5 Leute sitzen an einem gedeckten Kaffeetisch.
Seinen 110. Geburtstag im vergangenen Jahr feierte Gustav Gerneth mit Familie und engen Freunden. Bildrechte: MDR/Wolfang Masur

Ältester Deutscher "Eiserner Gustav" aus Havelberg feiert 111. Geburtstag

Gustav Gerneth ist der älteste Deutsche. Zwei Weltkriege und wechselnde Systeme hat er überlebt. Am Samstag wird der Havelberger 111 Jahre alt.

von Andreas Müller

5 Leute sitzen an einem gedeckten Kaffeetisch.
Seinen 110. Geburtstag im vergangenen Jahr feierte Gustav Gerneth mit Familie und engen Freunden. Bildrechte: MDR/Wolfang Masur

Tee zum Frühstück, kaum Alkohol, keine Zigaretten, viel Fisch – Gustav Gerneth hat auch im hohen Alter noch Prinzipien. Doch ein Asket ist er nicht. "Diät kommt nicht in Frage. Schon gar nicht Margarine", sagt der schlanke Senior. Wenn er sich ab und zu in seiner stets aufgeräumten Wohnung etwas kocht, gehört "gute Butter" natürlich dazu. Und einen schweren Frankfurter Kranz nennt er seinen Lieblingskuchen.

"Ein netter, liebenswerter Mann"

Der Landbäcker von der Havelberger Stadtinsel will dem Jubilar zu seinem 111. Geburtstag am Samstag mit einer nicht minder cremigen Torte gratulieren. Schließlich hat der älteste Deutsche in dem Laden am Markt nach wie vor sein "Brötchenabo". Ein freundlicher Nachbar bringt sie ihm Tag für Tag. Verkäuferin Nicole Krüger-Knackmus sagt, "vor allem ist Gustav Gerneth ein netter, liebenswerter Mann".

Havelbergs Bürgermeister Bernd Poloski ist stolz, dass der 111-Jährige in der Hansestadt lebt. MDR Sachsen-Anhalt sagte er:

Ich bin beeindruckt, dass er uns immer wieder Lebensfreude und Zufriedenheit spüren lässt. Er hat ein Kämpferherz, und das möge ihm noch lange helfen, den Alltag in der eigenen Wohnung zu meistern.

Ein älterer Mann sitzt an einem Tisch. Auf dem Tisch liegen zwei Zeitungen
In diesem Jahr verzichtet der älteste Mann Deutschlands auf eine große Feier. Bildrechte: MDR/Wolfgang Masur

Ganz allein ist der Mann freilich nicht, der manchmal als "Eiserner Gustav" gewürdigt wird. Immerhin seit einem halben Jahrhundert bezieht er schon Altersrente. Seine Enkeltochter Christine und weitere Familienangehörige kümmern sich liebevoll um ihn.

Gemeinsam mit dem betagten Familienoberhaupt haben sie beschlossen, zum 111. Geburtstag keine Party auszurichten. "Opa muss Kräfte sammeln", erklärt Enkelin Christine. "Momentan regt ihn Trubel ziemlich auf. Vielleicht feiern wir im nächsten Jahr wieder."

Die Zurückhaltung hat einen Grund. Gustav Gerneths letzten beiden Söhne sind im Alter von über 80 Jahren gestorben. Eine Enkeltochter erlag einer schweren Krankheit. Da ist dem Senior nicht nach Feiern zumute.

Eintrag im Goldenen Buch der Stadt

Im vergangenen Jahr durfte sich Gerneth zum Geburtstag ins Goldene Buch der Hanse- und Domstadt Havelberg eintragen. Darin wird seine große Verbundenheit mit Havelberg hervorgehoben. Das hat er bis heute beibehalten. Aus seinem  Fenster im ersten Stock des Backsteinhauses beobachtet er genau, was sich am Stadtgraben und gegenüber auf dem Domberg abspielt. Als dort Bauarbeiten ins Stocken gerieten, hat er das beim Bürgermeister persönlich angemahnt – freundlich aber bestimmt.

Zwei Weltkriege überlebt

Gustav Gerneth wurde 1905 in Stettin geboren, als noch Kaiser Wilhelm II. regierte und in Bad Tölz erstmals ein Kraftpostauto den Linienverkehr aufnahm. Er hat zwei Weltkriege und wechselnde Systeme überlebt. Er hielt eine unglaubliche Zahl an Währungen in den Händen. 1930 heiratete er seine Charlotte, die vor 28 Jahren starb. Mit ihr zog er drei Söhne auf.

Der Havelberger lernte den Beruf eines Maschinenschlossers. Dann war er Maschinist auf See und bei der Binnenschifffahrt. Dort lernte er das Kochen. Beim Militär arbeitete er als Flugzeugmechaniker. Zu DDR-Zeiten wartete Gerneth bis in die 50er Jahre die Gaslaternen von Havelberg. Und auch in seiner Freizeit war er nicht untätig. Messinglampen und kupferne Kerzenständer aus der eigenen Werkstatt zieren seine Wohnung. Das Basteln hat er inzwischen aufgegeben. Aber Sportwettkämpfe im Fernsehen, die schaut er sich gern an.

Im vergangenen Jahr zum 110. Geburtstag sagte Gerneth im Kreise seiner schmunzelnden Gäste: "Ich hatte ja immer mit dem Sänger Heesters konkurriert, aber der ist ja schon mit 108 gestorben."

Zuletzt aktualisiert: 15. Oktober 2016, 09:32 Uhr

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