Müssen Arbeitnehmer Krankschreibung nachweisen?

Eine Beschäftigte erhielt während einer Krankschreibung keinen Lohn. Nun hat das Bundesarbeitsgericht Erfurt darüber entschieden, unter welchen Voraussetzungen Arbeitgeber eine Krankschreibung anzweifeln dürfen.

Das Gebäude des Bundesarbeitsgerichts (BAG) in Erfurt
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Der Fall

Eine Mitarbeiterin einer Zeitarbeitsfirma hat vor Gericht gegen ihren Arbeitgeber geklagt. Grund dafür war die Nichtfortzahlung ihres Lohnes wegen einer Krankschreibung. Die Beschäftigte reichte Anfang Februar 2019 ihre Kündigung zum Monatsende ein. Parallel dazu übergab sie einen Arbeitsunfähigkeitsschein (AU). Die Arbeitgeber zweifelten diesen an und zahlten während der Krankschreibung keinen Lohn. Die Klägerin soll laut Arbeitgeber am Tag der Ausstellung der Bescheinigung bei einem Arbeitskollegen telefonisch geäußert haben, bis zum Auslauf des Vertrages nicht mehr zur Arbeit zu kommen. Die Themem Krankenschein und Arbeitsunfähigkeit sollen dabei nicht zur Sprache gekommen sein.

Zuletzt hatte das Landgericht Niedersachsen den Fall geprüft und der Klage statt gegeben. Der Anspruch auf Lohnfortzahlung stehe der Klägerin zu. Das Unternehmen legte daraufhin Revision ein. Jetzt hat das Bundesarbeitsgericht Erfurt ein Urteil gefällt.

Urteil

Richterhammer
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Dem Arbeitgeber wurde in diesem Fall recht gegeben und die Klage abgewiesen. Aus Sicht der zuständigen Richter und Richterinnen wurde der Beweiswert der Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung erschüttert, da er die Restlaufzeit des Arbeitsvertrages genauestens abdeckte. Demnach wurde von der Klägerin unzureichend bewiesen, in diesem Zeitraum wirklich arbeitsunfähig gewesen zu sein.

Generell gilt: Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen, die direkt nach einer Kündigung eine AU vorlegen und die Arbeit bis zum Auslauf des Vertrages nicht mehr aufnehmen, können nicht automatisch mit einer Gehaltsfortzahlung rechnen.

Rechtsanwalt Marco Dienemann aus Halle ordnet im MDR JUMP Interview das Urteil ein:

Nach meiner Einschätzung ist das Urteil nicht besonders überraschend. Grundsätzlich geht man davon aus, dass eine AU eines Arztes ein Beweismittel darstellt und die Arbeitsunfähigkeit des Arbeitnehmers beweist. Wenn der Arbeitgeber Zweifel an der AU hat, beispielsweise nach einer Feierei oder nach einer Kündigung, kann dieser versuchen, den Beweiswert zu erschüttern.

Des Weiteren sagt er:

Arbeitnehmer sollten sich im Zusammenhang einer Kündigung davor hüten, die AU herbeizuführen, obwohl gar keine Krankheit vorliegt.

Mit Material von dpa

Dieses Thema im Programm MDR JUMP Nachrichten | 08. September 2021 | 19:00 Uhr

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