Erster Deutscher ISS-Kommandant: Alexander Gerst kehrt zur Erde zurück

Vier Tage vor Heiligabend reist ISS-Kommandant Gerst aus dem All zurück. Nicht alles lief glatt bei seiner 200 Tage langen Weltraum-Mission. Für Deutschlands Mann im All könnte es ein Abschied für immer sein von der Internationalen Raumstation. Aber es gibt möglicherweise schon ein neues Ziel für Astro-Alex.

Alexander Gerst schaut aus der Raumstation auf den blau leuchtenen Erdball.
Bildrechte: NASA

Der Zeitplan steht: Exakt um 22:45 Uhr am Donnerstagabend schließt sich die Luke der Sojus-Kapsel und dann beginnt für den Deutschen Astronauten Alexander Gerst die letzte Etappe seiner rund dreistündigen Rückreise zur Erde. Zählt man seine beiden bisherigen Missionen auf der Raumstation zusammen, war kein Deutscher so lange im All wie Gerst: fast ein Jahr.

Die Rückkehr zur Erde mit der Sojus-Raumkapsel gilt als technisch anspruchsvoll. Nach dem Abkoppeln von der Raumstation rast die Kapsel zunächst ungebremst in die Atmosphäre, die Luftreibung erzeugt dabei Temperaturen von etwa 2500 Grad.

Massive Kräfte werden Gerst und seine beiden Mit-Rückkehrer Serena Auñón-Chancellor (USA) und Sergej Prokopjew (Russland) in die Sitze pressen. "Ich kann kaum atmen, weil meine Zunge so stark an den Gaumen gedrückt wird", beschrieb Gerst 2014 seinen Rückflug von seiner ersten ISS-Mission.

Der Zeitplan der Rückreise

20. Dezember:

02.40 Uhr Abdocken von der ISS
06.04 Uhr Landung in Kasachstan
10.30 Uhr Abflug von Alexander Gerst Richtung Köln
20.45 Uhr Ankunft von Alexander Gerst am Flughafen Köln/Bonn
21.15 Uhr Ankunft von Alexander Gerst am Envihab, einer medizinischen Forschungsanlage des Instituts für Luft- und Raumfahrtmedizin des DLR

Die Rückreise wird natürlich live im Netz übertragen. Zum Beispiel hier:

Übrigens soll Gersts E-Mail-Postfach bis zu seiner Rückkehr nach Köln folgende automatische Antwort verschicken:

Ich bin gerade auf Dienstreise in der Erdumlaufbahn. Bitte versuchen Sie es freundlicherweise im Januar 2019 wieder.

Untersuchung von mysteriösem Loch

Vor der Rückreise haben noch zwei Astronauten bei einem achtstündigen Außeneinsatz ein mysteriöses Loch an der der Sojus-Kapsel untersuchen müssen. Es hatte im August einen leichten Druckabfall auf der Station verursacht. Die Ursache des winzigen Bohrlochs kann bislang nicht geklärt werden, aber Gerst bringt wichtige Beweisstücke zur Erde mit. Probleme beim Wiedereintritt der eigentlichen Landekapsel der Sojus in die Erdatmosphäre schließen die Raumfahrtbehörden Roskosmos und Nasa aus. Die Kapsel sei "bereit, nach Hause zu kommen", sagt ein Nasa-Sprecher.

Die ISS-Besatzung hatte nach dem Vorfall vom 30. August das Leck mit einem klebstoffgetränkten Spezialtuch abgedichtet. Das Leck liegt an einer schwer zugänglichen Stelle des sogenannten Orbitalmoduls der Sojus. Die Raumfahrer nutzen es zum Ankoppeln an die ISS und zum Durchstieg in die Station. Das Modul wird beim Rückflug abgesprengt und verglüht leer im All.

Gersts Außeneinsätze mussten ausfallen

Was auf der Strecke blieb: Die beiden Außeneinsätze von Gerst fielen aus. Zudem konnten technische Probleme beim fliegenden Roboter "Cimon" und beim Tierbeobachtungsprojekt "Icarus" nicht gelöst werden. "Wenn eine Panne passiert, muss man Kompromisse machen", sagt Missionsleiter Volker Schmid. "Wir haben aber gute Resultate eingefahren. Das andere können wir nachholen."

Gersts Mission ist aber auch so ein Erfolg. Vor allem mit seinen Tweets hat Gerst seine Begeisterung für die Raumfahrt nachvollziehbar gemacht. Seinem Account folgen rund 1,25 Millionen Menschen. Erst kürzlich hat er einen "Gruß nach #Leipzig!" getwittert. Er stellte eine Luftansicht der Stadt ins Netz, auf der Vieles sehr gut zu erkennen ist, etwa die Red-Bull-Arena oder der Hauptbahnhof.

Wie die Zukunft von Alexander Gerst aussieht, steht noch in den Sternen. Fest steht: "Er ist weiter Mitglied des Esa-Astronauten-Corps - insofern ist auch die Möglichkeit eines weiteren Flugs gegeben», sagt Europas Raumfahrtchef Jan Wörner.

Allerdings ist ein weiterer Besuch auf der ISS eher unwahrscheinlich. In deutschen Raumfahrtkreisen denkt man an - und hofft auf - eine andere ehrgeizige Mission: Die USA wollen 2023 erstmals seit Jahrzehnten wieder den Mond umrunden - mit einem bemannten Orion-Raumschiff, das derzeit in Zusammenarbeit mit Europa entsteht. Vielleicht ist da ja ein Platz für Astro-Alex frei...

Dieses Thema im Programm MDR JUMP Morningshow | 19. Dezember 2018 | 06:40 Uhr

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