Welt sollte ein gefährliches Problem lösen: In London drohte der Verkehrskollaps. Pferdeomnibusse, Droschken und Fußgänger sorgten in den engen Straßen für ein Verkehrschaos. Mehr als hundert Menschen starben etwa 1866 allein im Zentrum von London. Der Eisenbahn-Chef John Peake Knight hatte die Idee, die Zeichen aus dem Zugverkehr auf die Straße zu übertragen.

Mit Zeige-Elementen

Die erste Ampel der Welt wurde am 10. Dezember 1868 aufgestellt. Sie war acht Meter hoch, aus Eisen und völlig anders als die heutigen Verkehrsregler mit rot, gelb und grün. Die Londoner Ampel ahmte einen Polizisten nach, der mit den Armen oder dem Stab den Verkehr regelt: Zeigten die Zeichen nach oben, mussten Reiter und Kutschen stoppen. Zeigten sie nach unten, durften Fußgänger gehen. Nachts leuchtete eine zusätzliche Laterne in den heute noch gängigen Farben rot und grün. Das Ganze wurde mit Gas betrieben und genau das war das Problem: Die Laterne explodierte drei Wochen nach Inbetriebnahme und verletzte einen Polizisten schwer.

Die Londoner mochten die Ampel nicht - ähnlich wie heute viele Autofahrer auch. Kutscher sahen sie als weitere Schikane an. Nach der Explosion wurde die Ampel nicht neu aufgebaut und es dauerte weitere fünfzig Jahre, bis eine neue Idee kam.

"Steht ein Deutscher nachts an der Fußgängerampel..."

Ampel-Skulptur in London
Bildrechte: Imago

In Deutschland verbringt jeder rein statistisch zwei Wochen seines Lebens mit Warten an der Ampel. Die Bundesrepublik soll weltweit auch die höchste Ampeldichte haben. Vielleicht erklärt das, warum wir bei anderen Nationen als die "braven Ampelwarter" gelten. Selbst nachts, ohne Autos auf der Straße, warten die Deutschen bei Rot an der Fußgängerampel.

Der grüne Pfeil an der Ampel

Als er in den Siebzigern in der DDR eingeführt wurde, waren in den Städten etwa drei Viertel der Menschen mit Bus, Bahn oder zu Fuß unterwegs. Damals sollte er eigentlich den Verkehrsfluss beschleunigen. Heute gibt es Diskussionen darüber, ob der grüne Pfeil abgeschafft wird.

ClipX | Die Arschlochampel
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In Halle/Saale in Sachsen-Anhalt steht die Ampel, die im deutschlandweiten Vergleich wahrscheinlich die meisten Autofahrer nervt. Die so genannte "Arschlochampel" sorgt auf der Stadt-Einwärts-Fahrt neben der Hochstraße für Dauerstau an einer vielbefahrenen und schwierigen Kreuzung. Ampel-Rot ist dort der Normalzustand. Ein sehr genervter Autofahrer hat ihre eine eigene Facebookseite gewidmet, die inzwischen mehr als 4.200 Fans hat.

Über "Deutschlands sinnloseste Ampel" berichtete 2015 das ARD-Satire-Magazin extra3. Die Ampel stand an einer Kreuzung in Dresden seit 28 Jahren auf Rot.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP Feierabendshow | 10. Dezember 2018 | 18:43 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 10. Dezember 2018, 09:40 Uhr

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