neue KFZ-Steuer: Spritschlucker werden teurer

Ein Steuerbonus für Autos, die wenig verbrauchen. Aufschläge für Wagen, die viel Sprit benötigen: So sollen Autokäufer ab 2021 dazu gebracht werden, umweltfreundlichere Fahrzeuge zu kaufen.

Stehende Autos, laufender Motor
Bildrechte: imago images / Gottfried Czepluch

Der Bundestag hat eine Reform der Kfz-Steuer verabschiedet: Die Umwelt soll davon profitieren, die Staatskasse nicht: Nach den Plänen der Bundesregierung werden Neuwagen teurer, die vergleichsweise viel Sprit brauchen und viel klimaschädliches Kohlendioxid ausstoßen. Für sehr sparsame Autos dagegen gibt es ab 2021 einen 30-Euro-Steuerbonus, für maximal fünf Jahre. Der Bonus gilt für Autos, die zwischen Juni 2020 und Ende 2024 zugelassen wurden und weniger als 95 Gramm CO2 Emissionen ausstoßen.

Für die meisten Autos bleibt die Steuer gleich

Für viele Kleinwagen und klassische Familienautos ändert sich laut ADAC die Kfz-Steuer nicht. Pro 100 Kubikzentimeter Hubraum werden dann für Dieselfahrzeuge weiterhin 9,50 Euro pro Jahr fällig. Für Benziner werden wie bisher zwei Euro berechnet. Die Steuern werden für ab 2021 zugelassene Autos, vor allem für SUVs und Sportwagen, steigen. Deren Motoren stoßen vergleichsweise viel CO2 aus: Für jedes Gramm CO2, welches pro Kilometer ausgestoßen wird, wird ein Aufschlag erhoben. Damit könnte die Steuer für einen VW Touareg mit Benzin-Motor und drei Liter Hubraum von knapp 380 auf fast 700 Euro steigen, so eine Beispielrechnung dieses Motor-Portals.

95 Gramm CO2 auf den Kilometer sind dabei so etwas wie die magische Grenze: Stößt ein Neuwagen weniger CO2 aus, gibt es 30 Euro Steuerbonus. Doch das schafft laut Kraftfahrt-Bundesamt nur jedes sechste Auto. Viele Neuwagen liegen mehr oder weniger deutlich über der 95-Gramm-Grenze. Für sie steigen die Kfz-Steuern im Vergleich zu bisher etwas an.

Elektroautos sollen komplett von der Steuer befreit werden. Die Befreiung gilt für zehn Jahre und maximal bis Ende des Jahres 2030. Sie gilt für E-Autos, die bis Ende 2025 zugelassen werden. Ziel der Regierung ist es, in Deutschland bis 2030 sieben bis zehn Millionen Elektrofahrzeuge zuzulassen - so steht es in dem Gesetzesentwurf.

Außerdem wird eine Sonderregelung für die Besteuerung bestimmter leichter Nutzfahrzeuge abgeschafft, um mittelständische Unternehmen zu entlasten.

"Nur ein erster Schritt"

Bereits zugelassene Autos sind von der Reform der Kfz-Steuer nicht betroffen: Die Bundesregierung will damit Autokäufer ab 2021 dazu bringen, sparsamere PKW zu kaufen. Dafür werde die Steuer "ökologischer", so der Unions-Fraktionsvize Andreas Jung:

Wer sich für ein klimafreundliches Auto entscheidet, wird weniger Kfz-Steuer bezahlen als bisher, Pkws mit hohem Ausstoß werden dagegen teurer.

Vom ADAC kommt verhaltenes Lob für die geplante Reform. Die könne nur ein erster Schritt sein, so ADAC-Verkehrspräsident Gerhard Hillebrand:

Perspektivisch müssen wir die Kfz-Steuer konsequent und vollständig am CO2-Ausstoß ausrichten, um eine optimale Lenkungswirkung zu erzielen.

Aus seiner Sicht ist der jetzt vorliegende Gesetzentwurf ein vertretbarer Kompromiss zwischen mehr Anreizen für Klimaschutz und bezahlbarer Mobilität. Die Grünen im Bundestag dagegen kritisieren die Steuerpläne heftig. Grünen-Fraktionsvize Oliver Krischer sagte der Nachrichtenagentur dpa:

Mit ihrer dürftigen Reform wird die Bundesregierung den Umstieg auf saubere E-Autos oder sparsamere Pkw kaum beschleunigen.

Nach einem aktuellen Bericht des Bundesfinanzministeriums sinkt die Steuer für Neuwagen seit Anfang des Jahres. Bis Juni fiel der Durchschnittsbetrag auf 201 Euro, von 210 Euro im September 2019. Aus Sicht des Ministeriums geht die Steuer zurück, weil der Anteil von Pkw mit alternativen, klimafreundlichen Antrieben steige. Die Kfz-Steuer ist bereits an die Abgaswerte gekoppelt.

Reform muss noch durch den Bundesrat

Der Gesetzentwurf der schwarz-roten Bundesregierung war Ende Juli ohne Änderungen durch den Bundesrat gekommen. Nun muss die Länderkammer darüber entscheiden. Die neuen Regeln bei der Kfz-Steuer sollen dann ab 2021 für Neuwagen gelten und bereits zugelassene Autos sind nicht betroffen.

Mit Material von dpa und AFP.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP Nachrichten | 16. September 2020 | 18:00 Uhr

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