Ein Braunkohlebagger fördert im Tagebau Nochten Braunkohle
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Ihre Frage: Verringert Kohleabbau die Erdmasse?

Wer in der Lausitz unterwegs ist, stößt oft auf auf gewaltige Kohle-Abbauflächen. Wilfried Korluß wollte wissen, wie das eigentlich ist: Schrumpft die Erdmasse, weil wir Kohle abbauen und verbrauchen? Und hat das auch Auswirkungen auf unsere Umlaufbahn um die Sonne?

Ein Braunkohlebagger fördert im Tagebau Nochten Braunkohle
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Die Wissenschaftler, die MDR Aktuell um Rat gebeten hat, staunten nicht schlecht über diese Frage. Natürlich beeinflussen wir ganz grundsätzlich - so die einhellige Meinung - das Gewicht und die Drehung unseres Planeten - dadurch, dass wir riesige Löcher buddeln, Kohle und Erdöl verbrennen, Masse in Energie umwandeln und Masse umverteilen. Allerdings ist das im Verhältnis zur Masse der gesamten Erde so gering, dass wir es nicht messen können und keinerlei Effekte spüren, sagt Geophysiker Prof. Klaus Spitzer von der Bergakademie Freiberg:

Ein 10-Millardstel kratzt man von der Erdmasse weg, wenn man also die gesamte Braunkohle abbaut, die man auf der ganzen Welt vorfindet. Und das macht eigentlich schon klar, dass das von der Masse her gar keine Rolle spielt.

Geophysiker Professor Klaus Spitzer

Dazu kommt, dass wir im wahrsten Sinne des Wortes nur an der Oberfläche schaben. An die schweren und dichten Erdschichten im Inneren unseres Planeten kommen wir mit unseren Bohrungen gar nicht ran, erklärt Professor Spitzer:

Wenn wir das mal vergleichen und ein Hühnerei hernehmen: Dann würden wir mit diesen doch schon sehr tiefen Bohrungen, empfunden sehr tiefen Bohrungen 12 km - gerade mal mit einer Nadel in die Eierschale reinpiecksen und nicht mal ganz durchstechen.

Kohle für Erde wie Schuppen für Kopf

Das heißt übersetzt also: Diese Milliarden und Aber-Milliarden Tonnen Rohstoffe, die wir aus der Erde holen (und unter anderem verbrennen), sind für das Gesamtsystem Erde so, als würden wir uns ein paar Schuppen aus den Haaren kämmen und uns dann voller Hoffnung auf die Waage stellen. Der Grundgedanke von Wilfried Korluß aus der Lausitz ist aber durchaus richtig. Beispielsweise gibt es die bemerkenswerte Theorie, dass das fallende Laub Einfluss auf die Erdrotation hat. Warum man das glaubt, erklärt Geophysiker Professor Andreas Hördt aus Braunschweig:

Wenn im Herbst Laub von den Bäumen fällt, fällt es zu Boden. Dadurch wird Masse von aussen nach innen verlagert und dadurch wird Erdrotation wieder ein kleines bisschen schneller. Aber auch wieder viel zu klein, um das messen zu können.

Andreas Hördt, Uni Braunschweig

Allerdings beobachten wir tatsächlich irdische Phänomene, deren Einfluss auf die Drehung der Erde messbar ist. Andreas Hördt zufolge sind das kontinentale Effekte, zum Beispiel die Veränderungen durch ein großes Erdbeben. Die größten Erdbeben verändern ihm zufolge die Tageslänge um eine Mikrosekunde.

Ähnliche Effekte haben extrem starke Schneefälle auf der Nordhalbkugel oder die Veränderung der Meeresströmung mit dem El Niño-Phänomen. Bemerkenswert ist auch, dass in der Regenzeit die Flugbahn von Satelliten über dem tropischen Regenwald eine Delle bekommt. Denn wenn sich der Boden und die Pflanzen voll Wasser saugen, erhöht sich die Erdanziehung und zieht die Satelliten näher an die Erde.

Für solche Masseumverteilungen sind wir mit Baggern, Bohrern und Schaufeln als Menschen zu winzig. Also eigentlich eine gute Nachricht, denn wir richten auf unserem Planeten schon genug Schaden an. 

Blick auf einen Schaufelradbagger im Braunkohletagebau Schleenhain.
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Zuletzt aktualisiert: 11. Dezember 2018, 14:49 Uhr

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