Aluminium-Deos sind nicht so gefährlich wie gedacht

Im Sommer wird viel geschwitzt. Was liegt da näher als der Griff zum Deo? Forscher haben da jetzt gute Nachrichten für uns.

Eine frau benutzt ein Deospray..
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Niemand stinkt gern. Und neben regelmäßigem Waschen – wichtig! – können Deos dabei helfen, dass der Körpergeruch einigermaßen frisch bleibt. Auch jetzt im Sommer. Beliebteste Deo-Form ist die Sprühdose, auf sie entfallen in Deutschland etwa zwei Drittel des Anti-Schweiß-Marktes. Im vergangenen Jahr wurden nicht weniger als 255 Millionen Dosen Deospray verkauft. Das entspricht einem Plus von 1,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Anti-Schweiß-Produkte verkaufen sich gut

Das Problem: In Deoprodukten – in der Fachsprache heißen sie Antitranspirantien - kommen normalerweise Aluminiumsalze zum Einsatz. Vor allem der Stoff Aluminiumchlorhydrat wird verwendet. Die Aufgabe ist es, die Poren der Schweißdrüsen unserer Haut zu blockieren und den Schweißfluss so zu hemmen - und damit auch die Geruchsbildung. „Bisher haben wir kein Mittel entdeckt, das diese Wirkung ohne Aluminium überzeugend schafft“, so das Fazit der Stiftung Warentest aus dem vergangenen Jahr.

Allerdings stand immer die Frage im Raum, wie viel des Aluminiums über die Haut aufgenommen wird. Denn im Körper kann zu viel Aluminium Schäden anrichten, unter anderem am Nervensystem, den Nieren und den Knochen. Auch über einen Zusammenhang mit Leiden wie Brustkrebs oder Alzheimer ist immer wieder diskutiert worden, auch wenn die Studienlage da Widersprüchlich ist. Insbesondere für junge Menschen gilt eine hohe Aluminium-Aufnahme aber auf jeden Fall als kritisch. Das liegt daran, dass der Stoff sehr lange im Körper gespeichert wird und sich so anreichern kann.

Neue Studie gibt Entwarnung

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) in Berlin hat sich nun für eine Stellungnahme die gesamte wissenschaftliche Literatur zum Thema Aluminium angesehen. Die Grundaussage bleibt: Zu viel Aluminium im Körper ist nicht gut. Aber - und jetzt kommt’s – die Experten haben für Deo-Nutzer gute Nachrichten! Die Anti-Schweiß-Produkte haben aus ihrer Sicht nämlich nur einen geringen Anteil an der Gesamtaufnahme von Aluminium beim Menschen.

„Durch die Haut wird signifikant weniger Aluminium aufgenommen als auf bislang vorliegender, limitierter Datenbasis berechnet“, so BfR-Präsident Professor Andreas Hensel. Das Institut hatte  im Jahr 2014 erstmals die Aufnahme der Aluminiumsalze über die Haut bewertet. „Wir haben damals bereits auf die große wissenschaftliche Unsicherheit der Daten hingewiesen und auf den dringenden Forschungsbedarf aufmerksam gemacht“, so Hensel.

Grillschale aus Aluminium
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Mittlerweile gebe es die Daten nun durch Studien aus den Jahren 2016 und 2019. Und die letztere Forschungsarbeit habe es möglich gemacht, die Frage nun neu zu bewerten. Statt unnötig auf Deo zu verzichten, gebe es effektivere Wege, sich vor zu viel Aluminium im Körper zu schützen, heißt es beim BfR. So sollte man darauf achten, dass vor allem saure und salzhaltige Lebensmittel und Getränke nicht mit Aluminium in Kontakt kommen. Das heißt, dass man bei der Benutzung von Trinkflaschen, Backblechen und Grillschalen in diesen Fällen vorsichtig sein sollte.

Konkret geht es zum Beispiel um aufgeschnittene Äpfel, Tomaten, Rhabarber, Salzheringe, mariniertes Fleisch oder Käse. Die gehören nicht auf unbeschichtetes Küchenmaterial aus Aluminium. Statt Grillschalen aus Alu empfehlen die Experten wiederverwendbare Modelle aus Edelstahl. Und noch einen Hinweis haben sie: Auch aufhellende Zahnpasten enthalten oft Aluminium. Diese sollten auch weniger oder gar nicht verwendet werden. Auf Deos muss dagegen keiner wegen des Aluminiums verzichten.

Schön Ägypter kannten Deos

Schon die alten Ägypter benutzten übrigens verschiedene Arten von dem, was wir heute ein Deo nennen würden. Allerdings wendeten sie auch Substanzen an, die wir heute nicht mehr in Betracht ziehen würden. Alaunschiefer mit Bitumen drin zum Beispiel. Auch Griechen und Römer legten Wert auf guten Geruch. Das Ganze änderte sich allerdings im Mittelalter, da stank man im Normalfall fürchterlich.

Ein Mann trägt mit einem Rollstick Deo unter den Achseln auf.
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Viele Jahrhunderte kümmerte man sich eher wenig um den Körpergeruch. Das erste Deo mit einem eigenen Namen, das auf den Markt kam, gab es dann im Jahr 1888. Es hieß „Mum“ und war eine Zinksalbe. In den Vierzigern des vergangenen Jahrhunderts kam dann die nächste Innovation: Ein Deoroller. Mitte der Sechziger wurde dann, zunächst in den USA, das erste Deo-Spray auf den Markt gebracht.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP am Wochenende | 25. Juli 2020 | 15:40 Uhr

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