Konzert, Fußballspiel, Reise wegen Corona abgesagt: Bekomme ich mein Geld zurück?

10.03.2020 | 14:09 Uhr

Die Ausbreitung des Coronavirus soll verlangsamt werden: Ganz Italien wird zur Sperrzone - das hat auch Auswirkungen für Touristen. In Deutschland sollten Veranstaltungen mit mehr als 1.000 Teilnehmern abgesagt werden. Das empfiehlt Gesundheitsminister Jens Spahn. Wir klären, welche Rechte Reisende haben und was für abgesagte Konzerte oder Fußballspiele gilt.

Leere Sitze im Weserstation in Bremen
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Die italienische Regierung hat am Montag das ganze Land zur Schutzzone erklärt. Das hat auch für Touristen Folgen: Die sollen etwa an den Grenzen bei der Einreise kontrolliert werden, Skigebiete sind geschlossen worden. Das Auswärtige Amt warnt bereits seit einiger Zeit vor Reisen in Gebiete in der Mitte und im Norden von Italien: "Beschränken Sie Reisen in und nach Italien derzeit auf das Notwendige". Das Auswärtige Amt hat auch für Reisen in bestimmte Gebiete in China Reisewarnungen erlassen.

Bekommen Urlauber vom Reiseveranstalter Geld zurück?

Grundsätzlich kann man Reisen in Länder stornieren, wenn man wegen der Zahl von Corona-Fällen dort sich Sorgen macht. Dann werden aber in der Regel Stornokosten fällig. Das Geld gibt es nur dann zurück, wenn es eine offizielle Reisewarnung für das Urlaubsland gibt. Das ist gerade bei Teilen von Italien der Fall. Manche Reiseveranstalter bieten dann auch von sich aus an, zu einem anderen Urlaubsziel umzubuchen. Der Kölner Jurist und Experte für Internetrecht Christian Solmecke sagte MDR JUMP:

Christian Solmecke
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Bei Ländern, für die es keine Reisewarnung gibt, sieht das ein bisschen anders aus. Nur weil ich Angst habe, mich in einem gewissen Land mit dem Coronavirus zu infizieren, heiße das noch lange nicht, dass ich auch meine Reise stornieren darf.

Springt die Reiserücktrittsversicherung ein?

Eine Frau mit Atemschutzmaske auf dem Bahnhof in Milano/Italien
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Die Anbieter von Reiserücktrittsversicherungen zahlen, wenn man etwa wegen einer Krankheit oder anderen gravierenden Gründen die Reise komplett absagen muss. Dann werden die Stornierungskosten übernommen, die wenige Tage vor Urlaubsbeginn sogar mehr als 75 Prozent des Reisepreises betragen können. Wer also etwa selbst am Corona-Virus erkrankt und nicht reisen kann, bekommt das Geld zurück. Anders sieht das aus, wenn man wegen Corona-Fällen nicht in ein bestimmtes Urlaubsland reisen kann oder will. Das ist meist kein Versicherungsfall und die Versicherung springt nicht ein. Sicherheitshalber kann man aber trotzdem nachfragen, ob diese Möglichkeit besteht.

Flugzeugkabine mit Passagieren
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Einige Fluggesellschaften wie Lufthansa oder Condor und Reiseveranstalter wie TUI haben inzwischen schon auf die Sorgen von Reisenden und die Entwicklungen bei der Ausbreitung des Coronavirus reagiert. Sie haben ihre Stornierungsregeln gelockert. Diese neuen Regeln gelten für alle Urlaube und Reisen, die ab jetzt gebucht werden. Danach können Urlauber bis zwei Wochen vor dem Abreisetermin umbuchen. Alternativ können sie bei manchen Unternehmen die Reise ganz absagen. Die Deutsche Bahn will zudem den Fahrpreis erstatten, wenn Veranstaltungen ausfallen. Das Portal Airbnb erlaubt kostenlose Stornierungen für Gebiete mit sehr vielen erkrankten Menschen. Einen Überblick und die Links zu den Stornierungsregeln der Unternehmen liefert das Reiseportal Travel Dealz.

Was wird in Deutschland alles wegen dem Coronavirus abgesagt?

Einige Veranstalter und Gesundheitsbehörden haben bereits auf die Empfehlung von Gesundheitsminister Spahn reagiert, größere Events mit vielen Menschen abzusagen oder zu verschieben. Das Konzert von Johannes Oerding in Magdeburg am 15. März ist bereits verschoben worden, ebenso der Auftritt von Helge Schneider am 14. März. Auch andere Musik- oder Sport-Veranstaltungen in Thüringen und Sachsen-Anhalt wurden bereits sicherheitshalber gestoppt. Beim Sputnik Spring Break im Mai steht die Entscheidung derzeit noch aus. In Sachsen will man den Empfehlungen vom Robert-Koch-Institut für Veranstaltungen folgen. Auf die verweist das zuständige sächsische Landesministerium für Soziales und gesellschaftlichen Zusammenhalt auf MDR-Anfrage. In den Empfehlungen heißt es:

«Robert Koch-Institut» steht auf einem Schild vor dem Eingang des Instituts
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Die Zuständigkeit zur Veranlassung von Maßnahmen für Veranstaltungen obliegt den Veranstaltern sowie den lokalen Behörden vor Ort. Grundsätzlich ist möglich, die Veranstaltung durchzuführen, unter Auflagen zu erlauben, das Format anzupassen, aber auch die Verschiebung oder Streichung der Veranstaltung sind möglich.

Anwalt Christian Solmecke sagt:

Wird ein Konzert abgesagt, dann habe ich einen Anspruch auf die Rückerstattung des Ticketpreises. Dabei macht es auch keinen Unterschied, ob die Absage aufgrund einer behördlichen Anweisung erfolgte oder ob der Konzertveranstalter das selbst entschieden hat.

Manche Veranstalter versuchen zwar im Kleingedruckten der Tickets, dieses Risiko auf ihre Kunden abzuwälzen. Diese "Höhere Gewalt"-Klauseln in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen sind laut Christian Solmecke aber unwirksam.

Welche Rechte hat man bei abgesagten Fußballspielen und "Geisterspielen"?

Covid-19 trifft jetzt auch den Profisport. Aus Sicherheitsgründen werden einige Bundesliga-Spiele vor leeren Rängen ausgetragen: Das Nachholspiel zwischen Borussia Mönchengladbach und dem 1. FC Köln am Mittwoch, das Revierderby Borussia Dortmund gegen FC Schalke 04 am Samstag und das Spiel von Werder Bremen gegen Bayer Leverkusen kommende Woche. RB Leipzig tritt im Champions-League-Spiel gegen Tottenham dagegen vor Zuschauern. Auch das Handball-Länderspiel zwischen Deutschland und den Niederlanden in Magdeburg könnte hinter verschlossenen Türen ausgetragen werden. In der Deutschen Eishockey Liga (kurz: DEL) wird darüber diskutiert, die Saison vorzeitig abzubrechen.

Privatpersonen bekommen den Ticketpreis zurück, wenn das Spiel nicht durchgeführt wird und insofern auch keine Leistung erbracht wird. Das Gleiche gilt auch wenn das Spiel zwar durchgeführt wird, aber ein sogenanntes Geisterspiel ist. Werden die Zuschauer nicht ins Stadion gelassen, erbringt der Veranstalter keinerlei Leistung.

Was gilt, wenn Konzerte oder Spiele verschoben werden?

Dann gibt es zunächst erst einmal kein Geld zurück. Die Veranstaltung findet schließlich noch statt. Wer allerdings am Nachholtermin keine Zeit für das Spiel oder das Konzert hat, hat laut Christian Solmecke gute Chancen, sein Geld zurückbekommen. Denn der Veranstalter unterbreite mit dem neuen Termin eben auch ein neues Angebot. Auf das muss man sich aber nicht einlassen.

Hat man am Nachholtermin keine Zeit, kann man sehr wohl das Geld zurückverlangen. Sollten die Klauseln in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen etwas anderes sagen, sind die unwirksam.

Wer eine Dauerkarte für Spiele seines Vereins hat, hat bei verschobenen Nachholspielen in der Regel Pech. Wer zum Ausweichtermin nicht kann, bekommt kein Geld zurück.

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Dieses Thema im Programm MDR JUMP - Die Themen des Tages | 10. März 2020 | 19:10 Uhr

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