Ein 65-jähriger Schuljunge: AC/DC-Gitarrist Angus Young hat Geburtstag

31.03.2020 | 09:58 Uhr

Er zählt zu den besten und einflussreichsten Lead-Gitarristen der Welt. Mit seiner Band AC/DC hat er den Hardrock revolutioniert. Und mit seiner Schuluniform und äußerst wilden Bühneneskapaden verkörpert er den Rock’n’Roll wie kein Zweiter. Nun wird Angus Young 65 Jahre alt.

Gitarrist Angus McKinnon Young ( AC/DC )
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Eine bewegte Kindheit

Angus McKinnon Young wurde am 31. März 1955 im schottischen Glasgow geboren. Er ist das jüngste von acht Geschwistern. Weil der Vater William Young keine Arbeit fand, nahm er einen Job als Anstreicher im australischen Sydney an. Die Familie siedelte über als Angus acht Jahre alt war. Der Junge klammerte sich an seine Liebe zur Musik. Die hatte der kleine Angus entdeckt, als ihn seine große Schwester Margaret zu einem Louis-Armstrong-Konzert mitnahm. Weil die Familie so arm war, baute sich der Junge seinen eigenen Plattenspieler, um die Alben seiner Schwester hören zu können. Elvis Presley, Muddy Waters, Chuck Berry oder die Rolling Stones rotierten unablässig auf seinem Plattenteller. Und natürlich lernte er auch selbst, Gitarre zu spielen - auf einer alten Akustik-Klampfe seines Bruders Malcolm.

Die Kraft der Nähmaschine

Nach ein paar ersten musikalischen Gehversuchen gründeten Malcolm und Angus Young 1973 die Band AC/DC. Wieder war es Schwester Margaret, die die Initialzündung brachte. Diesmal für den Bandnamen. Das Kürzel „AC/DC“ steht nämlich für „Gleichstrom/Wechselstrom“ und genau das prangte auf ihrer Nähmaschine. Margaret fand den Namen perfekt für den Power-Blues-Rock ihrer Brüder. Mit Hilfe jener Nähmaschine schuf sie auch Angus Youngs legendäres Bühnenoutfit: Die Schuluniform. Davor hatte sich Angus bereits als Spider Man, Zorro, Gorilla oder Superman auf der Bühne versucht. Zur Schuluniform musste ihn Margaret allerdings überreden. Mit seinen gerade mal 1,57 Metern Größe, hatte der Look einen guten Effekt. Als die Presse sich dafür interessierte, machte sich Angus sogar vier Jahre jünger, um dem Outfit gerecht zu werden.

Die Rampensau

In seiner Schuluniform verlor Angus auf der Bühne jede Hemmung. Er sprang beim Gitarrenspielen wild umher und imitierte Chuck Berrys berühmten Duckwalk. Auch das Entblößen seiner Pobacken gehörte zu seiner Show. Selbst als er über ein Gitarrenkabel stolperte und auf den Rücken fiel, hörte Angus nicht auf zu spielen und strampelte dabei wild mit den Beinen. Das kam beim Publikum so gut an, dass er auch diese Einlage fest in sein Programm einbaute. Neben der Uniform mit kurzer Hose, Krawatte und Kappe, gehört auch eine ganz bestimmte Gitarre zu Angus Youngs unverkennbarem Look. Das Modell Gibson SG wählte er wegen seiner teufelsähnlichen Hörner aus. Und wahrlich diabolisch klang der Mix aus Blues, Hardrock und Folk, den Young seiner Stromgitarre entlockte.

Der Durchbruch und der Neuanfang

Die Erfolgsgeschichte von AC/DC begann als Sänger Bon Scott 1974 zur Band stieß. Mit den Alben „High Voltage“ und „T.N.T.“ eroberten sie Australien. Mit der Folgeplatte „Dirty Deeds Done Dirt Cheap“ knackten sie auch den US-Markt. Der weltweite Durchbruch kam dann 1979 mit dem Album „Highway To Hell“, das sich über 9 1/2 Millionen Mal verkaufte. Sänger Bon Scott liebte aber leider nicht nur den Rock’n’Roll und schnelle Autos, sondern auch das Trinken. Am 19. Februar 1980 erlag der Mann einer Alkoholvergiftung, auf dem Höhepunkt seiner Karriere. Die Band war erschüttert. Nach Scotts Beerdigung war es seine Mutter, die AC/DC zu einem Neuanfang überredete. Noch im selben Jahr erschien das trauerfarbene Album „Back In Black“ mit dem neuen Sänger Brian Johnson. Mit über 50 Millionen verkauften Exemplaren ist es das meistverkaufte Album der Musikgeschichte, direkt nach Michael Jacksons „Thriller“. Die Platte erhielt Doppelplatin in Deutschland, 12-fach-Platin in Australien und 22-fach-Platin in den USA.

Die Privatperson

Es folgten neun weitere Erfolgsplatten, die allesamt den altbewährten stampfenden AC/DC-Sound haben. Während Rhythmusgitarrist Malcolm Young nach längerer Krankheit 2017 verstarb, ist sein zwei Jahre jüngerer Bruder Angus auch heute noch ein rüstiger Rocker. Vielleicht auch deshalb, weil er den Rock’n’Roll nur auf der Bühne auslebt und es privat eher ruhiger angeht. Seit 40 Jahren ist er mit seiner Frau Ellen verheiratet. Schnelle Autos interessieren ihn nicht, denn er hat nicht mal einen Führerschein. Und statt Alkohol trinkt er lieber Tee. Erst in seiner Schuluniform wird er zur wilden Rampensau. In diesem Outfit will er sich übrigens eines Tages beerdigen lassen.

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