Warum vor allem ältere Menschen Betrügern in die Falle tappen

Immer wieder versuchen WhatsApp-Betrüger an Daten und Geld heranzukommen. In einer neuen Masche meldet sich die vermeintliche Tochter oder der Sohn und fragt nach Geld. Vor allem ältere Menschen fallen auf den Betrug rein.

Ein Mann gibt einem Anderen 50-Euro-Scheine
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Hallo Mama, mein Handy ist kaputt gegangen, deshalb schreibe ich von dieser Nummer.

Whats-App Betrug
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So oder so ähnlich könnte eine Nachricht von einem WhatsApp-Betrüger lauten. In der Hoffnung, dass sich am anderen Ende wirklich eine sich sorgende Mutter befindet, wird mit solchen Nachrichten versucht an Geld ranzukommen. Es heißt, man könne die Rechnungen nicht bezahlen oder man sei in einen Unfall verwickelt und brauche Geld. Darauf ist zuletzt eine 60-Jährige aus dem Malschwitzer Ortsteil Brösa reingefallen. Insgesamt überwies sie den Betrügern eine Summe von 8.000 Euro. Dass vor allem ältere Menschen auf solche Nachrichten reinfallen ist dabei leider nicht selten. Woran liegt das?

Nachlassendes Bauchgefühl

Zum einen leben ältere Personen oft allein und freuen sich über Gespräche. Da sie oft auf Hilfe angewiesen sind, freuen sie sich, wenn sie selbst mal helfen können - vor allem, wenn es sich dabei um die Familie handelt. Eine US-Studie rund um Wissenschaftlerin Elizabeth Castle hat außerdem herausgefunden, dass mit der Zeit die Intuition, also das Bauchgefühl nachlässt. Ältere Menschen können schlechter als jüngere einschätzen, ob ein Mensch vertrauenswürdig ist oder nicht. Dabei wurden den Testpersonen verschiedene Gesichter gezeigt. In der Studie heißt es:

Ältere und jüngere Erwachsene bewerteten Gesichter mit hohen Vertrauenswerten ähnlich, aber ältere Erwachsene empfanden Gesichter mit Hinweisen auf Unzuverlässigkeit als signifikant vertrauenswürdiger und zugänglicher als jüngere Erwachsene. Dieses altersbedingte Muster spiegelte sich in der neuralen Aktivierung durch Hinweise auf Vertrauenswürdigkeit wider.

Eine Person hält ein Telefon in der Hand
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Eine andere Studie rund um Wissenschaftlerin Karolina Lempert zeigt außerdem, dass auch das Gedächtnis eine Rolle spielen könnte. Mit den mehr als 200 Teilnehmern im Alter zwischen 18 und 92 Jahren wurde unter anderem ein Spiel gespielt. Die Testperson bekam einen Geldbetrag, den sie mit einem Spielpartner oder -partnerin teilen konnte. Von denen wurden den Testpersonen Fotos gezeigt. Sie erhielten außerdem Informationen über das Verhalten der Spielpartner und -partnerinnen.

Ältere Erwachsene waren voreingenommen, sich an Menschen als fair zu erinnern, während junge Erwachsene eher dazu neigten, sich an Menschen als unfair zu erinnern. Ältere Erwachsene beschäftigten sich mehr mit Menschen, die ihnen vertraut waren - unabhängig von der Art der vorherigen Interaktion - während junge Erwachsene dazu neigten, andere zu meiden, die sie als unfair in Erinnerung hatten.

Schließlich wurden ältere Erwachsene stärker von Gesichtszügen beeinflusst und entschieden sich dafür, mit Sozialpartnern zu interagieren, die großzügiger aussahen, obwohl diese Wahrnehmungen nicht mit früheren Erfahrungen übereinstimmten.

Wie kann man sich und seine Liebsten vor Betrug schützen?

Jüngere Menschen sollten ihre älteren Verwandten über die neue Betrugsmasche informieren und sie auf das Thema Betrug im Allgemeinen sensibilisieren. Unterstützung ist ebenfalls wichtig, denn ältere Menschen schämen sich oft, dass sie Opfer von Betrug geworden sind.

Sollte sich jemand als Verwandter ausgeben und unter einer neuen Nummer schreiben oder anrufen, dann kann man zunächst die richtige Person anrufen und nachfragen. Oft stellt sich dann raus, dass die Tochter, der Sohn oder das Enkelkind gar keine neue Nummer hat. Auf keinen Fall sollte man fremden Menschen Geld überweisen, wenn man sich nicht wirklich sicher ist, wer dahinter steckt. Hat man das bereits gemacht, könnte ein Anruf bei der Bank das Schlimmste verhindern. Oft kann man das Geld so noch zurückholen. Die Polizei gibt weitere Tipps:

  • Geben Sie unbekannten Personen keine Auskünfte über Ihre Vermögensverhältnisse oder andere sensible Daten.
  • Öffnen Sie unbekannten Personen nicht die Tür.
  • Ziehen Sie eine Vertrauensperson hinzu.
  • Übergeben Sie niemals Geld oder Wertsachen an unbekannte Personen, angebliche Mitarbeiter von Polizei, Staatsanwaltschaften, Gerichten oder Geldinstituten.
  • Wenn Sie Opfer eines solchen Anrufes oder einer Nachricht geworden sind, wenden Sie sich in jedem Fall an die Polizei und erstatten Sie eine Anzeige.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP Feierabendshow | 13. Mai 2022 | 15:30 Uhr

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