Komasaufen
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Alarmierende Entwicklung Die Zahl der jugendlichen Komasäufer steigt stark

Alkohol macht krank. Besonders, wenn man noch sehr jung ist. Trinken Kinder und Jugendliche häufig große Mengen Alkohol, steigt ihr Risiko für Leber- oder Krebserkrankungen. Und sie werden leichter alkoholabhängig. Die Zahl der jungen "Rauschtrinker" ist einer Studie der DAK zufolge aber wieder gestiegen, besonders in Sachsen-Anhalt.

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Wenn Kinder und Jugendliche zu viel trinken, setzen sie sich einer hohen Gefahr aus. Zum einen der unmittelbaren Gefahr einer Alkoholvergiftung, die tödlich enden kann. Zum anderen aber auch dem Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder psychischen Störungen. Im letzten Jahr mussten aber wieder mehr Kinder und Jugendliche wegen einer Alkoholvergiftung im Krankenhaus behandelt werden: insgesamt 22.309 10- bis 20-Jährige. Das besagen Zahlen des Statistischen Bundesamtes, die die Krankenkasse DAK Gesundheit erhoben hatte.

Sachsen-Anhalt besonders betroffen

Den höchsten Anstieg gab es in Sachsen-Anhalt. 26,2% mehr jugendliche Komasäufer mussten behandelt werden. Das sind 130 Fälle mehr als im Vorjahr. Auch Sachsen kommt in der Studie nicht gut weg: Dort gab es 2016 fast 12 Prozent mehr Behandlungen wegen Alkoholkonsums: etwa 110 Fälle mehr als 2015.

Dass jetzt erstmals seit drei Jahren die Zahlen wieder ansteigen, ist eine alarmierende Entwicklung.

Andreas Storm, Vorstandschef der DAK-Gesundheit

In Mitteldeutschland kommt nur Thüringen mit einem blauen Auge davon: 2016 gab es dort 5 Fälle mehr als im Jahr davor, das bedeutet einen Anstieg um nur 1 Prozent.

Die Ursachen sind nicht eindeutig

Herbst-Winter-Blues
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Warum Kinder zur Flasche greifen, lässt sich nicht restlos erklären. Sicher sind einige dabei, die vor allem das Verbotene ausreizen wollen und ihre Grenzen testen. Dass sie dabei leicht zu viel trinken, wundert Ulrich Zimmermann, stellvertretender Klinikdirektor an der Dresdner Uniklinik für Psychiatrie und Psychotherapie, aber nicht. Jugendliche könnten aufgrund der Entwicklung ihres Gehirns die ermüdende Wirkung des Alkohols nicht richtig spüren.

Und so könnten sie die Warnzeichen auch nicht richtig erkennen. Beim Großteil der eingelieferten Fälle liege das Problem woanders.

Die Alkoholvergiftungen sind bei ihnen ein unspezifischer Warnhinweis dafür, dass sie Probleme mit sich herumtragen. Probleme, von denen niemand im Traum denkt, dass sie 15-Jährige haben könnten.

Das eigentliche Problem seien demnach oft schwierige Lebensumstände, viele hätten Missbrauch und Gewalt erlebt oder litten an Depressionen. Wenn Jugendliche dann Stress- oder Konfliktsituationen kompensieren wollen, griffen sie zur Flasche. Auch, wenn sie die Probleme damit nur kurzzeitig lösten.

Alkohol ist leicht erreichbar

Um Alkohol zu trinken, müssen Kinder und Jugendliche überhaupt an welchen herankommen. Und da sieht Christine Enenkel von der DAK-Gesundheit einen Grund für den gestiegenen Alkoholkonsum.

Die Minderjährigen kommen ganz leicht an Alkohol. Einmal im Elternhaus und über Freunde. Und das ist für uns eine Erklärung.

Schon 2013 haben Tests gezeigt, dass viele Internethändler Hochprozentiges auch an Minderjährige liefern. Die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen warnt explizit davor: Die Angebote seien genau auf die Zielgruppe zugeschnitten.

Was können Eltern tun?

Rauschtrinken ist ein ernsthaftes Problem unter Kindern und Jugendlichen. Im Bild sitzt ein Junge vor einem bunt beschmierten Hauseingang und hat eine leere Schnapsflasche in der Hand.
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Kinder und Jugendliche werden vor allem durch ihre Eltern geprägt. Auch beim Thema "Alkoholkonsum" spielt das Elternhaus eine entscheidende Rolle.

Enenkel rät den Eltern dazu, "genau hinzusehen": weil die Präventionsmaßnahmen oft nur auf den Alkoholkonsum abzielen würden. Gerade Jugendliche fragten nicht nach Hilfe.

Das heißt zu schauen: Trinkt mein Kind allein oder in Gesellschaft? Ist es die Party oder trinkt mein Kind zur Verarbeitung von Problemen?

Über die sozialen Netzwerke hätten die Eltern einen guten Überblick, was auf den Partys der Kinder passiere.

Wichtig sei auch die Vorbildfunktion der Eltern. 32 Prozent der Eltern von betroffenen Kindern hätten selbst ein "riskantes Trinkverhalten".

Dieses Thema im Programm MDR JUMP am Abend - Die Themen des Tages | 29. November 2017 | 19:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 29. November 2017, 18:50 Uhr