Durch ein Loch in einem Blatt voller Luegen kommt die Wahrheit zum Vorschein.
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Nie mehr lügen – geht das überhaupt?

13.03.2019 | 13:44 Uhr

Angeblich lügen Menschen jeden Tag - es ist nicht immer nur die große Täuschung. Es gibt auch viele kleine Notlügen, Halbwahrheiten, Ausreden. Die Fastenaktion der Evangelischen Kirche steht in diesem Jahr unter dem Motto: "Mal ehrlich! Sieben Wochen ohne Lügen". Es soll zum Nachdenken anregen, wie oft im Alltag auf kleine und große Notlügen zurückgegriffen wird. Aber ist es sinnvoll, überhaupt nicht zu lügen?

Durch ein Loch in einem Blatt voller Luegen kommt die Wahrheit zum Vorschein.
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Schwindeln oder die Wahrheit sagen? Eine schwierige Frage. Denn unter Umständen lässt es sich besser leben, wenn man manches verschweigt. Andererseits - wie soll man dann noch vertrauen? Ein Nachspiel hatte Ende letzten Jahres die Ehrlichkeit einer Lehrerin in den USA. Berichten zufolge war sie an der Grundschule im Staat New Jersey als Vertretung im Einsatz und erklärte den Kindern, dass es "Santa Claus" nicht wirklich gebe. Auf Nachfragen erklärte sie auch noch den Osterhasen, die Zahnfee, einen Weihnachtselfen sowie Glück spendende Wichtel für erfunden.

"Lügen haben kurze Beine"

Nachdem sich viele Eltern über die Wahrheitsliebe der Lehrerin beschwert hatten, dürfe sie in dem Schulbezirk, wo sie seit mehreren Jahren im Einsatz war, künftig nicht mehr unterrichten, berichtete "NJ.com". Für Rainer Wälde, Vorsitzender des Deutschen Knigge-Rates, ist klar, nicht immer ist es sinnvoll, gleich mit der Wahrheit rauszurücken:

Portrait von Rainer Wälde, Vorstitzender des Deutschen Knigge-Rates
Bildrechte: Rainer Wälde

Schweigen ist Gold - absolut! Ich persönlich versuche auch, Notlügen in fast allen Situationen zu vermeiden. Wenn eine Situation wirklich brenzlig ist, dann lieber gar nichts sagen.

Aber natürlich gibt es Situationen, da fällt es dem einen oder anderen schwerer, bei der Wahrheit zu bleiben. Zum Beispiel im Restaurant, wenn der Kellner fragt, ob das Essen geschmeckt hat. Doch auch in solchen Situationen empfiehlt Wälde bei der Wahrheit zu bleiben. Dabei komme es immer darauf an, wie man es sagt, erläutert Wälde im Interview mit Timo Close und Nora Sanne von der MDR JUMP Feierabendshow:

Die Wertschätzung ist wichtig. Das man den Anderen anschaut, dass der Andere spürt, man will ihn nicht in die Pfanne hauen. Wichtig ist, das es eine ehrliche Rückmeldung ist. Und wenn noch etwas Humor dazu kommt, dann verträgt es das Gegenüber in der Regel auch leichter.

Übrigens: Lügner lassen sich anders als vielfach angenommen nicht durch genaues Beobachten der Augenbewegungen entlarven - das zumindest hat eine Studie britischer Forscher ergeben. Der Blick nach rechts oder links oben stehe in keiner Verbindung mit dem Wahrheitsgehalt von Aussagen, berichten die Wissenschaftler von der Universität Edinburgh in der Fachzeitschrift "PLoS ONE". Unabhängig davon, ob man Lügen erkennen kann, plädiert Knigge-Chef Wälde im Zweifelsfall lieber die Wahrheit zu sagen:

Lügen zerstören immer Beziehungen. Meistens kommt es ja doch irgendwie raus. Also, hier ist mein Tipp: Die Flucht nach vorne zu ergreifen und Notlügen zu vermeiden.

Fest steht: Lügen gehört zum Leben dazu. Aber wer lügt eigentlich am meisten. Auch das haben Wissenschaftler schon untersucht: "Antworten Sie ehrlich, wie oft Sie in den letzten 24 Stunden gelogen haben". Das fragten Kristina Suchotzki und vier weitere Forscher aus Belgien, den USA und den Niederlanden 1005 Menschen vor einem Museum in Amsterdam. Ziel war es, herauszufinden, wie sich die Fähigkeit zu Lügen beim Menschen über seine Lebensspanne hinweg verändert, sagt Suchotzki. "Unser Ergebnis war, dass Kinder und ältere Erwachsene seltener lügen und auch mehr Mühe haben beim Lügen als junge Erwachsene."

Alt oder jung - wer lügt häufiger?

Das passe zu psychologischen Theorien: "Wenn mich jemand etwas fragt, ist mein automatischer Impuls, mit der Wahrheit zu antworten", erklärt Suchotzki. "Um zu lügen, muss ich das aktiv zurückhalten. Und das können Kinder noch nicht so gut." Gleichzeitig sei das Lügen für den Lügner kognitiv anstrengend. Das könne man etwa durch Reaktionszeiten nachweisen, zumindest im Millisekundenbereich. Damit könne man wiederum erklären, warum ältere Menschen wieder weniger lügen - sie haben geringere kognitive Kapazitäten.

Die Antwort auf die Frage "Wie oft lügen Menschen?" war übrigens: Durchschnittlich etwas über zwei Mal am Tag. Und: Am häufigsten lügen Teenager zwischen 13 und 17 Jahren.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP Feierabendshow | 13. März 2019 | 14:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 13. März 2019, 13:44 Uhr

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