Abgelenkt durchs Smartphone
Abgelenkt durchs Smartphone Bildrechte: IMAGO

Handy am Ohr? Polizei kontrolliert Auto- und Radfahrer

20.09.2018 | 16:40 Uhr

Schnell eine Nachricht schreiben, ein Ziel auf dem Handy-Navi eingeben, die Lieblingsmusik abspielen: Das machen viele während der Fahrt auf dem Rad oder hinter dem Lenkrad. In dieser Zeit achten sie nicht auf die Straße und gehen damit oft ein größeres Risiko ein, als ihnen bewusst ist. Darauf macht die Polizei mit einem bundesweiten Aktionstag aufmerksam und kontrolliert verstärkt.

Abgelenkt durchs Smartphone
Abgelenkt durchs Smartphone Bildrechte: IMAGO

Am Donnerstag haben Handynutzer im Straßenverkehr ein höheres Risiko als sonst, von der Polizei erwischt zu werden. Bundesweit sind seit 6.00 Uhr am Morgen 11.000 Polizisten bei mehr als 3.000 Kontrollen und Aktionen im Einsatz. Sie achten verstärkt auf Radfahrer, Auto- und LKW-Fahrer und auch Fußgänger, die sich vom Smartphone im Straßenverkehr ablenken lassen. Am Aktionstag „Sicher.Mobil.Leben“ sollen Menschen auf die unterschätzten Gefahren durch die Ablenkung durch Handys aufmerksam gemacht werden.

Warnen und verwarnen

Werden Radfahrer beim Smartphone-Bedienen von den Polizisten erwischt, müssen sie mit 55 Euro Verwarngeld rechnen. Für Autofahrer wird es teurer: 100 Euro plus ein Punkt in Flensburg. Außerdem wollen die Polizisten am Aktionstag in Gesprächen noch einmal darauf hinweisen, wie gefährlich der schnelle Blick aufs Smartphone sein kann. Patrick Martin, Sprecher der Landespolizei Thüringen sagte MDR JUMP:

Die Nutzung von Kommunikationsmitteln, die häufig der Grund für die Ablenkung sind – die erhöhen das Unfallrisiko um mindestens das Vierfache. Und das Risiko steigt für alle gleich: Für Fahranfänger, für erfahrene Autofahrer und auch für erfahrene Radfahrer.

Keölle hoch, bitte anhalten: Polizeihauptkommissar Thomas Häntzsch zeigt einem Autofahrer, wo er anhalten soll.
Bildrechte: MDR/Kathrin König

Laut aktuellen Studien sei Nachrichtenschreiben und Telefonieren während der Fahrt ähnlich gefährlich wie ein Blutalkoholwert von 0,8 Promille. Laut Polizei Thüringen hätte in Umfragen die Hälfte der Befragten zugegeben, gelegentlich das Handy ohne Freisprechanlage im Straßenverkehr zu benutzen.

Bilanz in Thüringen

Im Freistaat wollen sich die Beamten zwischen 6 und 18 Uhr in mehreren Städten besonders um Radfahrer kümmern. Dafür sind etwa in Erfurt, Eisenberg, Apolda, Jena und Weimar Polizeieinsätze geplant. Bis zum frühen Nachmittag wurden in Thüringen fast 1.000 Fahrzeuge kontrolliert, darunter waren aber auch viele Autos und LKWS. Insgesamt 26mal gab es laut Polizei Verstöße gegen das Handynutzungs-Verbot.

Ablenkung bei jedem zweiten Crash als Unfallursache

Laut Verkehrsexperten wird in Deutschland nicht erfasst, ob Autofahrer vor einem Unfall zum Handy gegriffen hat. Statistiken aus anderen europäischen Ländern beispielsweise zeigten aber, dass mangelnde Aufmerksamkeit am Steuer oder Lenker für mehr als die Hälfte der Unfälle mitverantwortlich ist. Diese Zahl stieg zuletzt an. Abgelenkt werden Auto- und Radfahrer aber nicht nur durch Smartphone oder Tablet, sondern auch durch das Anzünden von Zigaretten, laute Musik oder auch den Blick in den Spiegel zum Nachwuchs auf der Rückbank. Auf diese Gefahren soll das Polizeigroßaufgebot heute aufmerksam machen. Die Innenminister hatten Ende 2017 entschieden, jedes Jahr einen Aktionstag für mehr Verkehrssicherheit zu veranstalten. Heute war Premiere. Sachsen-Anhalt leitet derzeit die Innenministerkonferenz und war dafür auch für die Organisation von „Sicher.Mobil.Leben“ zuständig.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP am Abend - Die Themen des Tages | 20. September 2018 | 12:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 20. September 2018, 16:38 Uhr

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