Lebensmittelpreise steigen auch im Mai überdurchschnittlich stark

Bei Fleisch, Obst und Gemüse haben die Preise so stark angezogen, dass es uns beim Einkaufen deutlich auffällt. Einschränkungen durch das Corona-Virus sind aber nicht immer der Grund für die gestiegenen Preise.

Eine Frau mit Mundschutz in der Obst- und Gemüseabteilung
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Der Einkauf kostet ähnlich viel wie sonst, dabei liegt in Wagen oder Korb gefühlt deutlich weniger. Diesen Eindruck haben gerade viele und er wird von den aktuellen offiziellen Zahlen vom Statistischen Bundesamt bestätigt. Danach verteuerten sich im Mai Nahrungsmittel wie Obst oder Gemüse mit 4,5 Prozent weit überdurchschnittlich. Schon im April lagen die Preise für Lebensmittel fast fünf Prozent über denen des Vorjahresmonats. Dieser Anstieg ist auffällig, weil die Verbraucherpreise im Mai für Waren, Energie und Dienstleistungen auf den niedrigsten Stand seit mehreren Jahren fielen.  

Auffällige Preisanstiege bei Fleisch und Gemüse

Fleisch ist in diesem Jahr fast 11 Prozent teurer als im Mai 2019. Bei Spargel sind die Preise im Vergleich um fast ein Drittel nach oben geschnellt, bei Kohl sogar um 56 Prozent. Das zeigen die Zahlen der Agrarmarkt-Informationsgesellschaft (AMI) in Bonn. Die Marktforscher analysieren die Preise von frischen Lebensmitteln. Dort bewegten sich die Preise im Vergleich mit anderen Nahrungsmitteln am ehesten und damit seien auch Entwicklungen besser sichtbar, sagte Ernährungswissenschaftlerin Judith Dittrich MDR JUMP:

Die Preisentwicklungen sieht man bei Gemüse besonders gut. Das war im April um 25 Prozent teuer als im Vorjahr, im Mai liegen die Preise acht Prozent über denen vom Mai 201. Da fehlen Saisonarbeitskräfte, die nicht einreisen konnten. So konnte einiges an Gemüse nicht geerntet werden.

Dagegen sind Kartoffeln günstiger geworden. Sie kosteten im Mai elf Prozent wenige als im Vorjahr. Das liegt an der sehr guten und großen Ernte im letzten Jahr, aus der aktuell noch verkauft wird. Weil deutlich weniger Pommes Frites verkauft werden konnten, fehlten zudem Abnehmer. Bei anderen frischen Lebensmittel wie Milchprodukten, Brot oder Eiern haben sich laut den Zahlen der AMI die Preise zuletzt eher wenig bewegt.

Judith Dittrich von der AMI Bonn
Bildrechte: Judith Dittrich, AMI

Bei Milchprodukten werden die Preise oft für Monate im Voraus verhandelt, bei Eiern sogar für ein ganzes Jahr. Da gibt es nicht so schnell Preisanpassungen wie bei Obst und Gemüse.

ALDI Nord und ALDI Süd hatten zuletzt im Mai teurere Lieferverträge abgeschlossen, von denen laut dem Discounter auch Molkereien und Milchbauern profitieren sollen. Sie bekommen danach fünf Cent mehr pro Liter, ALDI hat die Preise für Milchprodukte Anfang Mai erhöht. Offen ist bisher, ob sich auch andere Einzelhandelsketten anschließen.

Warum sind die Lebensmittelpreise gestiegen?

Schwierigkeiten bei einigen Lieferketten, fehlende Saisonkräfte, hohe Nachfrage bei Lebensmitteln fürs Backen, ein Überangebot, weil Abnehmer wie Hotels oder Gaststätten fehlen: Die Einschränkungen in der Corona-Pandemie haben laut Judith Dittrich derzeit noch die stärksten Auswirkungen auf die Preise für Lebensmittel. Für die aktuellen Preisanstiege gebe es aber auch noch andere Ursachen:

Holzkohlegrill: Angrillen im Garten
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Das sieht man etwa beim Fleisch. Da begannen die Preise schon letztes Jahr zu steigen. Etwa für Schweinefleisch. In China grassierte die Afrikanische Schweinepest und die waren auf Importe angewiesen.

Bei Fleisch werden ähnlich wie bei Milchprodukten oder Eiern die Preise zwischen Lieferanten und Einzelhandel langfristig verhandelt und dann Anfang des Jahres und noch einmal im Sommer angehoben oder auch gesenkt. Wie sich die Preise für Lebensmittel weiter entwickeln und ob es ähnlich wie bei Hefe im März und April bei Lebensmitteln teure Engpässe geben könnte, dazu sind laut den Marktforschern bisher keine Vorhersagen möglich.

Viele kaufen anders ein als vor Corona-Krise

Ein gut gefüllter Kühlschrank
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Viele kochen eher zu Hause, weil sie im Homeoffice arbeiten. Gleichzeitig legen Verbraucher mehr Wert auf Haltbarkeit und auf Produkte, für die mehr auf das Wohl der Tiere oder auf Naturschutz geachtet wird. Das zeigt eine laufende Studie der Hochschule Göttingen. Derzeit ist aber noch offen, ob dieses geänderte Einkaufsverhalten auch eine Auswirkung auf die Preise hat. Laut AMI spiele das neben den anderen Ursachen nur eine kleine Rolle.

Mit Material von epd.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP Nachrichten | 28. Mai 2020 | 13:00 Uhr

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